Mar
21
Friday, 21. March 2008 8:55
Zwei Typen der Überzeugungsfestlegung: A) was glaube ich angesichts dessen, was ich so tagtäglich geboten bekomme (indiziengesteuert); B) was muss ich glauben, um besser durchzukommen (durchhaltegesteuert). B) ist nicht koscher, aber (handels)üblich; die normative Komponente (eine Variante des modalen “muss”) kommt an der falschen Stelle zum Einsatz.
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Mar
10
Monday, 10. March 2008 9:10
Seit einigen Jahren ist Ethik wieder in Mode. Manch einer der professionellen Zunft wird sich dadurch ein karrieristisches Fortkommen erwarten (ähnliche Entwicklungen nimmt man hie und da in der Geschichtswissenschaft wahr). Immerhin bedient diese Mode auch die Erwartungen der Öffentlichkeit und Kultusministerien, die glauben, Philosophie hätte es in erster Linie mit Äußerungen moralischer Art zu tun (dazu schaue man sich mal die Bücherregale in Buchhandlungen und Lehrpläne an). Dieses Spiel ist gefährlich, weil die Philosophie leicht in der Nische landet und zu verbleiben droht, die die Theologie besetzen möchte und dadurch (ebenfalls) leicht zur Beute einer ironisch und taktisch gewendeten Lebenseinstellung wird. Die Wahrscheinlichkeit, sich lächerlich zu machen, ist also durchaus gegeben. Schließlich ist es - hat man sich in diesem Feld schon einmal getummelt - doch eher unwahrscheinlich, dass man gerade dort zu annähernd zwingenden Ergebnissen gelangt. In der Ethik merkt man vielleicht am deutlichsten, wie schwach wir auf der Brust sind, wenns um die durchgängige Begründung einer Position geht und wie schnell man selbst den eigenen Prinzipien zuwiderhandelt. Vielleicht ist das der Grund, warum sich gerade hervorragende Vertreter des philosophischen Fachs mit substantiellen Aussagen in dieser Sache tendenziell eher zurückhalten oder es bei formaler Behandlung (Metaethik oder dergleichen) belassen.
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Feb
23
Saturday, 23. February 2008 10:00
Wer den Gefallen an einem Musikstück damit begründet, “der Text gefalle ihm so gut”, der steht an der Klippe eines Kategorienfehlers. Der “Text” kann für die Musikevaluation nur in Form des stimmlich-phonetischen Beitrags - als Instrument - von Belang sein. Die Bedeutung der verwendeten Ausdrücke hat darin zunächst gar nichts zu suchen. Möglich ist aber dies: die Musik gefällt mir gut - und überdies ist der Text sehr ansprechend. Das war eine Bemerkung zu den Constraints ästhetischer Urteile - diese Constraints sind nicht “subjektiv”, sondern bestimmen den Raum, innerhalb dessen ein Urteil sinnvoll gefällt wird.
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Thema: aesthetics, arguments, beliefs |
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Jan
01
Tuesday, 1. January 2008 12:54
“I think, that by and large how we put the world together is how it is put together.”
Donald Davidson, Actions & Events, Reply to Quine, p.305
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Thema: big points |
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Oct
20
Saturday, 20. October 2007 0:41
Auch wenn man vom undifferenzierten einstelligen Prädikat “x ist cool” - angewendet auf Personen - absieht (im Sinne von “gefällt mir”, “finde ich gut”), so bleibt ein heute doch recht verdrehter Sprachgebrauch übrig. So ernten Personen häufig dies Attribut, obwohl sie als angebliche Träger der Coolness stark abhängig von sozialer Anerkennung sind. Cool zu sein heißt notwendig, unabhängig und souverän zu sein gegenüber sozialer Anerkennung, gepaart mit ständig mitlaufender Restdistanz und der Verfolgung eines konsequenten, begründbaren Lebensstil mit liderlich-ironischem Einschlag. Es ist genau das, was uns an bestimmten Filmfiguren als “cool” ins Auge sticht.
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Thema: analysis |
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Jul
29
Sunday, 29. July 2007 21:59
Das Ziel philosophischer Umtriebe ist es nicht, “miteinander ins Gespräch” zu kommen und den “Dialog zu suchen” (das ist die seichte, gadamersche Rückzugsposition), sondern Sachfragen unter Aufbietung von Rationalitätsressourcen zu entscheiden. Ob das geleistet werden kann, ist natürlich eine andere Frage, denn unsere Aufweis-, Nachweis- und Beweismöglichkeiten hinken erfahrungsgemäß hinter unseren Behauptungen hinterher. Das ist die eigentliche intellektuelle Tragik, die Relativisten die Munition liefert.
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Thema: analysis, arguments, speech |
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 14:00
Manchmal wird so geredet, als ob Authentizität als eine Art kulturelle Gegenkraft zu den wirtschaftlich motivierten Verschiebebahnhöfen auf den Plan tritt. Ich vermute, das ist falsch. Ganz im Gegenteil: die Authentizität tritt als Mittel und Funktion ökonomischer Motive auf. Man möchte sich als “durchschaubar”, “berechenbar”, “extrapolierbar”, “stetig” präsentieren. Bindungstransaktionen. Ganz besonders prominent: bei Bewerbungen in der Arbeitswelt. Jeder Akquiseakt läuft unter diesem Motto.
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Thema: ecosophia |
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:39
Manchmal kommt es vor, daß sich Personen das Prädikat “authentisch” zuschreiben können, weil sie viel großzügigere Kriterien und Zählprinzipien verwenden (manche Dinge werden gar nicht gezählt). Das kann dann in Anlehnung an Watzlawick dazu führen, daß man eo ispo gar nicht mehr “inauthentisch” sein kann, weil nichts mehr darunter fallen würde. Wir würden als offene Bücher der Natur durch die Welt spazieren. Wer glaubt dies ernsthaft?
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Thema: analysis, motives |
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:24
Man kann nahezu jede persönliche Interaktion als Geschäftsgebahren verstehen. Deshalb müssen auch Selbstzuschreibungen oder Forderungen nach Authentizität unter Vorbehalt bis zur Prüfung gesetzt werden (”ich bin authentisch”; “sei authentisch”). Im ersten Fall handelt es sich nicht selten um eine Werbemaßnahme (ist also selbst Teil eine Strategie oder Taktik), im zweiten Fall möchte man bessere Berechnungsgrundlagen für das Gegenüber erhaschen. Würde man das bestreiten, so hieße das zu behaupten, daß aus der persönlichen Selbstauskunft, man sei authentisch, folgt, daß man authentisch ist. Wer würde das unterschreiben wollen?
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Thema: concepts&models, ecosophia, technics |
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Jul
17
Tuesday, 17. July 2007 13:14
Es ist viel wichtiger, viele zutreffende Aussagen im eigenen Überzeugungsportfolio herumzutragen als “tiefe”. Von Wittgenstein wird kolportiert (Stelle ist mir nicht bekannt), er hätte im Vergleich Kant-Schopenhauer gesagt, bei letzterem sehe man “schneller auf den Grund”. Umso schlimmer für Kant, denn Schopenhauer hat bisweilen erstaunlich präzise beobachtet und formuliert (daran ändert auch der Umstand nichts, daß das bestimmten Bevölkerungsgruppen nicht gefällt). Das Ausspielen von Oberflächlichkeit und Tiefe treibt manchmal merkwürdige Blüten.
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Thema: analysis, beliefs, concepts&models |
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