Anthropomorph
“…das ist eine anthropomorphe Sichtweise…”. Solche Bildungseinlassungen, die man vielleicht mit Feuerbach stimuliert, bekommt man öfters zu lesen. Diese Redeweise ist nicht sinnvoll. Da jede Sichtweise anthropomorph ist (was denn sonst), ist eine andere auch nicht denkbar oder verständlich. Man hat keine Vorstellung davon, was dies “Andere” sein sollte; auch nicht, indem man vermutet, andere Kreaturen könnten “ganz anders wahrnehmen oder denken”.
Ein leerer Ausdruck, der nur deshalb nicht auffällt, weil er zur Klasse dieser Bescheidenheitsgesten gehört, die sich als Projektionsausdrücke eingenistet haben. Man hebt mit ihnen zur Formulierung von sozialkorrekten Relativismen an. Ganz beliebt in der Psychologie. Pragmatisch bedeutungslos - damit kann man nicht arbeiten (”a difference without a difference”).
Der sogenannte homo-mensura-Satz von Protagoras ist in meiner Lesart also gar nicht falsch. Manche lehnen ihn nur ab, weil sie ihn moralisch (”anmaßend”) anstatt epistemisch lesen.
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