Beitrags-Archiv für die Kategory 'motives'

Kapselung

Sunday, 21. October 2007 18:46

Zur Exekution rationalen Verhaltens gehört auch die Verdeckung (Kapselung) dieser Disposition im sozialen Raum (”Verkauf”). Es wäre ja merkwürdig, wenn es gleichsam als Hobby betrieben würde und nicht bis zur Performance hinreichte; denn es ist ja immer klug, sich als “irgendwie” darzustellen (und man stellt sich immer in einem bestimmten Modus vor). Im Umkehrschluss heißt dies: wer Ratschläge gibt oder lehrt, expliziert seine tatsächlichen Überzeugungen, Prinzipien und Wünsche, wenn er selbst nicht danach handelt. Es ist dann nur eine Frage des Nachforschens und Schließens, wie seine “Topologie” beschaffen ist. Es kommt zu einem Bruch im Rationalitätsmuster. Insofern ist jede Handlungssituation “full-blooded”.

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Thema: analysis, ecosophia, inquiry, motives, society | Kommentare (0)

Erklären

Sunday, 7. October 2007 18:13

Nicht zum ersten Mal habe ich vor kurzem einen Lehrer sagen hören, die Philosophen hätten versucht, “die Welt zu erklären”. Ich weiß nicht, was damit gemeint sein könnte - ein Formeltyp, wie er in seiner Machart oft in Künstlerkreisen verwendet wird. Da Leute, die so etwas sagen, wohl selbst nicht wissen, was sie mit dieser Phrase meinen, fällt es ihnen demnach auch nicht schwer, sie zu brüskieren.

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Muster

Sunday, 26. August 2007 13:19

Die Ansicht, dass man beim Interpretieren von Objekten oder Verhalten “nur” Muster projeziert, die irgendwie mit den Aktivitäten des Gehirns in Verbindung stehen, erfreut sich großer Beliebtheit. Das kann man auch so stehen lassen (vielleicht ohne das “nur”, denn dass da irgendwelche Mechanismen im Spiel sind, stand ja immer außer Frage - sonst gäbs auch nichts zu forschen). Mich stört eher, dass das nicht hinreichend sein kann.

Dazu stelle man sich zwei Personen vor, S (für Stratege) und D (Strategiedeuter). Alltagsbeispiele wären: ein Personalchef, der einem Bewerber nicht sagt, was er eigentlich mit ihm vorhat, eine Frau, die einen Mann an der Nase herumführt (sie spricht von Liebe und meint sein Portemonnaie), ein Verkäufer, er seine besseren Informationen beim Verkauf gegenüber D kapselt, zwei Schachspieler, bei denen einer die weißen Steine, der andere die schwarzen hat (Nachziehen), ein Lehrer, der seinen Schülern absichtlich vorgaukelt, sie bräuchten später das Wissen, das er lehrt (und über dieses Werbemanöver seinen Unterhalt bezieht; vor kurzem erlebt: ein Lehrer insinuiert Schülern, ohne Pythagoras gings im Leben nicht).

Wir haben a priori die Vorstellung dass der D den S falsch interpretieren kann (unzutreffendes Muster). Wir können uns auch vorstellen, dass D sich immer näher an die tatsächliche Strategie von D heranpirscht (formal ist das so: er beginnt mit einer grobkörnigen Hypothese, und schachtelt sie immer feinkörniger ein, sodaß die grobkörnigste Hypothese aus allen feinkörnigeren folgt).

Das Entscheidende ist: wir haben eine Vorstellung davon, dass D den S prinzipiell “stellen” kann; dann nämlich, wenn seine Hypothesen genau das abbilden, was S sich tatsächlich denkt. Das ist nicht nur “Gedankengut”, denn es schließen sich Handlungen an und man stellt evtl. stolz fest: “Ich bin ihm/ihr nicht auf den Leim gegangen.” Wir können jetzt sagen: D interpretiert S richtig, seine Hypothesen sind wahr. Auch über die Form dieser Hypothese, einem komplexen (zusammengesetzten) Satzgefüge, in denen von Absichten, Plänen, Modi, Überzeugungen die Rede ist: “Weil S dies und jenes erreichen möchte, und dies und jenes über mich und die Welt glaubt, macht er diesen und jenen Zug in dieser Art und Weise.”
Ein derartiges Aufschlüsselungs-Können ist heute eminent wichtig geworden, denn es stehen immer dichter werdende Sanktionen darauf, andere Personen per Gewalt zu dem zu bewegen, was im eigenen Interesse steht. Deshalb verschiebt sich alles in Richtung Kapselung, Schläue, Verdeckung, Informationsdefizite ausnutzen, vor vollendete Tatsachen stellen (”schneller ziehen”).
Redet man “nur” von Mustern, dann stellt man in Abrede, dass es richtige und verkehrte gibt, ja dass es die Möglichkeit einer idealen Abbildung gibt. Dass das der Normalfall ist, will ich damit nicht sagen, aber es ist prinzipiell möglich. Davon gehen wir auch im Alltag aus, selbst dann, wenn die Indizien mager sind. Oft sind wir auch zu faul, um nachzuforschen oder wir betrachten diese Investition als unökonomisch. Übrigens: Galilei ging ja auch von einem idealen Kalkül aus, und nicht von dem, was er vorfand (siehe. C.F. von Weizsäcker).

Es ist der Unterschied zwischen “einem Muster zuordnen” und das “richtige Muster zuordnen”, das die Musik macht. Einebnen kann man das nur, wenn man alle Muster als gleichwertig behandelt. Das aber ist absurd und könnte nicht erklären, weshabl manche Muster erfolgreicher sind als andere (zumindest langfristig). Es gäbe dann im Leben auch keinen Grund mehr, sich in irgendeiner Form schlauzumachen, zu “ermitteln”.

Es ist mittlerweile eine richtige Plage geworden, dass inadäquate Erkenntistheorien (zumeist Perspektivismustheorien oder Theorien, die mit einem metaphorischen Fehlschluss arbeiten, demgemäß Gehirne etwas “tun”) über derartig einfache Überlegungen einfach drübergestülpt werden. Vor allem handeln die Vertreter dieser Erkenntnistheorien ihren eigenen Theorien zuwider; denn sie glauben immer, dass man etwas tatsächlich herausfinden kann - sie schauen fern und lassen sich über die Geschichte aufklären, sie stöbern bei Wikipedia, nehmen Gesetzesnovellen ernst und machen andere per Argument darauf aufmerksam, daß sie etwas “falsch” sehen. Das ist ein Bruch zwischen theoretischem Unterbau und faktischem Handeln, auf den schon Dewey immer hinwies.

Um Missverständnissen vorzubeugen: in einer vollständigen Theorie können naturwissenschaftliche und “sonstige” Erkenntnisse nicht kollidieren.

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Kommen lassen

Wednesday, 15. August 2007 6:31

Nichts wird in Wortgefechten entschieden. Das Vertreten eines Standpunkts oder einer “Meinung” – das sind stets Kandidaten für personalen Gegenwind oder Irritationen. Man riskiert zusätzlichen Aufwand in Form von Erläuterung oder Krisenmanagement. Die Gefahr, sich Feinde zu machen ist einfach zu groß, und die Chance, durch Argumente Überzeugungen zu verändern, schlicht zu klein. Dies als Klugheitsmaxime, nicht als Exponierung von Lebensenttäuschung, denn diese Form von Enttäuschung zeugte bereits von einer vormals irregeführten Konzeption der interpersonalen Vorgänge um uns herum.

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Thema: beliefs, ecosophia, methods, motives | Kommentare (0)

Authentizität 2

Sunday, 22. July 2007 13:39

Manchmal kommt es vor, daß sich Personen das Prädikat “authentisch” zuschreiben können, weil sie viel großzügigere Kriterien und Zählprinzipien verwenden (manche Dinge werden gar nicht gezählt). Das kann dann in Anlehnung an Watzlawick dazu führen, daß man eo ispo gar nicht mehr “inauthentisch” sein kann, weil nichts mehr darunter fallen würde. Wir würden als offene Bücher der Natur durch die Welt spazieren. Wer glaubt dies ernsthaft?

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Aestheten

Thursday, 28. June 2007 2:11

Ein Pragmatiker bezieht Gedankengänge immer auf mögliche Handlungen (siehe Peirce). So wird es ihm nicht reichen, wenn eine Person von sich selbst sagt, sie sei eine Ästhetin. Sie wird es erst, wenn sie bei ihren faktischen Handlungen ästhetische Bewertungen höher ansetzt als andere. D.h.: wenn eine Person A eine unattraktive Person B heiratet, dann kann A kein Ästhet sein, weil das “overruling” nicht greift. Natürlich wird sie sich zu helfen wissen, indem sie Geschmack privatisiert.

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Theorie und Praxis (1)

Friday, 15. June 2007 19:17

Sogenannte Praktiker lieben es, theoretische Bemühungen durch die Unterscheidung von Theorie und Praxis zu entwerten. Übrigens viel häufiger als andersherum. Manchmal ist mit dieser Unterscheidung nur gemeint: aus der Tatsache, daß jemand Handlungen per Überlegungen plant folgt nicht, daß er sie auch ausführt. Man rät dann einfach: Do it! oder Spring rein! Das ist klar und unumstritten, aber auch uninteressant, denn das entwertet allenfalls den Vollzugswillen des timiden Akteurs, nicht aber die Güte seiner Überlegungen.

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Storytelling

Saturday, 19. May 2007 18:48

Wäre es wissenschaftlich, philosophisch oder überhaupt reizvoll, gedankliche Strukturgewinnungsmaßnahmen durch “Storytelling” und die Abschilderung von vorüberziehenden Vorgängen in der Realiät zu ersetzen? Nein. Es käme uns recht schnell sehr fade vor. Wir alle möchten diese Vorgänge schon als Instanzen einer Gesetzmäßigkeit oder Regel strukturell unter Dach und Fach bringen. Die Kontrollreichweite steigt dadurch.

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Handeln

Tuesday, 1. May 2007 16:20

Denken kann gegen Handeln grundsätzlich nicht ausgespielt werden (”handle, denke nicht”). Der Handlungsakt selbst (z.B. das Aufgießen eines Tees zur Behandlung einer Erkältung) gehört nicht mehr zum rationalen und intellektuellen Bereich aller Gründe und vernünftigen Motive eines Agenten. Es ist ein schlichtes Ereignis. Daran ändert auch der Sophismus nichts, daß der, der denkt, etwas tut. Das faktische Aufgießen des Teebeutels ist etwas anderes als sich zu überlegen, ob und warum man sich einen Teebeutel aufgießen könnte.

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