Beitrags-Archiv für die Kategory 'analysis'

Philosophische Aussagen 2

Thursday, 16. June 2011 12:37

Wenn man sich nicht an “philosophischer Ausbildung”, akademischen Abschlüssen oder karrieregetriebenen Flutungen durch allerlei “papers” entlanghangelt, sondern an philosophieartigen Aussagen, dann kommt man womöglich zum überraschenden Schluss, dass es bereits im Alltag zu viel Philosophie gibt, nicht zu wenig. Es ginge dann mehr um das Ausmisten.

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Erfahrung

Saturday, 19. April 2008 5:59

“Ohne Frage, sagt Gadamer, gibt es gar keine Erfahrung”, zitiert die deutsche Philosophin Silja Freudenberger den Hermeneuten zustimmend im Rahmen eines neueren Sammelbands zur Lebensberechtigung der Philosophie als Tätigkeit. Das ist einer dieser weise anmutenden, aber falschen Sätze, denen man beim Drüberlesen allzuleicht auf den Leim geht. Wenn ich bei Tchibo vorbeilaufe und beiläufig vernehme, dass es einen Funk-Radiowecker für Euro 5,95 zu kaufen gibt, dann habe ich keine Frage im Vorfeld gestellt - und trotzdem etwas erfahren. Ich habe es ganz billig registriert. Sie wird vielleicht sagen, das hätte sie mit Erfahrung nicht gemeint.

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Vorurteile

Saturday, 12. April 2008 12:01

Vom amerikanischen Physiker Steven Weinberg wird folgendes kolportiert: es komme nicht darauf an, Vorurteile zu haben oder nicht, sondern die richtigen Vorurteile zu haben. Sehe ich auch so. Zutreffende Vorurteile verhindern es, sich in vorhersehbare Sackgassen zu begeben - Ökonomie. Denn wüssten wir im voraus, dass sich ein vorauseilendes Urteil letztendlich mit einem Urteil nach ausführlicher Prüfung deckt, käme uns das wie eine Ehrenrunde vor, die (nur) mit zusätzlichen Begründungen aufwartet.

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DRY

Tuesday, 25. March 2008 11:22

Das Trockene ist eigentlich immer das Interessante.

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Produktion

Sunday, 23. March 2008 12:28

Unter der Vorgabe, in der “Kommunikationskultur” produktiv und kreativ sein zu müssen, zu texten und dafür zu sorgen, dass geistige Traditionen (z.B. “Philosophie”) fortgeschrieben (”perenniert”) werden müssen, könnte es leicht zu folgender Absurdität kommen:

dass es gar nicht mehr auffiele, wenn ein Problem bereits gelöst wurde.

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Überdruss

Friday, 21. March 2008 21:36

Angenommen, jemand hat die Überzeugung Ü und ändert sie nur, weil er dieser Überzeugung überdrüssig ist; Ü “kommt der Person langweilig vor”. So etwas kann vorkommen, vor allem, wenn man immer wieder mit denselben Aussagen konfrontiert wird (Gebetsmühlenhaftigkeit). Aber es wäre nicht in Ordnung. Der psychische Zustand darf keinen Einfluss haben, weil sich an der Indizienlage nichts geändert hat. So zeigt sich die Impotenz des Psychischen.

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Commitment

Friday, 21. March 2008 11:02

Wer die Unhaltbarkeit einer Überzeugung oder einer Position zeigt, der verpflichtet sich damit nicht, eine bessere Lösung anzubieten. Anderslautendes gehört schon in den Bereich leistungsstimulierender Rhetorik.

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Überzeugungsfestlegung

Friday, 21. March 2008 8:55

Zwei Typen der Überzeugungsfestlegung: A) was glaube ich angesichts dessen, was ich so tagtäglich geboten bekomme (indiziengesteuert); B) was muss ich glauben, um besser durchzukommen (durchhaltegesteuert). B) ist nicht koscher, aber (handels)üblich; die normative Komponente (eine Variante des modalen “muss”) kommt an der falschen Stelle zum Einsatz.

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Ethik

Monday, 10. March 2008 9:10

Seit einigen Jahren ist Ethik wieder in Mode. Manch einer der professionellen Zunft wird sich dadurch ein karrieristisches Fortkommen erwarten (ähnliche Entwicklungen nimmt man hie und da in der Geschichtswissenschaft wahr). Immerhin bedient diese Mode auch die Erwartungen der Öffentlichkeit und Kultusministerien, die glauben, Philosophie hätte es in erster Linie mit Äußerungen moralischer Art zu tun (dazu schaue man sich mal die Bücherregale in Buchhandlungen und Lehrpläne an). Dieses Spiel ist gefährlich, weil die Philosophie leicht in der Nische landet und zu verbleiben droht, die die Theologie besetzen möchte und dadurch (ebenfalls) leicht zur Beute einer ironisch und taktisch gewendeten Lebenseinstellung wird. Die Wahrscheinlichkeit, sich lächerlich zu machen, ist also durchaus gegeben. Schließlich ist es - hat man sich in diesem Feld schon einmal getummelt - doch eher unwahrscheinlich, dass man gerade dort zu annähernd zwingenden Ergebnissen gelangt. In der Ethik merkt man vielleicht am deutlichsten, wie schwach wir auf der Brust sind, wenns um die durchgängige Begründung einer Position geht und wie schnell man selbst den eigenen Prinzipien zuwiderhandelt. Vielleicht ist das der Grund, warum sich gerade hervorragende Vertreter des philosophischen Fachs mit substantiellen Aussagen in dieser Sache tendenziell eher zurückhalten oder es bei formaler Behandlung (Metaethik oder dergleichen) belassen.

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Fehler

Thursday, 6. March 2008 1:21

In einer Kritik an einem wissenschaftstheoretischen Werk von Sehon meldet Gilbert Harman Widerstand bei der These an, gewisse empirische Wissenschaften wie die Psychologie hätten keinen normativen Gehalt.

Er weist als Gegenbeispiele darauf hin, dass Psychologen über Studien herausgefunden hätten, dass normale Personen häufig nicht rational handelten (z.B. wenn sie eine Entscheidung abhängig machen von der Art der Darstellung; Beispiele für Voreingenommenheit; Auffinden von logischen Fehlern bei Probanden, z.B. “p und q” für wahrscheinlicher zu halten als “p” allein,…); Harman bindet dabei den Ort der Erkenntnisse an die psychologischen Fachbereiche an der Universtität Princeton bzw. Forschungsinstitute generell.

Dieses Argument ist faul. Die Psychologen haben nicht den Fehler als Fehler diagnostiziert (dies wäre normativ), sondern im Wissen, dass es sich um Fehler handelt, empirisch Handlungen real existierenden Personen ggfs. korrekt zugeordnet (es ist keine psychologische Erkenntnis, dass “p und q” unwahrscheinlicher, weil anspruchsvoller ist, als “p” allein). Der normative Gehalt (dass ein Gedanke verfehlt ist) bleibt philosophisch/eine Geltungsfrage.

Deshalb ist es grundsätzlich besser, Aussagenklassen zu unterscheiden und nicht Departments von Universitäten. Personen sind dann einfach Träger verschiedener Aussagenklassen (physikalische, psychologische, biologische, logische). Diese liegen bei verschiedenen Personen in unterschiedlichen Qualitätsstufen vor. Und wenn eine Person, die nicht als Fachmann gilt, eine wahre Aussage macht, die der eines Fachmannes widerspricht, dann wird sie nicht dadurch falsch. Letztendlich treten immer nur Personen gegen Personen an, nie Personen gegen “die Wissenschaft”.

Harman würde dies vermutlich ablehnen mit der quasi-quineschen Begründung, es gebe keine klare Unterscheidung zwischen normativen und empirischen Bereichen.

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