Beitrags-Archiv für die Kategory 'speech'
Apr
01
Tuesday, 1. April 2008 10:20
Das Problem mit theoretischen Konstrukten wie “mentalesisch”, “Propositionen” (Satzgehalte) und “Vorstellungen” ist, dass man durch deren Postulat grundsätzlich nicht mehr an die semantische Struktur der Saetze herankommt (singulaere Terme, generelle Terme, indexikalische Ausdruecke, mass terms, Kennzeichnungen,…). “Der Papst ist krank” laesst sich semantisch analysieren und seine Folgerungsstrukturen herauspraeparieren (zum Beispiel zu “jemand ist krank”). Er unterscheidet sich semantisch von einem nur oberflaechengrammatisch aehnlichen Satz wie “Der Wal ist ein Saeugetier”. Man kommt nicht in die Binnenstruktur der Gehalte hinein, weil das ein unverdaulicher Klos ist.
Der Gehalt oder die Bedeutung, dass Paul krank ist, ist hingegen nicht weiter analysierbar, weil strukturlos. Ein Grund, warum man die Sprache als den Bereich auszeichnet, bei dem man noch Boden unter den Fueßen hat.
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Mar
27
Thursday, 27. March 2008 10:16
Opinions - an für sich ein interessanter Begriff, weil er mit dem Begriff der Überzeugung deckungsgleich zu sein scheint. Man kann ihn auch äquivalent gebrauchen, obwohl sich das manchmal schief anhört. Jemand kann beim Ablesen eines Thermometers die Überzeugung ausbilden, es lägen 20 Grad Celsius im Medium vor. Es klingt aber ein bisschen schief, wenn er sagte, er sei der Meinung, es herrschten 20 Grad Celsius. Das hängt wohl damit zusammen, dass Meinung seine Hauptverwendung im politischen Diskurs und da vornehmlich bei praktischen Fragen (”was ist zu tun?”) hat. So klingt es normal, wenn jemand sagt, er sei der Meinung, man solle die Olympischen Spiele wegen der Vorfälle in Tibet boykottieren. Hier klingt die andere Variante wieder etwas verdreht.
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Mar
23
Sunday, 23. March 2008 16:46
Eine der schwierigen systematischen Stellen bei Davidson ist die: er möchte dem sprechenden Gegenüber via principle of charity Recht geben, um Verständnis zu ermöglichen (z.B. durch Unterstellung einer anderen Begriffsverwendung). Es ist dann aber prinzipiell schwierig, dann noch etwas darüber zu sagen, ab wann man dem anderen berechtigterweise Irrtümer unterstellen darf, ohne die eigene Interpretationsfähigkeit infragestellen zu müssen. Wo kommt die Infragestellung der Irrtumsfähigkeit und Rationalität des Gegenübers ins Spiel? Denn ich kann immer “so verschieben” dass der andere richtig liegt.
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Mar
20
Thursday, 20. March 2008 20:34
Wenn zu früheren Zeiten Philosoph A Philosoph B bezichtigte, zu hypostasieren, dann galt das als Vorwurf, Aufweis eines Denkfehlers, Nachweis irreführender Rede, Initiierung von Scheinproblemen. Eine Art Kategorienfehler: ein Adjektiv, ein Operator oder ein Verb wird nominalisiert/substantiviert und dadurch die Existenz eines entsprechenden “Dings” nahegelegt. (”…hat eine Bedeutung” anstatt “…bedeutet…”, “Vernunft” anstatt “…ist vernünftig”). “Der Verstand” oder “das Gefühl” konnten dann plötzlich sprechen (”der Verstand sagt mir…”). Man befand sich dann fluggs in der Verlegenheit, dies zu vermeiden oder das Ganze großzügig als stilistische Formulierungsvarianten zu betrachten.
David Lewis hingegen schrieb schon vor Jahren ganz frech: “I hypostatize meanings because I find it convenient to do so, and I have no good reasons not to.” [...] Im Zusammenhang mit Problemlösung erscheinen nun Hypostasierungen als echte Möglichkeiten im Portfolio des Theoretikers; eine Option, die man ziehen kann.
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Mar
11
Tuesday, 11. March 2008 20:00
Eine Lieblingswendung unserer Freunde von der Betriebswirtschaft, insbesondere des Wissensmanagements: “Wissen generieren”. Klingt wie “Milchpulver herstellen”. Gibt es irgendeine nichttriviale Deutung, die diese Redeweise nicht albern wirken lässt?
Das Merkwürdige bis Ironische ist, dass die Wissenschaft sich dadurch aufgewertet glaubt, weil sie sich als den Ort kontrollierter Wissensbildung dünkt. Dabei kollidieren aber die Mentalitäten, denn ich kenne keinen Forscher, der so reden würde. Falls Wissen in verlässlicher Form zustandekommt, wird der Forscher eher von einem “Abringen” sprechen wollen und angesichts notorischer Falsifierungsmöglichkeiten vorsichtige Dinge von sich geben.
Komisch wirkt die Redeweise auch, weil heute immer mehr Leute dem Wahrheitsbegriff abschwören und dadurch auch dem Wissensbegriff abschwören müssen, weil Wahrheit für gewöhnlich als eminenter begrifflicher Bestandteil des Wissensbegriffs aufgefasst wird. Die “Generation von Wissen” läuft auch den sichtbaren Tendenzen in Richtung Esoterik und Wissenschaftsskepsis entgegen, die im traditionellen Forschen keinen Anhalt mehr finden.
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Mar
08
Saturday, 8. March 2008 23:14
Bekommt man ab und an zu hören: “…das mag stimmen, vielleicht nicht im philosophischen Sinn…”; “…das stimmt nicht, aber vielleicht im philosophischen Sinn…”. Es gibt keinen speziell philosophischen Sinn. Es ist also nicht klar, was damit gesagt sein soll.
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Mar
02
Sunday, 2. March 2008 8:59
Das sogenannte principle of charity ist ein misnomer und deshalb selbst ein Anwendungsfall für das Prinzip. Es weist uns ja an, die Äußerungen anderer Personen immer so zu interpretieren, dass diese im Großen und Ganzen richtig liegen (die beliefs sind wahr). Das Motiv hierzu ist aber nicht “karitativ”, denn dies zu tun ist lt. Davidson nicht Teil einer verfügbaren Option, die wir auch unterdrücken könnten (ein Regulativ, um dessen Einhaltung man sich bemüht), sondern in unser Interpretationsverhalten eingelassen. Wir können sozusagen nicht anders. Deshalb kann er sagen: “Since charity is not an option, but a condition of having a workable theory, it is meaningless to suggest that we might fall into massive error by endorsing it.[...] Charitiy is forced on us; whether we like it or not, if we want to understand others, we must count them right in most matters.”
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Feb
23
Saturday, 23. February 2008 8:29
Begriffe lassen sich als Äquivalenzklassen von Wörtern, Propositionen als Äquivalenzklassen von Sätzen auffassen. Test: Läßt sich das Vorkommen eines Wortes/Satzes durch ein anderes in allen denkbaren Kontexten ersetzen, ohne daß sich der semantische Wert (beliebt: der Wahrheitswert) ändert, so muß es sich um denselben Begriff/dieselbe Proposition handeln. In terms of invariance: der semantische Wert ist invariant unter allen Ersetzungsoperationen des einen Ausdrucks durch den anderen.
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Feb
18
Monday, 18. February 2008 9:24
Das Rationale, weshalb man sich im Rahmen der analytischen Philosophie verstärkt mit sprachlichen Mustern beschäftigt hat, war indirekter, nicht sprachwissenschaftlicher Natur. Entitäten namens “Gedanken” (thoughts) stehen im Zentrum unserer geistigen Tätigkeiten. Es sind Gedanken, die in Stützungs- und Folgerungsrelationen zueinander stehen, wenn wir Beschlüsse fassen, Urteile fällen, Strategien bauen, Abwägen oder schlicht Handlungen erklären (z.B. in Form von beliefs und desires). Gedanken sind die konturierteren Nachfolger der vormals etwas ominösen “Vorstellungen”. Die Sprache kommt - indirekt - dadurch ins Spiel, dass es schlicht keine andere Zugriffsmöglichkeit für die strukturierte Identität von Gedanken zu geben scheint als Sätze oder mögliche Aussagen (die Äußerung selbst ist unerheblich). Dabei können ähnliche Sätze unterschiedliche Tiefenstrukturen haben, die man per Semantik herausholen möchte (braucht man beispielsweise, um Schlussweisen durchsichtig zu machen). Grammatikalisch unterschiedliche gestrickte Sätze können denselben semantischen Gehalt haben. Das ist der Zusammenhang für die Einführung minimaler sprachlicher Überlegungen in das Feld. Den Schritt zu der Behauptung, alles sei sprachlich erschlossen muss man nicht unbedingt machen, wenn man vorsichtig ist.
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Jan
02
Wednesday, 2. January 2008 17:11
Anstatt von logischen Begriffen zu sprechen sollte man vielleicht besser den Ausdruck “logische Redeweise” gebrauchen. Ein wesentliches Merkmal dieser Redeweise ist es, dass sie keinerlei Aussage darüber macht, wer oder was eine sprachliche Form erfüllt, sondern sich mit einer Kennzeichnung begnügt: dasjenige, das eine Form erfüllt, ist automatisch ein Element einer Menge, “über” die geredet wird.
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