Komplexitätsgefälle
Wer sich in Foren herumtreibt, wird nicht übersehen, daß große Teile des gehobenen Bildungsstandes vom radikalen Konstruktivismus (Erkenntnistheorie) infiziert sind. Man stellt sich ein System oder einen Agenten vor, der einer komplexen Welt gegenübersteht und diese durch Ausblendung in einer Abstraktionsrichtung “reduziert”. Das mag schon sein. Aber nichts von dieser “Relativierung” entraubt den Agenten der Möglichkeit, absolut wahre Aussagen zu formulieren. Greife ich aus der Welt, in der die Dinge “zusammenhängen” mein Auto heraus und prädiziere von ihm die Farbe “blau”, so ist das wahr oder falsch. Es ist vermutlich immer ein Fehler, eine erkenntnistheoretische Position vor die Wahrheitstheorie zu schieben. Unser “Zugang” zur Realität ist so direkt, wie er nur sein kann. Das Problem besteht nicht darin, prinzipiell wahre Aussagen zu formulieren, sondern darin, optimale Beobachtungskonstellationen und Indizienketten herzustellen. Das sollte uns aber nicht dazu animieren, den Wahrheitsbegriff selbst zu relativieren.
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