Befriedigung
Viele kulturelle Praktiken sind heute auf offene Enden umgestellt worden - ein verändertes Zeitverständnis hat sich breit gemacht. Musikstücke werden ausgeblendet (…und so weiter), Filme und Bücher verweisen auf ein offene Zukunft. Auch in Lernzusammenhängen ist das so, wenn auf "lebenslanges Lernen" gedrängt wird. Man stirbt heute mit dem Bewußtsein, evtl. doof zu sein. Die aristotelische Abschlussform, die auf eine intellektuelle Endbefriedigung als telos hinausläuft wird auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben - ein "perennierendes Sollen" hätte Hegel wahrscheinlich gesagt. So kommt es auch, dass Figuren vom Typ Sepp Herberger im Vorteil sind, denen der finale erotische Befriedigungsimpuls sowieso abgeht und denen es liegt, zu sagen, "nach dem Spiel sei vor dem Spiel" und der Kampf sei schließlich Lebensinhalt eo ipso. Es ist auch die Zeit derjenigen, die Versagen über ein "nicht genugt gearbeitet und es sich verdient haben" schieben können und gar nicht auf die Idee kommen, es könnte ihnen an Talent ermangeln. Auch da ist es wieder wie im Fußball: der Rasen brannte nicht; man ging zu wenig in die Zweikämpfe. Wenig ersprießlich.
No tag for this post.







