Beiträge vom November, 2007
Nov
23
Friday, 23. November 2007 9:24
Intentionen sieht man selten - wenn überhaupt - direkt ein. Deshalb erscheinen moralisch und geschäftlich motivierte Handlungen häufig als ununterscheidbar. Dem Kaufmann ist es ja stets möglich, vom Selbstverständnis “Kaufviehhirte” in Richtung “wohltätiger Bedürfniserfüllungsgehilfe” zu switchen, ohne daß man ihn an der Handlungsoberfläche stellen könnte. “Dumme” Bedürfnisse gibts für den reinrassigen Geschäftsmann ja gar nicht. Auch sehen wir wieder eine Struktur, bei der es einen definitorischen Unterschied zwischen Handlungsstrukturen gibt (Kant: die Absicht muß gut sein für moralisch korrektes Verhalten), bei denen der begriffliche Zusatz (gute Absicht) unseren unmittelbaren Detektionsmöglichkeiten unangenehm vorauseilt. Interpretation und Ermittlung muß investiert werden, um es herauszubekommen. Das kostet Energie und Zeit. Meist zu viel.
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planen,
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Thema: analysis, economics |
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Nov
19
Monday, 19. November 2007 12:01
Viele kulturelle Praktiken sind heute auf offene Enden umgestellt worden - ein verändertes Zeitverständnis hat sich breit gemacht. Musikstücke werden ausgeblendet (…und so weiter), Filme und Bücher verweisen auf ein offene Zukunft. Auch in Lernzusammenhängen ist das so, wenn auf "lebenslanges Lernen" gedrängt wird. Man stirbt heute mit dem Bewußtsein, evtl. doof zu sein. Die aristotelische Abschlussform, die auf eine intellektuelle Endbefriedigung als telos hinausläuft wird auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben - ein "perennierendes Sollen" hätte Hegel wahrscheinlich gesagt. So kommt es auch, dass Figuren vom Typ Sepp Herberger im Vorteil sind, denen der finale erotische Befriedigungsimpuls sowieso abgeht und denen es liegt, zu sagen, "nach dem Spiel sei vor dem Spiel" und der Kampf sei schließlich Lebensinhalt eo ipso. Es ist auch die Zeit derjenigen, die Versagen über ein "nicht genugt gearbeitet und es sich verdient haben" schieben können und gar nicht auf die Idee kommen, es könnte ihnen an Talent ermangeln. Auch da ist es wieder wie im Fußball: der Rasen brannte nicht; man ging zu wenig in die Zweikämpfe. Wenig ersprießlich.
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Thema: knowledge, society |
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Nov
18
Sunday, 18. November 2007 15:57
Ein aufgeklärter Pragmatismus muss sagen, dass die Lebensberechtigung eines Konzepts in seinem Leistungsbeitrag für mögliche Problemlösungen besteht. Als notwendig erweist er sich dadurch, dass man ohne ihn bestimmte Leistungen nicht erbringen kann. Er darf auch ruhig abstrakt sein und muss nicht empiristischen Restriktionen (Wahrnehmbarkeit) genügen. Die kritische Masse entsteht nicht durch seine Verankerung in der sinnlichen Welt sondern in seinem Problemlösungspotential.
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Thema: concepts&models, systematics |
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Nov
11
Sunday, 11. November 2007 18:18
Im Alltag kann man oft beobachten, dass der Ausdruck “bezieht sich auf” auch dann verwendet wird, wenn “ist verknüpft/assoziiert mit” genügte. Variante zwei ist weniger stark, weil die Richtungsdimension nicht mitgedacht wird. Ein gerichteter Bezug ist immer eine Verknüpfung (aus einer Beziehung folgt immer eine Verknüpfung), eine Verknüpfung aber nicht immer ein Bezug.
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Thema: speech, words |
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Nov
11
Sunday, 11. November 2007 14:04
Dass man mit Wörtern andere Dinge tun kann, als assertorische Aussagen hinzustellen, ändert nichts daran, dass die Wahrheit der den Sätzen entsprechenden Überzeugungen zentral sind für unseren intellektuellen Haushalt. Insofern können wahrheitzentrierte Überlegungen nicht durch Gebrauchsüberlegungen außer Kraft gesetzt werden.
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Thema: beliefs, speech, truth, words |
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Nov
10
Saturday, 10. November 2007 10:42
Ein Maß für die äußerst starke Einbettung pragmatischen Verhaltens ist: die Häufigkeit, mit der man im Alltag die Frage nach dem Sinn, der Bedeutung oder der Funktion eines Objekts konfrontiert sieht mit der Replik: “…das hängt davon ab, was sie damit machen wollen”. Angaben a la “how to do things with…” (words, numbers, cars, women, computers,…) sind auch der Ausdruck unserer Handlungssouveräneitität. Deshalb führt an der Gebrauchs- und Verwendungsdimension (= Pragmatismus) kein Weg vorbei.
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Thema: concepts&models, ecosophia, methods, technics |
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Nov
03
Saturday, 3. November 2007 13:15
In der Philosophie muss gelten: es ist buchstäblich gemeint, was gesagt wird. Der Verweischarakter von Zeichen muss minimiert sein bzw. die Aussagen müssen auf sich selbst verweisen. Die Rede muss “eminenten” Charakters sein. Es ist das Gebiet des Literalen. Deswegen haben dort Literaten, insofern sie Literaten sind, nichts zu suchen.
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Thema: speech, words |
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Nov
03
Saturday, 3. November 2007 12:04
Wenn nicht gerade Bildungskritik angesagt ist, geben sich ältere Leute mitunter bass erstaunt über das intellektuelle Repertoire der Jüngeren. Das rührt häufig daher, dass es insbesondere im Bereich der Informationstechnologie und der Betriebswirtschaft einen professionalisierten, mit Anglizismen und abstrakten Termen durchsetzten Redegebrauch gibt (Operatoren, Parameter, Klassen, Objekte, generische Typen, Index,…). Schon beim Ausdruck “Information” stellt sich erste Verstörung ein. Diese Verbalien werden sicherlich oft korrekt verwendet. Trotzdem stellt sich eine Merkwürdigkeit ein: man hat nicht wirklich den Eindruck, dass sich diese Rede natürlich in den üblichen Wortschaft und die Persönlichkeit einbettet; dazu ist die gesamte Lebensführung mitsamt der einhergenden Urteilsmuster zu wenig “abstrakt” und sackt bisweilen sogar tief ins Infantile ab. Es ist komisch, einen logico-mathematisch unbefleckten Jungen ganz smart und lässig von Variablen sprechen zu hören. Das rüht daher, dass die Kontrastklassen der möglichen Bedeutungen dieses Ausdrucks ihm nicht präsent sind (der Ausdruck wurde z.B. selbst innerhalb der Mathematik unterschiedlich verstanden). Deshalb auch dieser Eindruck von imitierter Professionalität. Auch kann man sich nicht vorstellen, dass die nötigen Abstraktionsstufen vorher durchlaufen wurden; der Begriff der Variablen ist ein high-end Begriff und Tarski hat ihm trotz Einfachheit eine epochale Bedeutung zugestanden.
Die Rede wurde halt direkt erlernt. Und es ist ein Fehler, daraus zu schließen, dass der, der diese Stufe erklommen hat, auch den Weg dorthin verstanden hat. Beim Erlernen von Sprache rückt man einfach direkt in einen Gebrauchsbereich ein. Mehr nicht. Kein Grund für erhöhten Respekt. Die Aufgabe des Philosophen ist: die gesamte Rede zu homogeneisieren, explizit machen, die Verknüpfungswege zwischen diesen “Örtern” sichtbar machen, sodass nichts mehr in der Luft hängt. Ein topologisches System. Erst dann hätte man den berechtigten Eindruck, dass jemand die Sache als Persönlichkeit im Griff hat.
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Thema: analysis, knowledge, society, speech, systematics, words |
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Nov
03
Saturday, 3. November 2007 10:45
Rede über Fiktionales und Rede über Tatsächliches unterscheiden sich auf der Verstehensebene in nichts. Insofern der Ausdruck “Yeti” begrifflich eingegrenzt ist, ist uns der Satz “Yetis sind Säugetiere” und “Wale sind Säugetiere” gleichermaßen verständlich. Die Verpackung der Yetis (unter Annahme ihrer Nichtexistenz) in einen eigens dafür eingerichteten Diskurs, den man “fiktional” nennt entspringt wieder einem ex-post Verfahren, bei dem man das Wissen nach Prüfung in die Semantik der Sätze einliest. Einer der Gründe, weshalb man besser Pragmatiker ist und sich immer die ex-ante Situation vorstellt. Freilich entlastet dieses Einsicht den Literaten nicht.
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Thema: analysis, inquiry, speech, truth, words |
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