Desires

Wie wir alle wissen, spielen unsere natürlichen Begehrlichkeiten für die Handlungswege, die wir einschlagen eine richtungsweisende, zentrale Rolle (wir wollen bestimmte Dinge: Nahrung, Sex,…). Irreführend wird es aber, wenn man aus diesen natürlichen Antrieben Aussagen über unsere gedanklichen Möglichkeiten heute macht.

So sagte Reinhold Messner im heute bevorzugten naturalistischen Gestus vor kurzem, “wir würden ja schließlich immer noch mit den Gehirnen von Steinzeitmenschen herumlaufen”. Das ist irreführend. Für unsere Antriebe mag dieser Konservatismus ja gelten, nicht aber für unsere Überlegungsmöglichkeiten: meines Wissens wussten die Steinzeitmenschen nichts von Zellen, Proteinen, fomalen Kalkülen, Differentialgleichungen, Nash-Gleichgewichten, Objektorientierter Programmierung…Es wirkt komisch, wenn jemand so redet und in Nebensätzen mit Bezug auf seine sportlichen Leistungen vom “Partialdruck” (physikalisches Konzept) spricht, geschweige denn von der High-Tech-Ausstattung, die Bergsteigern heute zur Verfügung steht.

Manchmal hat man den Eindruck, dass sich derartige Rede nicht der inhaltlichen Plausibilität verdankt, sondern dem Umstand, dass man gedankliche Ergebnisse besonders weit von unseren normalen Ergebnissen placieren möchte, um sie eindringlicher zu machen. Das wäre dann nur ein rhetorisch-psychologischer Effekt ohne inhaltlichen Wert.

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Datum: Saturday, 31. May 2008 11:18
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3 Kommentare

  1. 1

    Irgendwer sagte doch mal “Die Dummheit der Menschen und das Universum sind unergründlich”

  2. 2

    Ja. Nur wird Dummheit oft zu Unrecht mit Bezug auf moralische Verfehlungen ins Spiel gebracht. Mir gehts um falsche/unhaltbare Urteile, die aber gerne kolportiert werden.

  3. 3

    Ein Computer von 1990 bleibt auch dann ein Computer von 1990, wenn die Software inzwischen mal upgedatet wurde. Insofern hat Messner Recht. Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass auf Grund der Updates der gleiche alte Computer ungleichlich bessere Ergebnisse liefern kann. - Die Frage ist aber durchaus, ob sich auch die liquide Intelligenz des Menschen seit der Steinzeit weiter entwickelt habe. Wir wissen es nicht. Burckhardt meint: “Der Geist war schon früh komplett.” Sind wir heute im logischen Denken schneller und sicherer als die Menschen der Renaissance? Irgendwo habe ich mal eine Untersuichung gelesen, die behauptete, die westliche Menschheit sei tatsächlich im Durchschnitt im Verlauf des 20. Jahrhunderts “intelligenter” geworden. Fällt einem instinktiv schwer zu glauben…

    (Herausragender Blog, kriegt ein Ehrenzeichen…)

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