Aug
04
Saturday, 4. August 2007 18:48
Es gibt eine wahrnehmbare Tendenz zur Funktionalisierung des Denkens. So läßt sich vorstellen, daß man einstmals substantielle Form-Vorstellungen syntaktischer, semantischer oder ontologischer Art dessen hatte, was als “Theorie” gelten kann (oder als “Definition”…). So könnte jemand gesagt haben, daß Theorien Überlegungen sind, die wahrnehmbare Dinge aufführen und einen anderen Tatbestand erklären. Dann war vielleicht aufgefallen, daß man oft nicht sichtbare Dinge benötigt (z.B. Absichten), um Handlungen zu erklären. So erweiterte man den Theoriebegriff. Diesen Vorgang stelle man sich mehrmals vor. Dann bleibt zum Schluß die mächtige, aber blasse Vorstellung übrig, eine Theorie sei etwas, das etwas anderes erklärt. Eine Variable mit einem Erklärungsfunktor. Die eingeschränkteren Formen zerschellen dabei jedesmal an unserem Unwillen, funktionierende oder tragfähige Ansätze aufzugeben. Vom Substanz- zum Funktionsbegriff sozusagen (Cassirer).
Tags: bewerten, erklären, methodologisieren, modellieren, vermessen
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Thema: reasoning, systematics |
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Jun
16
Saturday, 16. June 2007 13:10
“Müssen” ist ein interessanter Modalausdruck. Wenn ihn jemand blind oder schematisch als Ausdruck einer Notwendigkeit liest, dann macht er Fehler. Stellen wir uns zum Beispiel eine Person vor, die zum Bahnhof fährt, um jemanden abzuholen, der sich angekündigt hat. Als der Zug ankommt, sitzt der Gast nicht drin. Unser Abholer sagt nun: “Er muß den Zug verpaßt haben”. Von müssen kann hier keine Rede sein, denn es gibt mehrere Möglichkeiten, warum er nicht im Zug sitzt. Es handelt sich um eine Hypothese.
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Thema: analysis, reasoning, speech |
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May
28
Monday, 28. May 2007 12:18
…of the many individual events that are risings of my arm, some are cases of my raising my arm; and none of the cases of my raising my arm are events that include more than my arm going up. Nothing is added to the event itself that makes it into an action. Why should we think otherwise? No one believes something must be added to a tree to make it an oak.
Donald Davidson: Problems in the explanation of action
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Thema: big points |
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May
20
Sunday, 20. May 2007 12:55
Die Unterscheidung zwischen einer Begründung und einer Rechtfertigung: der Pfaffe fragt den Dieb: “Weshalb sind Sie nur in das Juweliergeschäft eingestiegen?” Der Dieb: “ich wollte es ausrauben”. Das ist nicht das, was der Pfaffe hören wollte; er wollte eine Rechtfertigung.
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Thema: analysis |
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May
19
Saturday, 19. May 2007 18:48
Wäre es wissenschaftlich, philosophisch oder überhaupt reizvoll, gedankliche Strukturgewinnungsmaßnahmen durch “Storytelling” und die Abschilderung von vorüberziehenden Vorgängen in der Realiät zu ersetzen? Nein. Es käme uns recht schnell sehr fade vor. Wir alle möchten diese Vorgänge schon als Instanzen einer Gesetzmäßigkeit oder Regel strukturell unter Dach und Fach bringen. Die Kontrollreichweite steigt dadurch.
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Thema: inquiry, motives, reasoning, systematics |
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Apr
19
Thursday, 19. April 2007 11:35
Bezogen auf die heutige wissensbezogene Großwetterlage ist der Begriff des Charismatikers ebenso albern wie der des Wunders. Beide deuten eigentlich nur an, daß bestimmte Eigenschaften einer Person oder eines Objekts bisher nicht gut erklärt werden konnten. Bisher. Wir kennen einfach zu viele Leute, bei denen eine Verschiebung des Arbeitsspektrums zu sichtbarer Hilflosigkeit führen würde. Von Souveräneität und Charisma bliebe da nicht mehr viel übrig, zumal der Begriff des Charismatikers auf Personenteile eigentlich nicht sinnvoll anwendbar ist.
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Thema: concepts&models, society |
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Mar
13
Tuesday, 13. March 2007 12:57
Ein alter Witz über Psychologen: “Können Sie mir sagen, wo es hier zum Bahnhof geht?” Antwort: “Ich weiß nicht, aber wir können ja mal drüber reden”. Hier wird ein wunder Punkt angesprochen: die Irrelevanz von Motiven und psychischen Zuständen für das Lösen eines Problems. “Ich weiß nicht” wäre die perfekte Antwort gewesen. Denn es gibt einen Bahnhof in der Stadt und er ist irgendwo lokalisiert (die Wahrheit) oder es gibt gar keinen. Beide Antworten wären informativ. “Warum wollen sie überhaupt zum Bahnhof - es ist doch schön hier” würde nerven.
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Thema: analysis, reasoning |
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Mar
13
Tuesday, 13. March 2007 12:04
Die Entwicklung moderner empirischer Theorien läßt sich sehr schön an Chomskys Theoriestationen ablesen. Man lasse Intuitionen hinter sich, führe sie aber ggfs. als Testinstanzen ein, fasse die zu untersuchenden Dinge als empirische Objekte auf und stelle Adäquatheitsforderungen (Beschreibungs- und Erklärungsadäquatheit) in den Raum. Erste Station: Taxonomie (Satzbäume); unbefriedigend; Zweite Station: Transformationensregeln (zwischen Sätzen); nicht hinreichend; Dritte Station: Parametrisierung einer tiefliegenden Prinzipienstruktur anstatt Regeln; dickte Theorie; Vierte Station: Einkochen der Struktur (Minimalistisches Programm); daran wird ersichtlich: Theoretische Terme haben die Funktion, einen Phänomenbestand (der Urteilskraft erfordert) in struktureller Verallgemeinerungsabsicht zu erklären. Der Akteur organisiert sich dabei die Abstraktionslagen über Forschungsperioden hinweg, um eine bestimmte Leistung zu erbringen (hier: erklären). Deswegen ist es Unfug, Abstraktion zu verunglimpfen.
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Thema: analysis, methods, reasoning |
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Jan
31
Wednesday, 31. January 2007 11:51
Die Strategie, bei Verlust körperlicher Schönheit, diese nach “innen” zu verlagern und von “innerer Schönheit” oder “Charakter” zu sprechen, ist zum Scheitern verurteilt. Man macht nämlich keine weitere Aussage über Schönheit, sondern vollzieht einen kruden Themenwechsel. An solchen Aktionen sieht man besonders deutlich, wie geradezu unerträglich uns Einsichten werden können: dann biegen wir die Sachlage bis zur Unkenntlichkeit zurecht. Ist die selbstverordnete Gehirnwäsche dann vollständig, benimmt man sich auch einfacher Erklärungsmöglichkeiten, weshalb man für andere evtl. nicht akzeptabel ist.
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Thema: aesthetics |
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Jan
24
Wednesday, 24. January 2007 14:55
Es gibt heute eine starke Neigung, Erklärungslöcher überall durch die Evolutionstheorie zu stopfen. Angenommen, ich beobachte jemanden dabei, wie er einen 10 Euro-Schein in zwei 5-Euro-Scheine wechselt. Es gibt mit Sicherheit keine evolutionäre “Anlage”, 5-Euro-Scheine von 10-Euro-Scheinen unterscheiden zu können, denn die existieren erst seit ein paar Jahren (”nachgeburtlich”, sozusagen). Solcherlei Unterscheidungen gibt es massenweise. Und der Versuch, alle potentiellen Unterscheidungen ins “Unterbewußtsein” oder in eine “evolutionäre Vorgeschichte” zu schieben, muß ja wohl als absurd abgetan werden.
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Thema: analysis, reasoning |
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