Erfahrung

Saturday, 19. April 2008 5:59

“Ohne Frage, sagt Gadamer, gibt es gar keine Erfahrung”, zitiert die deutsche Philosophin Silja Freudenberger den Hermeneuten zustimmend im Rahmen eines neueren Sammelbands zur Lebensberechtigung der Philosophie als Tätigkeit. Das ist einer dieser weise anmutenden, aber falschen Sätze, denen man beim Drüberlesen allzuleicht auf den Leim geht. Wenn ich bei Tchibo vorbeilaufe und beiläufig vernehme, dass es einen Funk-Radiowecker für Euro 5,95 zu kaufen gibt, dann habe ich keine Frage im Vorfeld gestellt - und trotzdem etwas erfahren. Ich habe es ganz billig registriert. Sie wird vielleicht sagen, das hätte sie mit Erfahrung nicht gemeint.

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Erklären

Sunday, 7. October 2007 18:13

Nicht zum ersten Mal habe ich vor kurzem einen Lehrer sagen hören, die Philosophen hätten versucht, “die Welt zu erklären”. Ich weiß nicht, was damit gemeint sein könnte - ein Formeltyp, wie er in seiner Machart oft in Künstlerkreisen verwendet wird. Da Leute, die so etwas sagen, wohl selbst nicht wissen, was sie mit dieser Phrase meinen, fällt es ihnen demnach auch nicht schwer, sie zu brüskieren.

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Thema: analysis, motives, reasoning | Kommentare (0)

Pädagogen-Akrobatik

Tuesday, 17. July 2007 12:21

Einem Pädagogen gegenüber expliziere ich ein Handlungsmodell, das Personen in erster Linie am Eigeninteresse orientiert sieht. Ich füge hinzu, daß sich ansonsten Verhaltensweisen nicht erklären lassen (ein “explanatorisches” Argument). Er daraufhin: “Sie haben aber ein schlimmes Menschenbild”. Seinen Zug muß man sich auf der Zunge zergehen lassen - schlimm, wenn man von der eigenen Rhetorik übermannt wird. Ein notdürftig philosophisch Angelernter - er merkt gar nicht, daß er nichts zeigt, sondern nur etwas sagt und dabei die Falschheit einer empirischen These einfach so voraussetzt. Der Weg zur rationalen Anomalie des “wishful thinking” ist damit geebnet. Nicht selten für diese Spezies, die alles schon weiß, wonach andere forschen müssen. Er wird sein “Wissen” von berufswegen weitergeben wollen.

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Objektivität

Sunday, 15. July 2007 13:53

Der Begriff der Objektivität lädt aufgrund seiner Mehrdeutigkeit zu Mißverständnissen geradezu ein. Manchmal meint er unparteiisch, unvoreingenommen, manchmal sachlich, manchmal wahr, manchmal intersubjektiv geltend und schließlich bezeichnet er im philosophischen Gebrauch die Sicht “sub specie aeternitas” eines gedachten allwissenden Subjekts. Ich empfehle, den Begriff zunächst vor der Tür zu lassen und mit der schlichten und harten Währung wahr/falsch in assertorischen Kontexten zu arbeiten. Ansonsten handelt man sich den Perspektivismus oder Relativismus von Skeptikern ein. Objektivität und Wahrheit sind auch nicht äquivalent, denn jemand kann objektiv im Sinne von unparteiisch sein und trotzdem etwas Falsches glauben (=etwas glauben, das falsch ist). Pragmatisch gewendet kann man sich auch nur um Objektivität bemühen; man kann sich nicht auf sie berufen.

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Thema: analysis, beliefs, knowledge, reasoning, truth, words | Kommentare (0)

Interpretation

Friday, 2. March 2007 8:26

Eine Interpretation ist eine Deutung, die falsch sein kann, nicht eine Deutung, die von vornherein “nur unsere Interpretation” ist.

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Wahrnehmung

Monday, 29. January 2007 11:05

Es ist immer wieder interessant, wie häufig wir Beobachtungen inclusive gezogener Schlußfolgen in einer Wahrnehmungsterminologie beschreiben, um sie so “dingfest” zu machen. Besonders prominent: Empfindung. So sagt in einem Forum jemand, er empfinde viele “spirituelle Menschen” als Realitätsflüchtlinge. Ein ähnlicher Fall: anstatt zu sagen, man wisse, daß p, sagt man transitiv: “Ich habe p erkannt”; offensichtlich müssen propositionale Zusammenhänge (Merkmal: “daß p”) in gekapselter Dingform “Heim ins Wahrnehmungsreich” verfrachtet werden. Ich glaube jeweils zu wissen, was gemeint ist. Das Problem ist nur: dadurch wird möglicherweise die logische Form unserer Aussagen verdreht, die wir dann mühsam mittels semantischer Analyse wieder freischaufeln müssen (vgl. logische Form versus grammatische Form von Aussagen; grammar lies).

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Thema: analysis, society, speech | Kommentare (0)

Verrechnungsdichte

Friday, 26. January 2007 11:53

Die Verrechnungsdichte im Rahmen intersubjektiver Transaktionen jedweder Art steigt unaufhörlich. Hausfrauen fordern (zurecht) eine Vergütung für bisher unvergoltene hauswirtschaftlichen und erzieherischen Tätigkeiten ein. Man versucht allerorten, späte Leistungserstellung mit früher Rechnungsstellung zu koppeln. Derjenige, der Wartezeiten nicht als entgangenen Gewinn sowie kalkulatorische Kosten verrechnet, mithin keinen Druck ausübt, gilt als kaufmännisch zurückgeblieben und verliert im Vergleich zu seinen Zeitgenossen an ökonomischer Potenz. Deshalb ist eine “Vollkostenrechnung” für jeden potentiellen Geschäftsvorfall angesagt.

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Thema: ecosophia | Kommentare (0)

KOMPREHENSION

Saturday, 20. January 2007 16:39

Ich habe schon Einführungen zur Mengentheorie aufgeschlagen, in denen sinngemäß folgende Merkwürdigkeit stand: Mengenbildung (Komprehension) könne nur mittels Prädikaten erfolgen, die “keimfrei” sind: die Menge der doofen oder hübschen Menschen ließe sich nicht bilden, weil Uneinigkeit darüber herrscht, wer als hübsch oder doof gelten kann. Ich würde sagen: Selbstverständlich lassen sich diese Mengen bilden. Beim einen ist die jeweilige Menge halt nur größer, beim anderen kleiner. Es ist nie eine gute Idee, Verifikationsmöglichkeiten vor Prädikate oder Mengen zu schieben. Logisch ist das nämlich unerheblich.

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Thema: concepts&models, reasoning | Kommentare (0)

ZEIT

Friday, 12. January 2007 15:49

Die Aussage “ich habe keine Zeit” ist eine verdeckte Präferenzaussage. Immer und ausnahmslos. Umformuliert: Andere Dinge sind mir wichtiger.

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Thema: economics | Kommentare (0)

ABSCHIRMUNG

Wednesday, 27. December 2006 11:53

Wenn man den Begriff der “Erfahrung” auffährt, um sich gegen Kritik abzuschirmen, dann sollte man sie auch in entsprechende Aussagen überführen können. Andernfalls ist der Begriff der “Erfahrung” ein rhetorisches Mittel.

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