Normen

Monday, 1. September 2008 11:06

Die speziellen Normen, mit denen sich die theoretische Philosophie beschäftigt, sind intellektuelle Normen. Das Wort “Norm” suggeriert dabei oft zuunrecht, hier handele es sich um soziale Konventionen, Verbotsschilder nach Art von Straßenverkehrsordnungen. Das ist aber nicht die Pointe, denn das “Woher” der Norm ist unerheblich (”die Gesellschaft”).
Intellektuelle Normen beschränken die Züge, die man gedanklich machen darf. Ohne sie wäre es nicht möglich, jemandem zu sagen, er habe das Thema verfehlt, unzulässig verallgemeinert, Fehlschlüsse oder Rhetorik produziert usw.. Es wäre etwas merkwürdig, wenn jemand sagte, er erkenne diese Normen an oder nicht an. In gewisser Weise verfügt man darüber nicht in derselben Weise wie man über die Norm verfügt, bei rot nicht über die Straße zu gehen.
Wer hingegen daran interessiert ist, welche Motive und Neigungen Personen zu welchen Denkhandlungen führen, der beschäftigt sich mit empirischer Forschung, mit Psychologie und Soziologie. Diese Art von Wissen ist nicht in der Lage, aus sich heraus überhaupt von gedanklichen Fehlern sprechen zu können. Wenn doch, muss sie normative Anleihen nehmen.
Für einen Unternehmer ist die Empirie natürlich wichtiger, denn er will ja wissen, wo die Bedürfnisse de facto sitzen und nicht, ob sie zurecht bestehen. Er bedient.

Tags: ,

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Intuition

Tuesday, 26. August 2008 10:18

Die Intuition (”der Bauch”) hat in den letzten Jahren im Zuge steigender Psychologisierung tendenziell immer mehr an Wertschätzung gewonnen. Selbst Sportler sprechen häufig davon. Was dabei auffällt: die Liebhaber dieser Kategorie zählen die Fehlschläge bei Handlungen, die “aus dem Bauch kommen” häufig nicht mit. Das ist natürlich kein korrektes Zählen, wenn es um die Empfehlung praktischer Maximen geht.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Wahrnehmungen

Sunday, 13. April 2008 11:54

Naturalistisches Gedankengut treibt manchmal merkwürdige Blüten. Häufig wird ja versucht, zum Zwecke höherer Erklärungsfähigkeit und “Aufklärung” die Faktoren hinter den Rücken des Akteurs zu verlagern. Besonders komisch wirkt das bei Wahrnehmungen (hier sei Wahrnehmung breit gefasst, also alles, was sinnlich wahrnehmbar ist).

So berief sich vor kurzem im Fernsehen jemand auf Forschungsergebnisse in der Sexualwissenschaft. Dort hatte man bei Damen Vaginalmessungen beim Konsum von Pornos vorgenommen und wohl erhöhte Aktionspotentiale festgestellt. Die Damen selbst nahmen aber nichts davon wahr - sie beschreiben sich nicht als besonders erregt. Es hieß dann: “Sie war angeturnt, wusste aber davon nichts”. Sorry, aber wenn man angeturnt ist, weiß man das auch.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Vorurteile

Saturday, 12. April 2008 12:01

Vom amerikanischen Physiker Steven Weinberg wird folgendes kolportiert: es komme nicht darauf an, Vorurteile zu haben oder nicht, sondern die richtigen Vorurteile zu haben. Sehe ich auch so. Zutreffende Vorurteile verhindern es, sich in vorhersehbare Sackgassen zu begeben - Ökonomie. Denn wüssten wir im voraus, dass sich ein vorauseilendes Urteil letztendlich mit einem Urteil nach ausführlicher Prüfung deckt, käme uns das wie eine Ehrenrunde vor, die (nur) mit zusätzlichen Begründungen aufwartet.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: analysis | Kommentare (0)

Wie

Saturday, 5. April 2008 13:04

Zitat aus Siegfried J. Schmidts “Diskurs des radikalen Konstruktivismus”:

“Die Erkenntnistheorie des radikalen Konstruktivismus…ist nicht reduktionistisch. Das soll heißen, sie ersetzt die traditionelle epistemologische Frage nach Inhalten und Gegenständen von Wahrnehmung und Bewußtsein durch die Frage nach dem Wie und konzentriert sich auf den Erkenntnisvorgang, seine Wirkungen und Resultate.”

Es handelt sich also genau genommen gar nicht um Erkenntnistheorie. Das Thema wird gewechselt. Die Erkenntnistheorie beschäftigt sich mit den den begrifflichen Bedingungen, unter denen Wissen möglich ist, falls es welches geben sollte. Gleichmaßen mit der Frage, was es heißt, sich zu irren. Was weiß ich über die Geltung einer Aussage von Person P, wenn ich die “Wie-Frage” durch Verkettung von “indem-Sätzen” aufgreife: “…indem er den Mund öffnet, Laute herauspresst, dabei grinst…”?

Das Problem, den Inhalt oder den evaluierbaren Gehalt ins System zu bekommen (bei den sprachphilosophischen Ansätzen dasjenige, was sich an den dass-Operator in Ausdrücken wie glauben, dass… anschließt) ist kein spezielles Problem dieses Konstruktivismus. Heidegger hatte dasselbe Problem, als er auf phänomenologischer Basis versuchte, fast ausschießlich mit Vollzugsverben zu arbeiten (nominalisierte Verben oder Partizipialkonstruktionen: Sorge, Verstehen, in-der-Welt-Sein, Entschlossenheit, Sein zum Tode, Unverborgenheit…), um das Bewegungsmoment der Existenzialien einzufangen.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: concepts&models | Kommentare (7)

Strukturlos

Tuesday, 1. April 2008 10:20

Das Problem mit theoretischen Konstrukten wie “mentalesisch”, “Propositionen” (Satzgehalte) und “Vorstellungen” ist, dass man durch deren Postulat grundsätzlich nicht mehr an die semantische Struktur der Saetze herankommt (singulaere Terme, generelle Terme, indexikalische Ausdruecke, mass terms, Kennzeichnungen,…). “Der Papst ist krank” laesst sich semantisch analysieren und seine Folgerungsstrukturen herauspraeparieren (zum Beispiel zu “jemand ist krank”). Er unterscheidet sich semantisch von einem nur oberflaechengrammatisch aehnlichen Satz wie “Der Wal ist ein Saeugetier”. Man kommt nicht in die Binnenstruktur der Gehalte hinein, weil das ein unverdaulicher Klos ist.

Der Gehalt oder die Bedeutung, dass Paul krank ist, ist hingegen nicht weiter analysierbar, weil strukturlos. Ein Grund, warum man die Sprache als den Bereich auszeichnet, bei dem man noch Boden unter den Fueßen hat.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: speech | Kommentare (0)

Wert

Monday, 31. March 2008 10:06

Das Wahrheitspraedikat ist in keiner ersichtlichen Weise ein Wertpraedikat. “Wertpraedikat” meint die Vorstellung, man adele sozusagen per “Ritterschlag” das Gesagte, verleiht ihm Wert (z.B. durch Bestaetigung). Sagt oder denkt jemand etwas und ein anderer sagt wertverleihend: “Das stimmt” oder “Das ist wahr”, “sehe ich auch so” - dann ist das für die Wahrheit des Gesagten aeußerlich, weil das Gesagte nichtsdestotrotz falsch sein kann. Könnte das Idiom “ich lege Wert darauf, dass Merkel derzeitige Bundeskanzlerin ist” irgendeine wesentliche Funktion spielen? Ich sehe keine. Wahrheit ist auch auf spezielle Formen von Betonungen nicht ansprechbar; sie ist zu kühl dafür. In gewisser Weise ist Wahrheit gar nicht sozial, obgleich natürlich das Wort und dessen Verwendung gelernt sein will. Das gilt insbesondere für Aussagen, die den unmittelbaren Wahrnehmungsraum verlassen (z.B. volkswirtschaftliche Aussagen, politische Aussagen…). Das Soziale muesste genauer herauspraepariert werden.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: truth | Kommentare (0)

Wahrheitslink

Friday, 28. March 2008 11:57

Der Übergang vom Verfügen über ein Wahrheitskonzept zur Frage danach, woran man wahre Überzeugungen erkennt ist denkbar naheliegend. Man sollte ihm aber widerstehen.

Es gibt keinen “Wahrheitslink”, der sagt “hier gehts zur Wahrheit”. Es gibt nicht so etwas wie einen Indizien-Verweis, wie es etwa einen Verweis gibt zwischen Punkten im Gesicht und Masern oder Ortsschildern und Städten.

Deswegen wäre auch der Vorwurf unangebracht, das Wahrheitsprädikat sei zirkulär. Dabei stellt man bei diesem Verdacht intern die Fragestellung von “was heißt es, wahr zu sein” auf “woran erkennt man die Wahrheit” um, um dann natürlich beim “das weiß man eben” zu landen. Wahrheit würde im Rekurs auf das begrifflich anspruchsvollere Konzept des Wissens eingeführt, das mit dem Wahrheitsbegriff natürlich bereits notwendig verklammert ist (justified true belief). Deswegen - den Kriterienschritt gar nicht erst machen.

Natürlich kann dieses Ausbleiben der “Selbstanzeige” für manch einen Grund genug sein, das Prädikat außen vorzulassen, weil es operativ nicht durchschlägt. Nur - das ist bei den meisten Begriffen so: der Richter, der das Konzept “Totschlag” kennt, verfügt damit auch noch nicht über ein Kriterium, Totschläger von Nichttotschlägern zu separieren. Er sieht es ihnen auch nicht an. Er kennt auch nicht alle Totschläger.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: truth | Kommentare (0)

DRY

Tuesday, 25. March 2008 11:22

Das Trockene ist eigentlich immer das Interessante.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: analysis | Kommentare (0)

Züge

Friday, 21. March 2008 11:57

Für Gebrauchsüberlegungen intelligenten Handelns: Das Konzept des “Zugs/Züge machens/Ziehens” im Zusammenhang mit zeitgemäßen Interventionen aus der ersten Person Singular heraus muss generell eine dominante Stelle einnehmen. Insbesondere heißt dies dann im gesellschaftlichen Raum: Sozialschach. Dort gibt es dann beispielsweise auch “Bauernopfer” und das Zustellen von Bewegungsräumen (”Matt”).

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: concepts&models, ecosophia | Kommentare (0)