Beitrags-Archiv für die Kategory 'concepts&models'

Systematik

Monday, 28. April 2008 21:50

Wahre Sätze sind über die Welt verteilt. Nichts an ihrer Wahrheit selbst hängt davon ab, ob sie in irgendeiner Form konstruierbar sind (z.B. durch eine Art von Aufbau oder Kombination aus elementaren Bausteinen) oder sich in einen architektonischen Rahmen einpassen lassen. Denn letzteres verbessert nur deren Begründungs-, Beleg- und Nachweissituation.

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Wie

Saturday, 5. April 2008 13:04

Zitat aus Siegfried J. Schmidts “Diskurs des radikalen Konstruktivismus”:

“Die Erkenntnistheorie des radikalen Konstruktivismus…ist nicht reduktionistisch. Das soll heißen, sie ersetzt die traditionelle epistemologische Frage nach Inhalten und Gegenständen von Wahrnehmung und Bewußtsein durch die Frage nach dem Wie und konzentriert sich auf den Erkenntnisvorgang, seine Wirkungen und Resultate.”

Es handelt sich also genau genommen gar nicht um Erkenntnistheorie. Das Thema wird gewechselt. Die Erkenntnistheorie beschäftigt sich mit den den begrifflichen Bedingungen, unter denen Wissen möglich ist, falls es welches geben sollte. Gleichmaßen mit der Frage, was es heißt, sich zu irren. Was weiß ich über die Geltung einer Aussage von Person P, wenn ich die “Wie-Frage” durch Verkettung von “indem-Sätzen” aufgreife: “…indem er den Mund öffnet, Laute herauspresst, dabei grinst…”?

Das Problem, den Inhalt oder den evaluierbaren Gehalt ins System zu bekommen (bei den sprachphilosophischen Ansätzen dasjenige, was sich an den dass-Operator in Ausdrücken wie glauben, dass… anschließt) ist kein spezielles Problem dieses Konstruktivismus. Heidegger hatte dasselbe Problem, als er auf phänomenologischer Basis versuchte, fast ausschießlich mit Vollzugsverben zu arbeiten (nominalisierte Verben oder Partizipialkonstruktionen: Sorge, Verstehen, in-der-Welt-Sein, Entschlossenheit, Sein zum Tode, Unverborgenheit…), um das Bewegungsmoment der Existenzialien einzufangen.

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Geltung

Saturday, 29. March 2008 13:29

Angenommen, jemand macht einen Denkfehler (z.B. er schließt von “Erna ist blond” auf “Alle Frauen sind blond”). Ist der Gedankengang zu retten, in dem wir seine Gehirnaktivitäten beobachten? Nein. Sein Gehirn könnte auch ganz anders gebaut sein, am Fehlschluss würde das nichts ändern.

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Theoriekonstruktion

Thursday, 27. March 2008 13:19

Wenn Erklärungseinbußen oder Adäquatheitseinbußen (Beschreibungsebene) eines Theorierahmens durch Verschlankungsmaßnahmen bei den Konzepten herbeigeführt werden, dann stimmt etwas mit den Verschlankungsmaßnahmen nicht. Eine kleine Basis (im Sinne der linearen Algebra) ist nur dann eleganter, wenn auch der adäquate Beschreibungsraum bei gleicher Leistung realistisch aufgespannt werden kann. Unrealistisch ist ein Basiskomponente, wenn sie nur sagt: “Ich könnte das ja reduzieren auf…”, auch wenn klar ist, dass es da nichts zu reduzieren gibt. Bei gleicher Leistung ist Verschlankung sehr sinnvoll - aber nur, um einen besseren Überblick zu bekommen, denn jede Theorie lässt sich axiomatisieren.

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Überzeugungen

Thursday, 27. March 2008 12:43

Dieser Begriff kann zu Missverständnissen führen. Warum? Philosophen wie Davidson oder Brandom fassen etwas nur dann als Überzeugung auf, wenn der Träger auch den “Content” seines “belief” als möglicherweise falsch auffassen kann. Das realistische Moment ist in den Begriff eingebaut (dadurch kommt Wahrheit und Falschheit ins Spiel). Daran wird auch die Fähigkeit festgemacht, “thoughts” haben zu können. Kein realistisches Moment - kein thought.

Naturalisten definieren den Begriff anders: sie sehen darin lediglich eine Diskriminierungsfähigkeit (Unterscheidungen machen können), die der Träger “intern” als Disposition zur Verfügung hat.

Deshalb würden Davidson und Brandom sagen, dass ein Thermometer (das ist das übliche Beispiel) diskriminieren kann, wir ihm aber keinen Gedanken zuschreiben könnten, weil es nur reagiert. Das Konzept des Irrtums läuft ins Leere. Wir können nur metaphorisch sagen, das Thermometer irre sich.

Wenn nun gesagt wird: warum sollte ich dem Thermometer nicht “thoughts” zuschreiben, dann würde die Replik lauten: “Weil die Interpretation des Gesamtverhaltens dies nicht nahelegt”. Es reagiert nicht auf Beleidigungen, stößt selbst keine Handlungen an,…letztendlich das holistische Argument, denn Verhalten als Handlung zu beschreiben setzt ein ganzes Set von Begriffen wie “Absicht”, “Grund”, “Überzeugung” und dergleichen voraus.

Würde weiter insistiert, würden die Herren sagen: Nichts spricht dagegen, das Wort “Überzeugung” als Diskriminierungsfähigkeit zu definieren. Es ist nur nicht das Konzept, das wir in Anschlag bringen, wenn wir Handlungen aufbrechen. Handlungen sind eine Teilmenge von Verhalten. Verhalten ist eine Teilmenge von Bewegung. Damit wechselst Du das Thema.

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Evolution

Thursday, 27. March 2008 11:33

Wäre es nicht sehr merkwürdig, wenn sich jemand unter das “Diktat” der Evolution stellte? Er würde solche Dinge sagen wie: “weil die Evolution in der Vergangenheit diesen und jenen Mechanismen folgte, halte ich mich an sie. Ich pflanze mich fort, um im Nachhinein nicht als Verlierer der Evolution dazustehen.”

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Fundament und Gleichgewicht

Wednesday, 26. March 2008 14:03

Es ist auffällig, wie häufig Varianten von recht erfolgreichen Gleichgewichtskonzepten in Wissenschaft und Philosophie eingewandert sind. In der Chemie genauso wie in der VWL, der Spieltheorie (Nash-Gleichgewicht), der Erkenntnistheorie (Goodmans reflective equilibrium) oder in der Gesellschaftstheorie (Rawls).

Bei aller Vorsicht: vielleicht könnte man ja davon sprechen, dass Gleichgewichtsbegriffe die Nachfolger von Fundamentkonzeptionen sind. Es scheint so etwas wie eine Überführungstendenz zu geben. Balancebegriffe sind auch mathematisch durch Parametrisierung gut behandelbar. So könnte man ja behaupten, die Zurechnung von persönlichen Charakterzügen (Dispositionsbegriffe wie “gutmütig”, “hinterfotzig”,…) spiegeln das Einpendeln des Überzeugungshaushalts eines Interpreten, der eine andere Person “ortet”.

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Züge

Friday, 21. March 2008 11:57

Für Gebrauchsüberlegungen intelligenten Handelns: Das Konzept des “Zugs/Züge machens/Ziehens” im Zusammenhang mit zeitgemäßen Interventionen aus der ersten Person Singular heraus muss generell eine dominante Stelle einnehmen. Insbesondere heißt dies dann im gesellschaftlichen Raum: Sozialschach. Dort gibt es dann beispielsweise auch “Bauernopfer” und das Zustellen von Bewegungsräumen (”Matt”).

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Thema: concepts&models, ecosophia | Kommentare (0)

Umgang mit Philosophie

Sunday, 2. March 2008 10:15

Ich kenne zwei Typen professioneller Philosophen mit Bezug auf die Mentalität, mit der man treibt, was man treibt. Unterscheiden wir den integrativen und den dispositiven Typus. Der integrative Typus legt Wert darauf, sich eine Denkraum als Totalität zu erarbeiten und ihn nicht künstlich von der “Lebenswelt” fernzuhalten. Deshalb ist er darum bemüht, seine Überzeugungen und sein Denkverhalten systematisch unter pragmatischen Druck zu setzen. Er treibt Philosophie, um seine persönliche intellektuelle Klasse in der Weltorientierung zu erhöhen und ist beunruhigt, falsch liegen zu können und in praxi Denkfehler zu machen. Jeder mögliche Zusammenhang - ob das nun der Abschluss einer Versicherung oder eine avisierte Heirat ist, ist Probierstein. So kann es nicht zu plötzlichen Niveauabfällen kommen - wie oft zu beobachten. Der dispositive Typ distanziert sich von seinen Forschungsergebnissen innerlich, stellt sie der scientific community professionell als “Beitrag” zur Verfügung und rückt in ein Produktionskontinuum ein. Dieser dispositive Typus ist ständig in der Gefahr, seine Thesen pragmatisch unausgestestet zu lassen und ein untertouriges Leben zu führen. So kann es leicht passieren, dass er (wie Dewey einmal bemerkte) an seiner eigenen Erkenntnistheorie vorbeilebt oder Zynismus gegenüber dem eigenen Forschungsschwerpunkt entwickelt (man erlebe mal einen “Hegelexperten” im angetrunkenen Zustand). Meines Erachtens muss Philosophie als Titel einer Gesamtbemühung verstanden werden, das eigene persönlich Niveau unter Aufbietung von Rationalitätsressourcen praktisch hochzuschrauben. Der gute Philosoph hat dann eo ipso das hochwertigere Begriffs- und Überzeugungssystem. Das Bild eines “braven” Philosophen ist eigentlich nicht hinnehmbar; er muss schon der Regisseur bleiben.

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Thema: analysis, concepts&models | Kommentare (0)

Principle of charity

Sunday, 2. March 2008 8:59

Das sogenannte principle of charity ist ein misnomer und deshalb selbst ein Anwendungsfall für das Prinzip. Es weist uns ja an, die Äußerungen anderer Personen immer so zu interpretieren, dass diese im Großen und Ganzen richtig liegen (die beliefs sind wahr). Das Motiv hierzu ist aber nicht “karitativ”, denn dies zu tun ist lt. Davidson nicht Teil einer verfügbaren Option, die wir auch unterdrücken könnten (ein Regulativ, um dessen Einhaltung man sich bemüht), sondern in unser Interpretationsverhalten eingelassen. Wir können sozusagen nicht anders. Deshalb kann er sagen: “Since charity is not an option, but a condition of having a workable theory, it is meaningless to suggest that we might fall into massive error by endorsing it.[...] Charitiy is forced on us; whether we like it or not, if we want to understand others, we must count them right in most matters.”

 

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Thema: concepts&models, speech, words | Kommentare (1)