Beiträge vom August, 2008

Praktische Überzeugungen

Wednesday, 27. August 2008 14:02

Epistemische Überzeugungen beziehen sich auf Sachverhalte/Tatbestände in der Welt (”Es schneit”). Praktische Überzeugungen beziehen sich auf Handlungen. Eine praktische Überzeugung wäre: “Ich bin der Überzeugung, dass wir die Pendlerpauschale wieder einführen sollten, weil…” Bei diesem Idiom kann man natürlich nicht davon sprechen, dass der Teil, der mit “weil” beginnt, einen Wahrheitswert hat (”es ist wahr, dass die Pendlerpauschale eingeführt werden sollte” ist sinnlos; hier greift Rationalität, nicht Wahrheit).
Diese Unterscheidung ist nicht zu verwechseln mit der zwischen “theoretisch” und “praktisch”, denn “Es schneit” ist ja kein besonders “theoretischer” Satz.

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Entwerten

Wednesday, 27. August 2008 13:43

Für gewöhnlich lassen wir Leuten recht großen Raum, wenn sie - implizit oder explizit - ihren Überzeugungen Ausdruck verleihen.
Es gibt aber ein interessantes Phänomen, das man nicht unterschätzen sollte und das in Überzeugungstheorien berücksichtigt werden muss: unsere Fähigkeit, jemandem etwas nicht “abzunehmen” (”das kannst Du nicht ernsthaft glauben”).
Dies Verfahren setzt durchaus nicht erst bei logischen Widersprüchlichkeiten ein, sondern schon in Bereichen materialer Urteile des Akteurs. Wenn z.B. eine Fahrkontrolle einen Schwarzfahrer “erwischt”, dann wird der Kontrolleur dem “Delinquenten” nicht glauben, wenn dieser sagt: “Ich habe nicht gewusst, dass man für Transportleistungen zahlen muss”. Diese Ungläubigkeit reicht sogar weit bis in den Bereich von angeblich “hypersubjektiven” Urteilen ästhetischen Zuschnitts hinein. Wenn z.B. Anna Nicole Smith gesagt hätte, sie habe den reichen alten Herren aus ästhetischen Motiven heraus geheiratet, so würden wir das kaum glauben. Wir sind also generell in der Lage und Willens, die “privaten Überzeugungen” von den öffentlich vorgetragenen zu unterscheiden, um dadurch in der Lage zu sein, Strategien zu isolieren. Wir übergehen sinnvollerweise in solchen Fällen die Individualität des Gegenübers durch einen Übergriff, um ein besseres Tracking zu erreichen. Wir entwerten die Aussage einfach.

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Fallen?

Wednesday, 27. August 2008 0:14

Nicht erst seit dem linguistic turn stehen Worte ja manchmal im Verdacht, in die Irre führen zu können. Man kann dann quasi auf sie hereinfallen. Angenommen, ein Personalverantwortlicher sitzt einem Bewerber gegenüber und sagt: “Ich habe das Gefühl, Sie sind nervös.” So reden wir häufig. Hat der Personaler in diesem Moment wirklich ein Gefühl? Ist es nicht vielmehr so, dass der Ausdruck im Vorderbereich des Satzes ersetzt werden könnte durch “Ich habe den Eindruck,…”. Noch weiter weg von Gefühlen würde die Paraphrase führen “Mir scheint,…” oder gar “Die Indiziengesamtheit Ihrer Performance legt den Anfangsverdacht der Nervosität nahe.”

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Intuition

Tuesday, 26. August 2008 10:18

Die Intuition (”der Bauch”) hat in den letzten Jahren im Zuge steigender Psychologisierung tendenziell immer mehr an Wertschätzung gewonnen. Selbst Sportler sprechen häufig davon. Was dabei auffällt: die Liebhaber dieser Kategorie zählen die Fehlschläge bei Handlungen, die “aus dem Bauch kommen” häufig nicht mit. Das ist natürlich kein korrektes Zählen, wenn es um die Empfehlung praktischer Maximen geht.

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Glauben, zu wissen

Saturday, 23. August 2008 13:01

Heute nur eine Anregung.
Ein interessantes epistemisches, propositionales Idiom (nebst “glauben, dass p” und “wissen, dass p”), das wir in der Regel zu verwenden wissen, das wenig untersucht ist, aber verwirrend erscheinen könnte, ist die Wendung “ich glaube zu wissen, dass p”.

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Kollisionsdomäne

Wednesday, 20. August 2008 17:15

Die Welt besteht u.a. aus personalen Individuen. Wir kennen die virulente Frage, ob ein Individuum als solches bezüglich seiner Gedanken als letzte Relativierungsinstanz infragekommt. Zunächst möchte man sagen: aber selbstverständlich! Das ist zu bezweifeln.
Nehmen wir an, wir haben zwei Person (P1 und P2), die dazu in der Lage sind, Aussagen über Objekte zu machen (Autos, Kühlschränke, Kochtöpfe, Zahlen,…). Die Leitfrage lautet: ab wo können ihre Aussagen überhaupt kollidieren. Nennen wir diesen Bereich eine Kollisionsdomäne.

- Wenn P1 Gedanken über Kochtöpfe hat, P2 hingegen über Autos, dann gibt es keine Kollision (nennen wir das vorläufig “Interessendivergenz” oder “Relevanzdivergenz”)

- Wenn P1 und P2 Gedanken über Autos haben, können sie sich Gedanken über verschiedene Eigenschaften des Autos machen (Farbe vs PS-Zahl z.B., “Attributdivergenz”)

- Wenn P1 und P2 über dasselbe Attribut nachdenken, dann kann es vorkommen, dass sie unterschiedliche Typen von Aussagen konstruieren, die nicht miteinander konkurrieren müssen (”Die Farbe ist blau” vs “Die Farbe ist geschmackvoll”)

- Wenn schließlich P1 und P2 Aussagen über dasselbe Dinge in vollkommen überlappender gemeinsamer Hinsicht machen, nennen wir das eine “Gedankencharakteristik”, dann treten sie in eine Kollisionsdomäne ein. In diesen Fällen wird jeder Widerspruch dem Sprachgebrauch (Formulierungsvarianten), nicht mehr der unterschiedlichen “Meinung” zugeschrieben. Ich denke auch nicht, dass man hier relativieren könnte, indem man sagt, immerhin handele es sich um zwei Individuen und nicht um eines und jeder “sehe” die Dinge anders.

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