Beiträge vom March, 2008

Wert

Monday, 31. March 2008 10:06

Das Wahrheitspraedikat ist in keiner ersichtlichen Weise ein Wertpraedikat. “Wertpraedikat” meint die Vorstellung, man adele sozusagen per “Ritterschlag” das Gesagte, verleiht ihm Wert (z.B. durch Bestaetigung). Sagt oder denkt jemand etwas und ein anderer sagt wertverleihend: “Das stimmt” oder “Das ist wahr”, “sehe ich auch so” - dann ist das für die Wahrheit des Gesagten aeußerlich, weil das Gesagte nichtsdestotrotz falsch sein kann. Könnte das Idiom “ich lege Wert darauf, dass Merkel derzeitige Bundeskanzlerin ist” irgendeine wesentliche Funktion spielen? Ich sehe keine. Wahrheit ist auch auf spezielle Formen von Betonungen nicht ansprechbar; sie ist zu kühl dafür. In gewisser Weise ist Wahrheit gar nicht sozial, obgleich natürlich das Wort und dessen Verwendung gelernt sein will. Das gilt insbesondere für Aussagen, die den unmittelbaren Wahrnehmungsraum verlassen (z.B. volkswirtschaftliche Aussagen, politische Aussagen…). Das Soziale muesste genauer herauspraepariert werden.

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Unverlierbar

Sunday, 30. March 2008 11:43

Das Wahrheitspraedikat wird manchmal als unverlierbare Eigenschaft bezeichnet. Das ist nicht zu verwechseln mit “ewigen Wahrheiten”, sondern eine semantische Einsicht in den sinnvollen Gebrauch von z.B. “Wissen”. Gemeint ist: Man kann nicht sagen, man wisse etwas und nach Falsifizierung des Wissensguts den Sprachgebrauch durchhalten. Also so: “Ich wusste damals, dass p, das hat sich nun als falsch herausgestellt und nun weiß ich, dass q”. Sondern: er ist zur sprachlichen Umstellung gezwungen, derart, dass er sagt: “Ich glaubte damals (nur), dass p,…”. Zuwiderhandlung würde dazu führen, dass man dem Proponenten sagt, er habe das Wissenspraedikat nicht richtig verstanden oder er verwendet es anders.

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JTB

Sunday, 30. March 2008 11:35

“Knowledge = justified true belief + x” ist - als Vorschlag - eine Angabe von notwendigen Bedingungen/ Desideraten/Adaequatheitsbedingungen auf die Frage hin, was es denn auf jeden Fall heißen muesste, wenn Wissen vorliegen wuerde. Redet jemand in ganz anderer Weise davon, hieße das, dass er ueber etwas anderes spricht. Die Motivation, “true” aufzunehmen, kommt daher, dass man nichts Falsches wissen kann. Wenn jemand sagt, er wisse etwas, das sich als falsch herausstellt, dann lag kein Wissen vor.

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Geltung

Saturday, 29. March 2008 13:29

Angenommen, jemand macht einen Denkfehler (z.B. er schließt von “Erna ist blond” auf “Alle Frauen sind blond”). Ist der Gedankengang zu retten, in dem wir seine Gehirnaktivitäten beobachten? Nein. Sein Gehirn könnte auch ganz anders gebaut sein, am Fehlschluss würde das nichts ändern.

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Thema: concepts&models | Kommentare (0)

Wahrheitslink

Friday, 28. March 2008 11:57

Der Übergang vom Verfügen über ein Wahrheitskonzept zur Frage danach, woran man wahre Überzeugungen erkennt ist denkbar naheliegend. Man sollte ihm aber widerstehen.

Es gibt keinen “Wahrheitslink”, der sagt “hier gehts zur Wahrheit”. Es gibt nicht so etwas wie einen Indizien-Verweis, wie es etwa einen Verweis gibt zwischen Punkten im Gesicht und Masern oder Ortsschildern und Städten.

Deswegen wäre auch der Vorwurf unangebracht, das Wahrheitsprädikat sei zirkulär. Dabei stellt man bei diesem Verdacht intern die Fragestellung von “was heißt es, wahr zu sein” auf “woran erkennt man die Wahrheit” um, um dann natürlich beim “das weiß man eben” zu landen. Wahrheit würde im Rekurs auf das begrifflich anspruchsvollere Konzept des Wissens eingeführt, das mit dem Wahrheitsbegriff natürlich bereits notwendig verklammert ist (justified true belief). Deswegen - den Kriterienschritt gar nicht erst machen.

Natürlich kann dieses Ausbleiben der “Selbstanzeige” für manch einen Grund genug sein, das Prädikat außen vorzulassen, weil es operativ nicht durchschlägt. Nur - das ist bei den meisten Begriffen so: der Richter, der das Konzept “Totschlag” kennt, verfügt damit auch noch nicht über ein Kriterium, Totschläger von Nichttotschlägern zu separieren. Er sieht es ihnen auch nicht an. Er kennt auch nicht alle Totschläger.

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Theoriekonstruktion

Thursday, 27. March 2008 13:19

Wenn Erklärungseinbußen oder Adäquatheitseinbußen (Beschreibungsebene) eines Theorierahmens durch Verschlankungsmaßnahmen bei den Konzepten herbeigeführt werden, dann stimmt etwas mit den Verschlankungsmaßnahmen nicht. Eine kleine Basis (im Sinne der linearen Algebra) ist nur dann eleganter, wenn auch der adäquate Beschreibungsraum bei gleicher Leistung realistisch aufgespannt werden kann. Unrealistisch ist ein Basiskomponente, wenn sie nur sagt: “Ich könnte das ja reduzieren auf…”, auch wenn klar ist, dass es da nichts zu reduzieren gibt. Bei gleicher Leistung ist Verschlankung sehr sinnvoll - aber nur, um einen besseren Überblick zu bekommen, denn jede Theorie lässt sich axiomatisieren.

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Thema: concepts&models | Kommentare (1)

Überzeugungen

Thursday, 27. March 2008 12:43

Dieser Begriff kann zu Missverständnissen führen. Warum? Philosophen wie Davidson oder Brandom fassen etwas nur dann als Überzeugung auf, wenn der Träger auch den “Content” seines “belief” als möglicherweise falsch auffassen kann. Das realistische Moment ist in den Begriff eingebaut (dadurch kommt Wahrheit und Falschheit ins Spiel). Daran wird auch die Fähigkeit festgemacht, “thoughts” haben zu können. Kein realistisches Moment - kein thought.

Naturalisten definieren den Begriff anders: sie sehen darin lediglich eine Diskriminierungsfähigkeit (Unterscheidungen machen können), die der Träger “intern” als Disposition zur Verfügung hat.

Deshalb würden Davidson und Brandom sagen, dass ein Thermometer (das ist das übliche Beispiel) diskriminieren kann, wir ihm aber keinen Gedanken zuschreiben könnten, weil es nur reagiert. Das Konzept des Irrtums läuft ins Leere. Wir können nur metaphorisch sagen, das Thermometer irre sich.

Wenn nun gesagt wird: warum sollte ich dem Thermometer nicht “thoughts” zuschreiben, dann würde die Replik lauten: “Weil die Interpretation des Gesamtverhaltens dies nicht nahelegt”. Es reagiert nicht auf Beleidigungen, stößt selbst keine Handlungen an,…letztendlich das holistische Argument, denn Verhalten als Handlung zu beschreiben setzt ein ganzes Set von Begriffen wie “Absicht”, “Grund”, “Überzeugung” und dergleichen voraus.

Würde weiter insistiert, würden die Herren sagen: Nichts spricht dagegen, das Wort “Überzeugung” als Diskriminierungsfähigkeit zu definieren. Es ist nur nicht das Konzept, das wir in Anschlag bringen, wenn wir Handlungen aufbrechen. Handlungen sind eine Teilmenge von Verhalten. Verhalten ist eine Teilmenge von Bewegung. Damit wechselst Du das Thema.

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Thema: concepts&models | Kommentare (6)

Wahrheit und Nutzen

Thursday, 27. March 2008 12:14

Es ist nützlich, ein Wahrheitskonzept zu haben.

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Thema: inquiry, truth | Kommentare (2)

Evolution

Thursday, 27. March 2008 11:33

Wäre es nicht sehr merkwürdig, wenn sich jemand unter das “Diktat” der Evolution stellte? Er würde solche Dinge sagen wie: “weil die Evolution in der Vergangenheit diesen und jenen Mechanismen folgte, halte ich mich an sie. Ich pflanze mich fort, um im Nachhinein nicht als Verlierer der Evolution dazustehen.”

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Thema: concepts&models | Kommentare (3)

Wahrheitsmetaphysik

Thursday, 27. March 2008 10:56

Dass es so erscheint, als seien “die tatsächlichen Umstände” entkoppelt und “auf mystische Art” jenseits unserer Denkhandlungen “im transzendenten Raum” entspringt einer weitläufigen, durch ein Erkenntnis-Bild bedingten Fehlinterpretation: es handelt sich ja nicht um eine Ding, auf das man eben nicht direkt (oder grundsätzlich nicht) zugreifen kann, sondern um das Merkmal des Empirischen schlechthin. Und dies ist: man muss eben nachschauen oder messen, ums wissen zu können. Das “Loch” ist kein mystisches, sondern eines, das die mögliche Falschheit unserer Überzeugung markiert. Es ist diese unspektakuläre Lücke, die uns sagen lässt: “Ich könnte auch falsch liegen”.

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Thema: truth | Kommentare (3)