Implantierte Konfusion
Thursday, 16. June 2011 13:13
Es gibt eine starke Neigung, Bildungs- oder Wissensgut als eine “stetige Verbesserung” im Rahmen eines Aufbaumodells zu denken. Man sagt, “mehr wissen könne schließlich nicht schaden”. Die einzig vernünftige Position, die man heute im Rahmen von Meinungsdschungeln und künstlich subventionierten akademischen Projekten dazu jedoch einnehmen kann, sieht anders aus: durch die Rezeption von Büchern, Arbeiten, Vorträgen, durch Besuch von Fortbildungen oder Veranstaltungen ist die Gefahr, sich zu verschlechtern mindestens gleich hoch wie die Gefahr, sich zu verbessern. Der Gag “kritischen Philosophierens” besteht darin, den eigenen Überzeugungsbestand gegen Infektionen zu schützen und wie ein Türsteher darauf zu achten, dass sich die Konfusion in Grenzen hält. Speziell in der Philosophie ist nie klar, ob das “Seminar” geklärt oder verunklärt hat, ob die “Investition” eventuell sinnfrei war. Goodman’s Satz, wonach man sich in der Philosophie hautpsächlich zwischen kontraintuitivem oder absurdem Gedankengut einerseits und trivialem Gedankengut andererseits bewege, trifft den Nagel auf den Kopf.
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