Beitrags-Archiv für die Kategory 'general'

Ästhetik

Monday, 22. August 2011 10:54

Nicht nur viele Philosophen, sondern auch Alltagspersonen mit einer gewissen Nähe zu angelesenen Vergeistigungen fallen einer bösen Fehleinschätzung anheim, wenn sie ästhetische Prädikate als bloße Oberflächeneigenschaften angeblichen “Kernattributen” gegenüberstellen, um erstere eilfertig abzuwerten. Besonders albern mutet die alte philosophische Neigung an, bei ästhetischen Einschätzungen sofort auf das manierierte Betrachten von “Kunstwerken” durch einen “Connaisseur” abzuheben. Der Gang in Museen oder ein Spaziergang im Wald mit Erhabenheitsgesten sind nicht der primäre Ort von Schönheitszuschreibungen. Sondern? Antwort: die körperlichen Ausstattungen von Personen im sozialen Raum. Hier ist es, wo ästhetische Urteile tagtäglich durch schlichte Wahl- und Entscheidungshandlungen echten selektiven Zug entwickeln und nicht im ätherischen Erhabenheitsraum umherschweben. Unser eigener Körper ist das primäre Zuordnungsobjekt von derlei Prädikaten in Blickverdichtungen anderer. Deshalb ja auch die vielen Änderungen am Körper (Haarschnitt, Haare färben, Haarentfernung, Teint, Proportionierung durch Sport, Verdecken unvorteilhafte Stellen durch geschickt gewählte Modeartikel,…operative Eingriffe usw.). Es hat gewaltige Auswirkungen auf die Optionen der Lebensführung, wie andere Personen ihre einschlägigen Urteile vornehmen. Sogar der Qualität von Sex werden dadurch Randbedingungen auferlegt - durch Appetitlichkeitsbedingungen (ähnlich dem Essen). Schließlich kann man manche Handlungen gar nicht erklären, wenn man nicht ästhetische Konzepte des Akteurs mit ins Boot nimmt: Wer deshalb nicht mehr zum Baden geht, weil er hässliche Krampfadern hat, dessen Unterlassung ist ohne Rekurs auf mindestens ein ästhetisches Prädikat nicht zu erklären. Man hüte sich davor, zu sagen, dies sei “kein guter Grund”. Klarere, weil augenscheinlichere  Gründe kann es kaum geben.

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Brillanz

Wednesday, 17. August 2011 12:56

Die besondere Härte bei der philosophischen Tätigkeit liegt darin, dass man letztendlich nicht nur gut, sondern brillant sein muss; sonst kann mans bleiben lassen. Grund: Die Gefahr ist in diesem riskanten Bereich einfach zu hoch, selbst mit besten Absichten Dinge zu verunklären oder Unordnung zu stiften. Ich denke, dass etwas dieser Art auch das Rationale der alten platonischen Neigung darstellt, Philosophie als oberste geistige Tätigkeit anzusiedeln oder einfach Mittelmäßigkeit zu fürchten. Viele - mich eingeschlossen - hören das ungern und werden sich mit Bescheidenheitsfloskeln, Angemessenheitsthesen oder untauglichen Psychologisierungen zu wehren suchen. Der ein oder andere wird mal wieder versucht sein, ein trennscharfe Abgrenzung unserer “Verstandesleistungen” zu bemühen, um das Sagbare/Denkbare vom Nicht-Sagbaren und Nicht-Denkbaren zu scheiden. Es ist fraglich, ob uns das inhaltlich - und nicht nur formallogisch - sonderlich viel bringt.

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Ewige Wiederkehr

Tuesday, 12. July 2011 10:40

In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten hat es eine merkliche Öffnungsbewegung in der analytischen Philosophie gegeben. Die Bindung an die Sprache z.B. hat sich gelockert. Es wird mit allerlei Modaloperatoren jongliert. “Ansatzvielfalt”, “Aspektvielfalt”. Theologisch inspiriertes taucht wieder auf. Texte, die mal als wirr gelten durften, werden neu aufgerollt usw.. Von den einstmaligen, verständlichen Versuchen des Positivismus, den philosophischen Gang der Dinge in kontrollierte Bahnen zu lenken, ist nicht viel übriggeblieben; teils durch interne, teils durch externe Kritik. Es ist sogar so, dass es mittlerweile als starrsinnig gelten dürfte, wenn man der Flutung durch fleißige Artikelschreiber skeptisch gegenübersteht. “Schließlich”, sagt der Pluralitätsanwalt, “ist die Welt ja bunt”. Meine Voraussage: der Überdruss an kriterialer Armut, an Relativismus, an Konfusions- bzw. Sinnfreiheitsvermutungen sowie Forderungen nach “Qualitätsmanagement” - das wird sich wieder mal neu formieren. Dann wird sich das ganze kritische Auf-und-Ab-Spektakel unter anderen Methoden-Moden wiederholen. Lustig und anregend wird das nur der finden, bei dem ohnehin nichts auf dem Spiel steht oder sich nichts rächt - der beruflich oder durch akademische Subventionierung von diesem Morast und der Unübersichtlichkeit lebt.

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Implantierte Konfusion

Thursday, 16. June 2011 13:13

Es gibt eine starke Neigung, Bildungs- oder Wissensgut als eine “stetige Verbesserung” im Rahmen eines Aufbaumodells zu denken. Man sagt, “mehr wissen könne schließlich nicht schaden”. Die einzig vernünftige Position, die man heute im Rahmen von Meinungsdschungeln und künstlich subventionierten akademischen Projekten dazu jedoch einnehmen kann, sieht anders aus: durch die Rezeption von Büchern, Arbeiten, Vorträgen, durch Besuch von Fortbildungen oder Veranstaltungen ist die Gefahr, sich zu verschlechtern mindestens gleich hoch wie die Gefahr, sich zu verbessern. Der Gag “kritischen Philosophierens” besteht darin, den eigenen Überzeugungsbestand gegen Infektionen zu schützen und wie ein Türsteher darauf zu achten, dass sich die Konfusion in Grenzen hält. Speziell in der Philosophie ist nie klar, ob das “Seminar” geklärt oder verunklärt hat, ob die “Investition” eventuell sinnfrei war. Goodman’s Satz, wonach man sich in der Philosophie hautpsächlich zwischen kontraintuitivem oder absurdem Gedankengut einerseits und trivialem Gedankengut andererseits bewege, trifft den Nagel auf den Kopf.

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Philosophische Aussagen

Sunday, 19. December 2010 8:57

Angenommen, jemand nähme sich vor, die Philosophie als Klasse bestimmter Satztypen auszuzeichnen. Könnte er guten Gewissens Sätze wie “Das ganze Leben ist ein Quiz” oder “Geld regiert die Welt” oder alltägliche “Weisheiten” ausschließen? Der Ausschluss liegt ja deshalb nahe, weil es sich nur um “lokale Einlassungen” handelt.

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Grade

Friday, 5. September 2008 10:14

In Argumentationskontexten sind immer Einwände am unbefriedigendsten/am unangenehmsten, bei denen jemand graduelle Abstufungen einbringt: der andere habe “übertrieben”, “untertrieben”, “zu wenig oder zu stark betont”, “lasse die Kirche nicht im Dorf”…Das befriedigt unseren Hang nach Kategorizität so überhaupt nicht.

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Weichenstellung

Wednesday, 3. September 2008 9:44

Es kommt nicht selten vor, dass Philosophieinteressierte in Foren oder in den Medien die Übersetzung von der “Liebe zur Weisheit” aufgreifen. Das ist nicht unbedingt falsch, kann aber irreführen. Zumeist assoziiert man mit dem Weisheitsprädikat nämlich gerne “Lebenserfahrung”. Im Gefolge verlegt man dann gerne die Beschäftigung zeitlich nach hinten und tut so, als wäre es eine Frage des Alters, ob man Einsicht nimmt in solche Konzepte wie “Wahrheit”, “Bestätigung”, “Induktion”, “Kausalität”, “Erklärung” oder Formen gültigen Argumentierens. Daraus resultiert dann, dass die Beschäftigung durch diese Definition zu spät kommt. Philosophie soll ja Weichen stellen, die einen gar nicht erst Fehler machen lässt: eine Navigationshilfe.

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Kumulativ

Tuesday, 2. September 2008 21:13

Wenn man den Befürwortern “lebenslangen Lernens” manchmal so zuhört, dann drängt sich einem ein kumulativer Wissensbegriff, eine zeitliche Anhäufung von Wissen auf. Tatsache ist doch aber, dass große Teile unserer geistigen Orientierung “Bereinigungsaktionen” sind. Wir schmeißen Gelerntes hinaus, weil es sich als unnütz, untauglich, falsch oder dergleichen herausstellt.

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Haltbarkeit

Tuesday, 2. September 2008 20:58

Eine wichtige Unterscheidung in der Philosophie: etwas Interessantes sagen und etwas Haltbares sagen (vgl. Äußerungen wie “das ist ein interessanter Gedanke”). Es kommt nicht selten vor, dass sogenannte “interessante” Aussagen bei näherer Beleuchtung eingehen wie eine Primel. Manchmal schon, weil ein Beispiel anzugeben ist oder Kollisionen mit Überzeugungen zum Tragen kommen, die recht stark verankert sind.

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Normen

Monday, 1. September 2008 11:06

Die speziellen Normen, mit denen sich die theoretische Philosophie beschäftigt, sind intellektuelle Normen. Das Wort “Norm” suggeriert dabei oft zuunrecht, hier handele es sich um soziale Konventionen, Verbotsschilder nach Art von Straßenverkehrsordnungen. Das ist aber nicht die Pointe, denn das “Woher” der Norm ist unerheblich (”die Gesellschaft”).
Intellektuelle Normen beschränken die Züge, die man gedanklich machen darf. Ohne sie wäre es nicht möglich, jemandem zu sagen, er habe das Thema verfehlt, unzulässig verallgemeinert, Fehlschlüsse oder Rhetorik produziert usw.. Es wäre etwas merkwürdig, wenn jemand sagte, er erkenne diese Normen an oder nicht an. In gewisser Weise verfügt man darüber nicht in derselben Weise wie man über die Norm verfügt, bei rot nicht über die Straße zu gehen.
Wer hingegen daran interessiert ist, welche Motive und Neigungen Personen zu welchen Denkhandlungen führen, der beschäftigt sich mit empirischer Forschung, mit Psychologie und Soziologie. Diese Art von Wissen ist nicht in der Lage, aus sich heraus überhaupt von gedanklichen Fehlern sprechen zu können. Wenn doch, muss sie normative Anleihen nehmen.
Für einen Unternehmer ist die Empirie natürlich wichtiger, denn er will ja wissen, wo die Bedürfnisse de facto sitzen und nicht, ob sie zurecht bestehen. Er bedient.

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