Beiträge vom July, 2007
Jul
29
Sunday, 29. July 2007 21:59
Das Ziel philosophischer Umtriebe ist es nicht, “miteinander ins Gespräch” zu kommen und den “Dialog zu suchen” (das ist die seichte, gadamersche Rückzugsposition), sondern Sachfragen unter Aufbietung von Rationalitätsressourcen zu entscheiden. Ob das geleistet werden kann, ist natürlich eine andere Frage, denn unsere Aufweis-, Nachweis- und Beweismöglichkeiten hinken erfahrungsgemäß hinter unseren Behauptungen hinterher. Das ist die eigentliche intellektuelle Tragik, die Relativisten die Munition liefert.
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Thema: analysis, arguments, speech |
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 14:00
Manchmal wird so geredet, als ob Authentizität als eine Art kulturelle Gegenkraft zu den wirtschaftlich motivierten Verschiebebahnhöfen auf den Plan tritt. Ich vermute, das ist falsch. Ganz im Gegenteil: die Authentizität tritt als Mittel und Funktion ökonomischer Motive auf. Man möchte sich als “durchschaubar”, “berechenbar”, “extrapolierbar”, “stetig” präsentieren. Bindungstransaktionen. Ganz besonders prominent: bei Bewerbungen in der Arbeitswelt. Jeder Akquiseakt läuft unter diesem Motto.
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Thema: ecosophia |
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:49
Würde man unser alltägliches “In-der-Welt-Sein” phänomenologisch als heideggerschen Orientierungsmodus verstehen wollen, dann müßten wir von einer “taktischen Temperiertheit” sprechen. Es wäre ein Fehler, das “verlogen” zu nennen; es ist einfach nur ein in Gleichgewichten zu beschreibender Balanceakt zwischen Fordern und Zügeln, Investieren und (Er)sparen, Positionieren und Vermeiden, Exponieren und Verdecken.
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Thema: analysis, concepts&models, ecosophia, society |
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:39
Manchmal kommt es vor, daß sich Personen das Prädikat “authentisch” zuschreiben können, weil sie viel großzügigere Kriterien und Zählprinzipien verwenden (manche Dinge werden gar nicht gezählt). Das kann dann in Anlehnung an Watzlawick dazu führen, daß man eo ispo gar nicht mehr “inauthentisch” sein kann, weil nichts mehr darunter fallen würde. Wir würden als offene Bücher der Natur durch die Welt spazieren. Wer glaubt dies ernsthaft?
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Thema: analysis, motives |
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:24
Man kann nahezu jede persönliche Interaktion als Geschäftsgebahren verstehen. Deshalb müssen auch Selbstzuschreibungen oder Forderungen nach Authentizität unter Vorbehalt bis zur Prüfung gesetzt werden (”ich bin authentisch”; “sei authentisch”). Im ersten Fall handelt es sich nicht selten um eine Werbemaßnahme (ist also selbst Teil eine Strategie oder Taktik), im zweiten Fall möchte man bessere Berechnungsgrundlagen für das Gegenüber erhaschen. Würde man das bestreiten, so hieße das zu behaupten, daß aus der persönlichen Selbstauskunft, man sei authentisch, folgt, daß man authentisch ist. Wer würde das unterschreiben wollen?
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Thema: concepts&models, ecosophia, technics |
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Jul
17
Tuesday, 17. July 2007 13:14
Es ist viel wichtiger, viele zutreffende Aussagen im eigenen Überzeugungsportfolio herumzutragen als “tiefe”. Von Wittgenstein wird kolportiert (Stelle ist mir nicht bekannt), er hätte im Vergleich Kant-Schopenhauer gesagt, bei letzterem sehe man “schneller auf den Grund”. Umso schlimmer für Kant, denn Schopenhauer hat bisweilen erstaunlich präzise beobachtet und formuliert (daran ändert auch der Umstand nichts, daß das bestimmten Bevölkerungsgruppen nicht gefällt). Das Ausspielen von Oberflächlichkeit und Tiefe treibt manchmal merkwürdige Blüten.
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Thema: analysis, beliefs, concepts&models |
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Jul
17
Tuesday, 17. July 2007 12:21
Einem Pädagogen gegenüber expliziere ich ein Handlungsmodell, das Personen in erster Linie am Eigeninteresse orientiert sieht. Ich füge hinzu, daß sich ansonsten Verhaltensweisen nicht erklären lassen (ein “explanatorisches” Argument). Er daraufhin: “Sie haben aber ein schlimmes Menschenbild”. Seinen Zug muß man sich auf der Zunge zergehen lassen - schlimm, wenn man von der eigenen Rhetorik übermannt wird. Ein notdürftig philosophisch Angelernter - er merkt gar nicht, daß er nichts zeigt, sondern nur etwas sagt und dabei die Falschheit einer empirischen These einfach so voraussetzt. Der Weg zur rationalen Anomalie des “wishful thinking” ist damit geebnet. Nicht selten für diese Spezies, die alles schon weiß, wonach andere forschen müssen. Er wird sein “Wissen” von berufswegen weitergeben wollen.
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Thema: analysis |
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Jul
17
Tuesday, 17. July 2007 11:38
Beim Taufen von Produkten oder Dientstleistungen ist es vernünftig, den Namen Programm sein zu lassen. Das ist bei Eigennamen nicht so, denn niemand verfolgt ein Programm, wenn er seinen Sohn “Paul” oder ein Gewässer “Atlantik” nennt. Beim Benennen (Namen) kann man Fehler machen. Besser: die nahegelegte Programmatik ist irreführend. Ein prominentes Beispiel ist das basicthinking Blog (http://www.basicthinking.de/blog/) von Robert Basic, das ansonsten sehr gut gemacht ist und in dem man allerlei Nützliches um Internetpräsenz nachlesen kann. Die Frage ist nur: was ist “basic” an dem “thinking”? In welcher Weise gehts dort um Denken und Überlegen? A misnomer. Der Name wäre meinem Blog gut zu Gesicht gestanden. Vielleicht ist mir dieser prominente Blogger ja trotz Kritik zugeneigt und nimmt mich in die Liste seiner Fachblogs (Philosophie) auf.
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Thema: general, speech, words |
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Jul
16
Monday, 16. July 2007 9:03
Das Erstaunliche in der Theorieentwicklung der vergangenen Jahrhunderte scheint mir zu sein, daß eine Absenkung der Erkenntnisansprüche zu einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Schlagkraft geführt hat. Wir denken “in terms of” Hypothesen, anstatt Evidenzen, in Korrelationen als defizientem Modus von Kausalität, sind uns des Setzungscharakters von Axiomen bewußt und verfügen über eine vorsichtigere Forschung in der Formalen Logik (es ist nicht “logisch” so, daß ein losgelassener Stein nach unten fällt); generelle Hypothesen folgen nicht aus Beobachtungen und selbst die sogenannten “Basis- oder Protokollsätze” beargwöhnen wir. Die Fortschritte in Technik, Medizin o.ä. dokumentieren dies.
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Thema: concepts&models, inquiry, methods |
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Jul
16
Monday, 16. July 2007 8:19
Die Maxime, man solle auf das “Wesentliche” achten, ist häufig nahezu leer, weil ex post. Der Pragmatiker, der sich dynamisch in ein Handlungsfeld mit Zukunft hineinoperierend wahrnimmt, weiß ja häufig gar nicht, welche Weltattribute die wesentlichen sind oder was eine Indikator für etwas anderes per Gesetzesartigkeit ist; oft kennt er ja noch nicht einmal das Problem. Wenn eine Polizeistreife an einem korrekt geparkten weißen Auto gegenüber einer Sparkasse vorbeifährt, das sich später als Fluchtauto bei einem Bankraub herausstellt, hat der Polizeibeamte dann einen Fehler gemacht, weil er sich das Nummernschild des unauffälligen Autos (das Wesentliche der Identifikation) nicht gemerkt hat?
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Thema: analysis, concepts&models, reasoning |
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