Entwerten

Für gewöhnlich lassen wir Leuten recht großen Raum, wenn sie - implizit oder explizit - ihren Überzeugungen Ausdruck verleihen.
Es gibt aber ein interessantes Phänomen, das man nicht unterschätzen sollte und das in Überzeugungstheorien berücksichtigt werden muss: unsere Fähigkeit, jemandem etwas nicht “abzunehmen” (”das kannst Du nicht ernsthaft glauben”).
Dies Verfahren setzt durchaus nicht erst bei logischen Widersprüchlichkeiten ein, sondern schon in Bereichen materialer Urteile des Akteurs. Wenn z.B. eine Fahrkontrolle einen Schwarzfahrer “erwischt”, dann wird der Kontrolleur dem “Delinquenten” nicht glauben, wenn dieser sagt: “Ich habe nicht gewusst, dass man für Transportleistungen zahlen muss”. Diese Ungläubigkeit reicht sogar weit bis in den Bereich von angeblich “hypersubjektiven” Urteilen ästhetischen Zuschnitts hinein. Wenn z.B. Anna Nicole Smith gesagt hätte, sie habe den reichen alten Herren aus ästhetischen Motiven heraus geheiratet, so würden wir das kaum glauben. Wir sind also generell in der Lage und Willens, die “privaten Überzeugungen” von den öffentlich vorgetragenen zu unterscheiden, um dadurch in der Lage zu sein, Strategien zu isolieren. Wir übergehen sinnvollerweise in solchen Fällen die Individualität des Gegenübers durch einen Übergriff, um ein besseres Tracking zu erreichen. Wir entwerten die Aussage einfach.

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Datum: Wednesday, 27. August 2008 13:43
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