Beitrags-Archiv für die Kategory 'truth'

Wert

Monday, 31. March 2008 10:06

Das Wahrheitspraedikat ist in keiner ersichtlichen Weise ein Wertpraedikat. “Wertpraedikat” meint die Vorstellung, man adele sozusagen per “Ritterschlag” das Gesagte, verleiht ihm Wert (z.B. durch Bestaetigung). Sagt oder denkt jemand etwas und ein anderer sagt wertverleihend: “Das stimmt” oder “Das ist wahr”, “sehe ich auch so” - dann ist das für die Wahrheit des Gesagten aeußerlich, weil das Gesagte nichtsdestotrotz falsch sein kann. Könnte das Idiom “ich lege Wert darauf, dass Merkel derzeitige Bundeskanzlerin ist” irgendeine wesentliche Funktion spielen? Ich sehe keine. Wahrheit ist auch auf spezielle Formen von Betonungen nicht ansprechbar; sie ist zu kühl dafür. In gewisser Weise ist Wahrheit gar nicht sozial, obgleich natürlich das Wort und dessen Verwendung gelernt sein will. Das gilt insbesondere für Aussagen, die den unmittelbaren Wahrnehmungsraum verlassen (z.B. volkswirtschaftliche Aussagen, politische Aussagen…). Das Soziale muesste genauer herauspraepariert werden.

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Wahrheitslink

Friday, 28. March 2008 11:57

Der Übergang vom Verfügen über ein Wahrheitskonzept zur Frage danach, woran man wahre Überzeugungen erkennt ist denkbar naheliegend. Man sollte ihm aber widerstehen.

Es gibt keinen “Wahrheitslink”, der sagt “hier gehts zur Wahrheit”. Es gibt nicht so etwas wie einen Indizien-Verweis, wie es etwa einen Verweis gibt zwischen Punkten im Gesicht und Masern oder Ortsschildern und Städten.

Deswegen wäre auch der Vorwurf unangebracht, das Wahrheitsprädikat sei zirkulär. Dabei stellt man bei diesem Verdacht intern die Fragestellung von “was heißt es, wahr zu sein” auf “woran erkennt man die Wahrheit” um, um dann natürlich beim “das weiß man eben” zu landen. Wahrheit würde im Rekurs auf das begrifflich anspruchsvollere Konzept des Wissens eingeführt, das mit dem Wahrheitsbegriff natürlich bereits notwendig verklammert ist (justified true belief). Deswegen - den Kriterienschritt gar nicht erst machen.

Natürlich kann dieses Ausbleiben der “Selbstanzeige” für manch einen Grund genug sein, das Prädikat außen vorzulassen, weil es operativ nicht durchschlägt. Nur - das ist bei den meisten Begriffen so: der Richter, der das Konzept “Totschlag” kennt, verfügt damit auch noch nicht über ein Kriterium, Totschläger von Nichttotschlägern zu separieren. Er sieht es ihnen auch nicht an. Er kennt auch nicht alle Totschläger.

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Wahrheit und Nutzen

Thursday, 27. March 2008 12:14

Es ist nützlich, ein Wahrheitskonzept zu haben.

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Wahrheitsmetaphysik

Thursday, 27. March 2008 10:56

Dass es so erscheint, als seien “die tatsächlichen Umstände” entkoppelt und “auf mystische Art” jenseits unserer Denkhandlungen “im transzendenten Raum” entspringt einer weitläufigen, durch ein Erkenntnis-Bild bedingten Fehlinterpretation: es handelt sich ja nicht um eine Ding, auf das man eben nicht direkt (oder grundsätzlich nicht) zugreifen kann, sondern um das Merkmal des Empirischen schlechthin. Und dies ist: man muss eben nachschauen oder messen, ums wissen zu können. Das “Loch” ist kein mystisches, sondern eines, das die mögliche Falschheit unserer Überzeugung markiert. Es ist diese unspektakuläre Lücke, die uns sagen lässt: “Ich könnte auch falsch liegen”.

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Relativität

Thursday, 27. March 2008 10:39

Es wäre eine echte Aufgabe, den Begriff der Relativität mit Bezug auf unsere Überzeugungen zu entzerren. Der Begriff ist mehrdeutig. Fußball: Angenommen, der Schiedsrichter hat gerade die Überzeugung ausgebildet, im Strafraum sei ein Handspiel geschehen und pfeift Elfmeter. Und angenommen, es hat ein Handspiel (in der durch das Regelwerk definierten Form “die Hand ging zum Ball”) stattgefunden. Dann ist seine Überzeugung wahr. Würde es jetzt Sinn machen, wenn jemand zu Bedenken gibt: “Ja, das ist aber nur “wahr im Fußballspiel” bzw. “wahr bezogen auf das Regelwerk im Fußball”". Die Relativierung ist korrekt. Beim Halma wäre der Pfiff sinnlos. Es ändert aber überhaupt nichts an der Wahrheit der Überzeugung des Schiedsrichters. Und so sieht das auch der common sense. Diese Relativierung greift nicht. Vermutlich deshalb, weil das Wahrheitskonzept unabhängig davon ist, ob sich die Überzeugung auf einen natürlichen Vorgang oder um eine konventionalisierte Spielform (Gebrauch) in einem beliebigen kulturellen Raum bezieht. Es übergreift sie.

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Wahrheit

Thursday, 14. February 2008 20:11

Um den Witz des Wahrheitsbegriffs ranken sich allerlei (immer mehr) Missverständlichkeiten. Zum einen die Vorstellung, er müsse auch kriterial etwas hergeben (”dann nennen Sie mir doch Wahrheiten und geben Sie einen Lackmustest für wahre Aussagen, insofern sie sich von falschen unterscheiden”). Dann die zwanghafte, manchmal werbende Neigung, ihn in die unmittelbare, exklusive Nähe zu wissenschaftlicher Tätigkeit zu rücken. Ferner das Missverständnis als “Wert”, das zu Äußerungen der Form “Y ist ein Wahrheitsapostel” oder “Y glaubt an die Wahrheit” führt. Im verstärkten Modus ist dann von einer Art “Religion” oder vom “Mythos” die Rede. Zuletzt die Vorstellung, man müsse sich zu ihm “bekennen”.

Es ist anders. Man hat sich ihn - den Begriff - von vornherein eingekauft mit jeder Überzeugung der banalsten Art, die man haben kann (”glauben, im Wohnzimmer zu stehen” oder “glauben, 5 Jahre alt zu sein”). Da gibts nichts zum Bekennen oder Anstreben. Wie wäre es, ohne ihn auskommen zu müssen? Man hätte keinerlei Vorstellung vom “der Fall sein”. Damit würde unser Orientierungssystem kollabieren - da wäre nichts mehr formulierbar, was die Form hätte “es ist so und so” - unabhängig davon, ob man es sich nur denkt oder auch äußert.

Wie meinte Davidson ? Wahrheit als schlichtes einstelliges Prädikat dürfe man sich nicht wie eine Verweismarke auf einer Fotographie vorstellen. Simply true or wrong.

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Illokution

Sunday, 11. November 2007 14:04

Dass man mit Wörtern andere Dinge tun kann, als assertorische Aussagen hinzustellen, ändert nichts daran, dass die Wahrheit der den Sätzen entsprechenden Überzeugungen zentral sind für unseren intellektuellen Haushalt. Insofern können wahrheitzentrierte Überlegungen nicht durch Gebrauchsüberlegungen außer Kraft gesetzt werden.

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Thema: beliefs, speech, truth, words | Kommentare (0)

Fiktion

Saturday, 3. November 2007 10:45

Rede über Fiktionales und Rede über Tatsächliches unterscheiden sich auf der Verstehensebene in nichts. Insofern der Ausdruck “Yeti” begrifflich eingegrenzt ist, ist uns der Satz “Yetis sind Säugetiere” und “Wale sind Säugetiere” gleichermaßen verständlich. Die Verpackung der Yetis (unter Annahme ihrer Nichtexistenz) in einen eigens dafür eingerichteten Diskurs, den man “fiktional” nennt entspringt wieder einem ex-post Verfahren, bei dem man das Wissen nach Prüfung in die Semantik der Sätze einliest. Einer der Gründe, weshalb man besser Pragmatiker ist und sich immer die ex-ante Situation vorstellt. Freilich entlastet dieses Einsicht den Literaten nicht.

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Thema: analysis, inquiry, speech, truth, words | Kommentare (0)

Schema

Wednesday, 15. August 2007 7:04

Der Ausdruck “Schema” ist erkenntnistheoretisch völlig bedeutungslos (”er betrachtet dies und jenes unter dem Stereotyp F”). Man braucht niemanden darauf aufmerksam zu machen, daß er eins benutzt oder das es historisch oder kulturell andere gibt. Uns interessiert ja nur, ob “das Schema” greift.

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„Einstellungen“

Wednesday, 15. August 2007 6:56

Wir werfen gerne mit Einstellungsprädikaten wie “skeptisch”, “realistisch”, “optimistisch” um uns, um Dispositionen von Personen zu markieren. Das ist Psychologie oder aber die Umgehung sprachlicher Redundanzen, denn nichts hängt von dieser Zuschreibung ab. Man tut so, als hinge Sinn und Verstand von Überzeugungen und Handlungen von ihnen ab. Das ist Humbug. Entweder der Gedanke greift, oder er greift nicht.

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Thema: reasoning, truth, words | Kommentare (1)