Lebenskunst
An die exoterischen Arbeiten von Wilhelm Schmid und anderen anschließend scheint es derzeit eine Hinwendung "professioneller" Philosophen zu den einfachen Themen der Lebensgestaltung zu geben (das “gute Leben”). Das ist zu begrüßen. Vor allem der Sorgebegriff scheint an zentraler Stelle wieder (Heidegger,…) in Abwandlungsformen aufzutauchen. Vor allem sollte man sein Augenmerk darauf richten, ob da wirklich Aussagen kommen, die die Scylla der Falschheit und die Charybdis des Gemeinplatzes unter Bedingungen kompromisslosen und zeitgemäßen Philosophierens meistern können. Kompromisslos ist es nur dann, wenn nicht auf soziale Korrektheit geschielt wird. Zeitgemäß nur dann, wenn man nicht nicht den Eindruck hat, die Texte könnten auch aus den vergangenen Jahrhunderten stammen. Komisch ist auf jeden Fall die Notdurft, ein Problem aufzugreifen und dabei zu glauben, man müsse Platoninterpretationen vorschalten. Ethische Einsprengsel, die eher eine indirekte und nichtrepräsentative Beschreibung eines unerotischen Gelehrtendaseins an einem deutschen Institut darstellen möchte ja auch niemand lesen. Interessant wird auch zu beobachten sein, inwiefern bestimmte Herren geradezu automatistisch bis zwanghaft Ethikbegriffe mit ins Spiel bringen glauben zu müssen. Sich dem zu sehr zu nähern kann dumm ausgehen: man könnte in unmittelbarer Nähe der Theologen stranden - was peinlich wäre.
Und was schießlich die Desiderate der Theoriebildung anbelangt, so wissen wir ja: je häufiger ein Theoretiker in Bezug auf Zwecke und Mittel der Weltorientierung (die Hauptstellschrauben der praktischen Philosphie) sagen muss, “das müsse jeder für sich entscheiden”, desto stärker schwindet die normative Kraft seiner Aussagen dahin und gerinnt zu einem großzügigen Formalismus. Auf die Gefahr angesprochen, man würde evtl. für die Wüste produzieren (wie das Lyotard mal genannt hat), wird man dann hören: “Ich wollte ja nur zum Denken anregen”.
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