Blinder Fleck

Immer wieder beliebt: Entwicklungstheorien der Persönlichkeit mit “Reifestadien”, z.B. von Morris. By the way: Das telos der Persönlichkeitsbildung stellt dann zumeist eine moralische Kategorie in den Raum, so als ob man nicht vernünftigerweise unversöhnlich enden könnte.

Man geht bei dieser Stadientheorie dabei davon aus, dass sich die Einschätzung der eigenen Persönlichkeit ähnlich einer Waage zwischen Eigenzuschreibung (ich urteile über mich) und Fremdzuschreibung (andere urteilen über mich) austariert - so soll sich dann Persönlichkeit “herauskristallisieren”. Kritisch gemeint kann dieser Persönlichkeitsbegriff nicht sein, denn dann ist jeder eine.

Nur eines dürfte klar sein: Es gibt keinen  Grund, weshalb eine Person sich “systematisch” verfehlen müsste - im Sinne eines blinden Flecks sozusagen, den man evtl. versucht, hochhackig mit Gödel oder Tarski zu rechtfertigen. Es spricht nichts Grundsätzliches dagegen, dass man in Eigenzuschreibung jede Menge zutreffende Aussagen über sich selbst formuliert - und andere falsch liegen. Dem kommt man schon gar nicht bei, indem man dem Akteur einfach “Eigenwilligkeit” oder “Eigensinnigkeit” attestiert. Außerdem gibt es den Fall, dass andere “absichtlich” falsch urteilen, um taktische Ziele zu erreichen (z.B. um einem eine Dienstleistung aufschwatzen).

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Datum: Sunday, 7. October 2007 18:37
Themengebiet: analysis, beliefs Trackback: Trackback-URL
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