Beitrags-Archiv für die Kategory 'general'

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Friday, 5. September 2008 10:14

In Argumentationskontexten sind immer Einwände am unbefriedigendsten/am unangenehmsten, bei denen jemand graduelle Abstufungen einbringt: der andere habe “übertrieben”, “untertrieben”, “zu wenig oder zu stark betont”, “lasse die Kirche nicht im Dorf”…Das befriedigt unseren Hang nach Kategorizität so überhaupt nicht.

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Weichenstellung

Wednesday, 3. September 2008 9:44

Es kommt nicht selten vor, dass Philosophieinteressierte in Foren oder in den Medien die Übersetzung von der “Liebe zur Weisheit” aufgreifen. Das ist nicht unbedingt falsch, kann aber irreführen. Zumeist assoziiert man mit dem Weisheitsprädikat nämlich gerne “Lebenserfahrung”. Im Gefolge verlegt man dann gerne die Beschäftigung zeitlich nach hinten und tut so, als wäre es eine Frage des Alters, ob man Einsicht nimmt in solche Konzepte wie “Wahrheit”, “Bestätigung”, “Induktion”, “Kausalität”, “Erklärung” oder Formen gültigen Argumentierens. Daraus resultiert dann, dass die Beschäftigung durch diese Definition zu spät kommt. Philosophie soll ja Weichen stellen, die einen gar nicht erst Fehler machen lässt: eine Navigationshilfe.

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Kumulativ

Tuesday, 2. September 2008 21:13

Wenn man den Befürwortern “lebenslangen Lernens” manchmal so zuhört, dann drängt sich einem ein kumulativer Wissensbegriff, eine zeitliche Anhäufung von Wissen auf. Tatsache ist doch aber, dass große Teile unserer geistigen Orientierung “Bereinigungsaktionen” sind. Wir schmeißen Gelerntes hinaus, weil es sich als unnütz, untauglich, falsch oder dergleichen herausstellt.

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Haltbarkeit

Tuesday, 2. September 2008 20:58

Eine wichtige Unterscheidung in der Philosophie: etwas Interessantes sagen und etwas Haltbares sagen (vgl. Äußerungen wie “das ist ein interessanter Gedanke”). Es kommt nicht selten vor, dass sogenannte “interessante” Aussagen bei näherer Beleuchtung eingehen wie eine Primel. Manchmal schon, weil ein Beispiel anzugeben ist oder Kollisionen mit Überzeugungen zum Tragen kommen, die recht stark verankert sind.

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Normen

Monday, 1. September 2008 11:06

Die speziellen Normen, mit denen sich die theoretische Philosophie beschäftigt, sind intellektuelle Normen. Das Wort “Norm” suggeriert dabei oft zuunrecht, hier handele es sich um soziale Konventionen, Verbotsschilder nach Art von Straßenverkehrsordnungen. Das ist aber nicht die Pointe, denn das “Woher” der Norm ist unerheblich (”die Gesellschaft”).
Intellektuelle Normen beschränken die Züge, die man gedanklich machen darf. Ohne sie wäre es nicht möglich, jemandem zu sagen, er habe das Thema verfehlt, unzulässig verallgemeinert, Fehlschlüsse oder Rhetorik produziert usw.. Es wäre etwas merkwürdig, wenn jemand sagte, er erkenne diese Normen an oder nicht an. In gewisser Weise verfügt man darüber nicht in derselben Weise wie man über die Norm verfügt, bei rot nicht über die Straße zu gehen.
Wer hingegen daran interessiert ist, welche Motive und Neigungen Personen zu welchen Denkhandlungen führen, der beschäftigt sich mit empirischer Forschung, mit Psychologie und Soziologie. Diese Art von Wissen ist nicht in der Lage, aus sich heraus überhaupt von gedanklichen Fehlern sprechen zu können. Wenn doch, muss sie normative Anleihen nehmen.
Für einen Unternehmer ist die Empirie natürlich wichtiger, denn er will ja wissen, wo die Bedürfnisse de facto sitzen und nicht, ob sie zurecht bestehen. Er bedient.

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Praktische Überzeugungen

Wednesday, 27. August 2008 14:02

Epistemische Überzeugungen beziehen sich auf Sachverhalte/Tatbestände in der Welt (”Es schneit”). Praktische Überzeugungen beziehen sich auf Handlungen. Eine praktische Überzeugung wäre: “Ich bin der Überzeugung, dass wir die Pendlerpauschale wieder einführen sollten, weil…” Bei diesem Idiom kann man natürlich nicht davon sprechen, dass der Teil, der mit “weil” beginnt, einen Wahrheitswert hat (”es ist wahr, dass die Pendlerpauschale eingeführt werden sollte” ist sinnlos; hier greift Rationalität, nicht Wahrheit).
Diese Unterscheidung ist nicht zu verwechseln mit der zwischen “theoretisch” und “praktisch”, denn “Es schneit” ist ja kein besonders “theoretischer” Satz.

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Entwerten

Wednesday, 27. August 2008 13:43

Für gewöhnlich lassen wir Leuten recht großen Raum, wenn sie - implizit oder explizit - ihren Überzeugungen Ausdruck verleihen.
Es gibt aber ein interessantes Phänomen, das man nicht unterschätzen sollte und das in Überzeugungstheorien berücksichtigt werden muss: unsere Fähigkeit, jemandem etwas nicht “abzunehmen” (”das kannst Du nicht ernsthaft glauben”).
Dies Verfahren setzt durchaus nicht erst bei logischen Widersprüchlichkeiten ein, sondern schon in Bereichen materialer Urteile des Akteurs. Wenn z.B. eine Fahrkontrolle einen Schwarzfahrer “erwischt”, dann wird der Kontrolleur dem “Delinquenten” nicht glauben, wenn dieser sagt: “Ich habe nicht gewusst, dass man für Transportleistungen zahlen muss”. Diese Ungläubigkeit reicht sogar weit bis in den Bereich von angeblich “hypersubjektiven” Urteilen ästhetischen Zuschnitts hinein. Wenn z.B. Anna Nicole Smith gesagt hätte, sie habe den reichen alten Herren aus ästhetischen Motiven heraus geheiratet, so würden wir das kaum glauben. Wir sind also generell in der Lage und Willens, die “privaten Überzeugungen” von den öffentlich vorgetragenen zu unterscheiden, um dadurch in der Lage zu sein, Strategien zu isolieren. Wir übergehen sinnvollerweise in solchen Fällen die Individualität des Gegenübers durch einen Übergriff, um ein besseres Tracking zu erreichen. Wir entwerten die Aussage einfach.

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Fallen?

Wednesday, 27. August 2008 0:14

Nicht erst seit dem linguistic turn stehen Worte ja manchmal im Verdacht, in die Irre führen zu können. Man kann dann quasi auf sie hereinfallen. Angenommen, ein Personalverantwortlicher sitzt einem Bewerber gegenüber und sagt: “Ich habe das Gefühl, Sie sind nervös.” So reden wir häufig. Hat der Personaler in diesem Moment wirklich ein Gefühl? Ist es nicht vielmehr so, dass der Ausdruck im Vorderbereich des Satzes ersetzt werden könnte durch “Ich habe den Eindruck,…”. Noch weiter weg von Gefühlen würde die Paraphrase führen “Mir scheint,…” oder gar “Die Indiziengesamtheit Ihrer Performance legt den Anfangsverdacht der Nervosität nahe.”

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Intuition

Tuesday, 26. August 2008 10:18

Die Intuition (”der Bauch”) hat in den letzten Jahren im Zuge steigender Psychologisierung tendenziell immer mehr an Wertschätzung gewonnen. Selbst Sportler sprechen häufig davon. Was dabei auffällt: die Liebhaber dieser Kategorie zählen die Fehlschläge bei Handlungen, die “aus dem Bauch kommen” häufig nicht mit. Das ist natürlich kein korrektes Zählen, wenn es um die Empfehlung praktischer Maximen geht.

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Glauben, zu wissen

Saturday, 23. August 2008 13:01

Heute nur eine Anregung.
Ein interessantes epistemisches, propositionales Idiom (nebst “glauben, dass p” und “wissen, dass p”), das wir in der Regel zu verwenden wissen, das wenig untersucht ist, aber verwirrend erscheinen könnte, ist die Wendung “ich glaube zu wissen, dass p”.

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