Beitrags-Archiv für die Kategory 'society'

David K. Lewis

Saturday, 19. April 2008 19:58

Über David K. Lewis schreibt U. Meixner im Biografie-Teil seines Lewis-Buchs: “Wie viele Philosophen hatte Lewis skurrile Seiten. Im Keller seines Hauses befand sich ein riesiges, detailliertes Modell der britischen Eisenbahnen, und wenn er sich in England aufhielt, verbrachte er oft den ganzen Tag damit, verschiedene Eisenbahnlinien zu befahren (dabei lesen und schreibend). Er weigerte sich, den Fortschritt in der Entwicklung der PCs mitzumachen, und verfasste seine Arbeiten lieber auf einem uralten textverarbeitenden Computer, der weiche Disketten von der Größe kleiner Pizzas benötigte. Von brillanter Ausdruckskfähigkeit in seinen Schriften und in der philosophischen Diskussion, war der langbärtige Lewis der banalen Konversation unfähig, im gewöhnlichen sozialen Umgang scheu und gelegentlich von einer roboterhaften Unbeholfenheit, die ihm den Spitznamen ‘machine in the ghost’ einbrachte.”

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Alkohol

Sunday, 6. April 2008 18:23

…dieses Interview zeigt am Beispiel eines der führenden deutschen analytischen Philosophen, wohin philosophische Beschäftigung zusammen mit einer bestimmten Mentalität/Veranlagung führen kann…trotz des emminenten Vorsatzes, klar sein zu wollen und eines verheißungsvollen Eigennamens.

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Philosophische Tätigkeit

Sunday, 2. March 2008 9:47

Die Frage, ob es synthetische Aussagen a priori geben kann strahlt direkt in die Existenzberechtigung der Philosophie als Beruf aus. Deswegen sind Professoren der Philosophie von dieser zunächst hochtheoretisch erscheinenden Frage persönlich beunruhigt. Sollte nämlich nachgewiesen werden können, dass die sogenannte philosophische Tätigkeit auf eine Erläuterungstätigkeit und keine Forschungsaktivität hinausläuft und ansonsten den Sprachgebrauch unberührt lässt, dann sinkt die Profession zum abdingbaren Explizieren für Begriffsstutzige herab (man sagt dann dem Schüler im Brustton des Ryleschen Kategorienfehlers, er möge “die Universität” nicht mit den “Zimmern der Universität” verwechseln). Dem privatimen Philosophen macht das alles nichts - denn seine Existenz hängt nicht daran. Er könnte locker auf den Forschungsanspruch verzichten. Dennoch siehts momentan gar nicht so schlecht aus: Prinzipen wie das “principle of charity” sind synthetische Sätze a priori; Behauptungen wie die, dass wissenschaftliche Aussagen grundsätzlich falsifizierbar sein müssen, wohl auch.

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Befriedigung

Monday, 19. November 2007 12:01

Viele kulturelle Praktiken sind heute auf offene Enden umgestellt worden - ein verändertes Zeitverständnis hat sich breit gemacht. Musikstücke werden ausgeblendet (…und so weiter), Filme und Bücher verweisen auf ein offene Zukunft. Auch in Lernzusammenhängen ist das so, wenn auf "lebenslanges Lernen" gedrängt wird. Man stirbt heute mit dem Bewußtsein, evtl. doof zu sein. Die aristotelische Abschlussform, die auf eine intellektuelle Endbefriedigung als telos hinausläuft wird auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben - ein "perennierendes Sollen" hätte Hegel wahrscheinlich gesagt. So kommt es auch, dass Figuren vom Typ Sepp Herberger im Vorteil sind, denen der finale erotische Befriedigungsimpuls sowieso abgeht und denen es liegt, zu sagen, "nach dem Spiel sei vor dem Spiel" und der Kampf sei schließlich Lebensinhalt eo ipso. Es ist auch die Zeit derjenigen, die Versagen über ein "nicht genugt gearbeitet und es sich verdient haben" schieben können und gar nicht auf die Idee kommen, es könnte ihnen an Talent ermangeln. Auch da ist es wieder wie im Fußball: der Rasen brannte nicht; man ging zu wenig in die Zweikämpfe. Wenig ersprießlich.

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Abstrakte Rede

Saturday, 3. November 2007 12:04

Wenn nicht gerade Bildungskritik angesagt ist, geben sich ältere Leute mitunter bass erstaunt über das intellektuelle Repertoire der Jüngeren. Das rührt häufig daher, dass es insbesondere im Bereich der Informationstechnologie und der Betriebswirtschaft einen professionalisierten, mit Anglizismen und abstrakten Termen durchsetzten Redegebrauch gibt (Operatoren, Parameter, Klassen, Objekte, generische Typen, Index,…). Schon beim Ausdruck “Information” stellt sich erste Verstörung ein. Diese Verbalien werden sicherlich oft korrekt verwendet. Trotzdem stellt sich eine Merkwürdigkeit ein: man hat nicht wirklich den Eindruck, dass sich diese Rede natürlich in den üblichen Wortschaft und die Persönlichkeit einbettet; dazu ist die gesamte Lebensführung mitsamt der einhergenden Urteilsmuster zu wenig “abstrakt” und sackt bisweilen sogar tief ins Infantile ab. Es ist komisch, einen logico-mathematisch unbefleckten Jungen ganz smart und lässig von Variablen sprechen zu hören. Das rüht daher, dass die Kontrastklassen der möglichen Bedeutungen dieses Ausdrucks ihm nicht präsent sind (der Ausdruck wurde z.B. selbst innerhalb der Mathematik unterschiedlich verstanden). Deshalb auch dieser Eindruck von imitierter Professionalität. Auch kann man sich nicht vorstellen, dass die nötigen Abstraktionsstufen vorher durchlaufen wurden; der Begriff der Variablen ist ein high-end Begriff und Tarski hat ihm trotz Einfachheit eine epochale Bedeutung zugestanden.
Die Rede wurde halt direkt erlernt. Und es ist ein Fehler, daraus zu schließen, dass der, der diese Stufe erklommen hat, auch den Weg dorthin verstanden hat. Beim Erlernen von Sprache rückt man einfach direkt in einen Gebrauchsbereich ein. Mehr nicht. Kein Grund für erhöhten Respekt. Die Aufgabe des Philosophen ist: die gesamte Rede zu homogeneisieren, explizit machen, die Verknüpfungswege zwischen diesen “Örtern” sichtbar machen, sodass nichts mehr in der Luft hängt. Ein topologisches System. Erst dann hätte man den berechtigten Eindruck, dass jemand die Sache als Persönlichkeit im Griff hat.

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Kapselung

Sunday, 21. October 2007 18:46

Zur Exekution rationalen Verhaltens gehört auch die Verdeckung (Kapselung) dieser Disposition im sozialen Raum (”Verkauf”). Es wäre ja merkwürdig, wenn es gleichsam als Hobby betrieben würde und nicht bis zur Performance hinreichte; denn es ist ja immer klug, sich als “irgendwie” darzustellen (und man stellt sich immer in einem bestimmten Modus vor). Im Umkehrschluss heißt dies: wer Ratschläge gibt oder lehrt, expliziert seine tatsächlichen Überzeugungen, Prinzipien und Wünsche, wenn er selbst nicht danach handelt. Es ist dann nur eine Frage des Nachforschens und Schließens, wie seine “Topologie” beschaffen ist. Es kommt zu einem Bruch im Rationalitätsmuster. Insofern ist jede Handlungssituation “full-blooded”.

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Thema: analysis, ecosophia, inquiry, motives, society | Kommentare (0)

Authentizität 3

Sunday, 22. July 2007 13:49

Würde man unser alltägliches “In-der-Welt-Sein” phänomenologisch als heideggerschen Orientierungsmodus verstehen wollen, dann müßten wir von einer “taktischen Temperiertheit” sprechen. Es wäre ein Fehler, das “verlogen” zu nennen; es ist einfach nur ein in Gleichgewichten zu beschreibender Balanceakt zwischen Fordern und Zügeln, Investieren und (Er)sparen, Positionieren und Vermeiden, Exponieren und Verdecken.

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Thema: analysis, concepts&models, ecosophia, society | Kommentare (0)

Manipulation

Sunday, 20. May 2007 12:55

Daß wir nichts verändern können, kann natürlich nicht wörtlich genommen werden. Seit meinem Aufstehen heute habe ich sehr viele Dinge getan, die den Zustandsraum um mich herum verändert haben. Die Zahnbürste hat sich nocht etwas mehr abgenutzt, im Marmeladenglas ist weniger drin, ich habe ein Buch ein eine andere Ecke gelegt. Vielleicht stolpere ich demnächst über dieses Buch und ziehe mir eine Verletzung zu. Der Umgang mit anderen Personen ist eine schlichte Fortsetzung dieses “Beeinflussungskontinuums”. Dazu gehört die Verdeckung dieses eigensinnigen Verhaltens durch Aufforderung zur Authentizität im übrigen auch. Wenn man dies weiß und anderen derartiges Verhalten auch zuschreibt, bleibt wenig Raum für Skrupel.

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Annahmeanomalie

Saturday, 19. May 2007 19:46

Aussagen, die bescheiden daherkommen, haben für gewöhnlich eine größere Chance, angenommen zu werden. Gibt es dafür einen Grund in der Sache? Nein. Ob etwas “bescheiden” ist oder “aufgespreizt” wirkt - das tut dem kühlen Zutreffen oder Nichtzutreffen keinerlei Eintrag. Hier wird die Sachhaltigkeit der Rede vom Beziehungsaspekt der Rede (Bühler) überformt.

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Charisma

Thursday, 19. April 2007 11:35

Bezogen auf die heutige wissensbezogene Großwetterlage ist der Begriff des Charismatikers ebenso albern wie der des Wunders. Beide deuten eigentlich nur an, daß bestimmte Eigenschaften einer Person oder eines Objekts bisher nicht gut erklärt werden konnten. Bisher. Wir kennen einfach zu viele Leute, bei denen eine Verschiebung des Arbeitsspektrums zu sichtbarer Hilflosigkeit führen würde. Von Souveräneität und Charisma bliebe da nicht mehr viel übrig, zumal der Begriff des Charismatikers auf Personenteile eigentlich nicht sinnvoll anwendbar ist.

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