Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:49
Würde man unser alltägliches “In-der-Welt-Sein” phänomenologisch als heideggerschen Orientierungsmodus verstehen wollen, dann müßten wir von einer “taktischen Temperiertheit” sprechen. Es wäre ein Fehler, das “verlogen” zu nennen; es ist einfach nur ein in Gleichgewichten zu beschreibender Balanceakt zwischen Fordern und Zügeln, Investieren und (Er)sparen, Positionieren und Vermeiden, Exponieren und Verdecken.
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Jun
07
Thursday, 7. June 2007 12:16
Bevor eine ideale vernünftige Person P die Bedürfnisse anderer erfüllt, wird sie immer überlegen, ob es Sinn macht - ob sie möchte - daß das jeweilige Bedürfnis überhaupt erfüllt wird. Niemand muß die Bedürfnisse anderer erfüllen. Vielleicht wird ja eine Lebensform oder “Kultur” gestützt, deren Existenzberechtigung unser vernünftiger Agent eigentlich bezweifelt. Deswegen prüft er normalerweise.
Der realexistierende Verkäufer indessen, der unter Konkurrenzbedingungen handelt - läßt diesen Vorgang aus. Mit Ausnahme vielleicht von Sittenwidrigkeiten bearbeitet er “professionell” alles, was betriebswirtschaftlich Sinn macht (man könnte beinahe von einer marktwirtschaftlichen Variante des ”Befehlsnotstands” sprechen).
In diesem Zusammenhang kommt dem realexistierenden Verkäufer der Subjektivismus und Relativismus unserer Zeit entgegen. Er sagt dann kleinmütig: “Ich maße mir nicht an, über den Wert von Zielen anderer zu urteilen”. Das kommt an, weil das bescheiden daherkommt.
Verkäufer sind nicht das Maß der Dinge - aus Rationalitätsgründen. Das Prüfmodul wird nämlich außer Kraft gesetzt. Die Berufsidee eines Verkäufers beruht auf einer Persönlichkeitsanomalie: denn von einem guten Verkäufer wird erwartet, daß er alles mögliche an alle möglichen Leute verkaufen kann. Das tut ein vernünftiger Agent aber nicht.
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May
21
Monday, 21. May 2007 10:31
Um die Aussagen anderer Personen zu verstehen ist es nicht notwendig, daß man dieselben Wörter verwendet. Ansonsten wäre das Verstehen einer Fremdsprache nicht möglich. Das Verstehen (im linguistischen Sinn) beruht auf etwas schwächerem: auf dem Umstand, daß Wörter auf andere Wörter “gemappt” werden. Save the structure and you save all. Deswegen ist es etwas mißverständlich, zu sagen, man verstehe sich gut, weil “man dieselbe Sprache spricht”. Nur eine Person garantiert ein “homophones Übersetzungsmanual”: man selbst.
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May
21
Monday, 21. May 2007 9:52
Man ist geneigt, eine Person P, die im Rahmen ihrer Überzeugungen und Präferenzen folgerichtig handelt, als rational einzustufen. Sie handelt konsequent innerhalb “ihres Systems”. Was aber, wenn gezeigt werden kann, daß sie sich die ein oder andere Überzeugung “schlampig” angeeignet hat oder an nahe liegender Stelle eigentlich hätte “nachhaken” müssen? Dann ist der Vorgang der Überzeugungsfestlegung nicht richtig abgelaufen - selbst dann, wenn die Überzeugung zutrifft. Sollte man jetzt dazu übergehen, rational durch nicht-rational oder andere privative Ausdrücke (irrational dürfte zu stark sein) zu ersetzen? Radikalisiert man das weiter, so wäre nur der rational, der wasserdichte Überzeugungen hat. Wahrheit wäre dann eine notwendige Bedingung für Rationalität, weil es keinen Haltepunkt für den Abbruch der Ermittlungsform gäbe.
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May
20
Sunday, 20. May 2007 12:55
Daß wir nichts verändern können, kann natürlich nicht wörtlich genommen werden. Seit meinem Aufstehen heute habe ich sehr viele Dinge getan, die den Zustandsraum um mich herum verändert haben. Die Zahnbürste hat sich nocht etwas mehr abgenutzt, im Marmeladenglas ist weniger drin, ich habe ein Buch ein eine andere Ecke gelegt. Vielleicht stolpere ich demnächst über dieses Buch und ziehe mir eine Verletzung zu. Der Umgang mit anderen Personen ist eine schlichte Fortsetzung dieses “Beeinflussungskontinuums”. Dazu gehört die Verdeckung dieses eigensinnigen Verhaltens durch Aufforderung zur Authentizität im übrigen auch. Wenn man dies weiß und anderen derartiges Verhalten auch zuschreibt, bleibt wenig Raum für Skrupel.
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Apr
16
Monday, 16. April 2007 17:21
Die Idee eines vollständigen Unternehmers sieht eine Person vor, die sämtliche geschäfts- und erwerbsrelevanten Parameter mit Werten bestückt. Er betreibt alles selbst vom Einkauf bis zur Werbung. Maximaler Freiheitsgrad. Skaliert man diese Bereiche seines Tuns, so kann es sein, daß er einige Felder mit dem Wert 0 aufweist (er kümmert sich um bestimmte Dinge nicht oder delegiert). Das rührt aber nicht daher, daß er sich von bestimmten Aufgaben von vornherein entlastet sieht (wie bei Angestellten, Beamten u.dgl.). Bei ihm gilt: jeder Fehltritt kann sich beim Geschäftserfolg auswirken. Er lebt “in der Entscheidung”, denn man muß sich ihn als jemanden vorstellen, der alles wählt. Ein “Unterbewußtsein” oder “Unbewußtsein” gibt es aus methodologischen Gründen bei ihm nicht. Ob es eine derartige Person realiter gibt oder geben kann, ist genauso unerheblich wie die Frage, ob “vollständig informierte Marktagenten” gibt oder geben kann.
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Mar
13
Tuesday, 13. March 2007 12:57
Ein alter Witz über Psychologen: “Können Sie mir sagen, wo es hier zum Bahnhof geht?” Antwort: “Ich weiß nicht, aber wir können ja mal drüber reden”. Hier wird ein wunder Punkt angesprochen: die Irrelevanz von Motiven und psychischen Zuständen für das Lösen eines Problems. “Ich weiß nicht” wäre die perfekte Antwort gewesen. Denn es gibt einen Bahnhof in der Stadt und er ist irgendwo lokalisiert (die Wahrheit) oder es gibt gar keinen. Beide Antworten wären informativ. “Warum wollen sie überhaupt zum Bahnhof - es ist doch schön hier” würde nerven.
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Jan
29
Monday, 29. January 2007 9:52
These: Der gehaltvolle Teil von Überzeugungen und Überlegungen liegt im Entdeckungszusammenhang (context of discovery) und nicht im Begründungszusammenhang (context of justification) beschlossen. In ersterem ist niedergelegt, “wie jemand auf etwas kommt”. Viele interessante Entdeckungen in der Mathematik wurden gemacht, bevor es mengentheoretische Axiomatisierungen zu deren Systematisierung gab (”Strukturmathematik”).
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Jan
25
Thursday, 25. January 2007 14:27
Angesichts eines endlichen Lebens, ubiquitärer Konkurrenz und der vernünftigen Preisgabe jedweder Überlegungen zur “Heilsgewißheit” kann das je eigene Leben als eine große individuelle Verrechnungsleistung unter Knappheitsbedingungen aufgefaßt werden. Rechnungen gehen besser oder schlechter auf. Dadurch rücken Investitions- und Buchungsüberlegungen hinsichtlich des je eigenen energetischen Haushalts in den Vordergrund. Kurzum: die Lebensführung hat vernünftigerweise eine ökonomische Fundamentalform.
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Jan
08
Monday, 8. January 2007 15:09
Wenn wir den Ausdruck “Emotionale Intelligenz” großzügig so deuten, daß es sich um die Fähigkeit handelt, die Gefühlstopologie anderer Personen zu orten und zu vermessen, so wird schlagartig klar, daß über den Gebrauch dieses “Wissens” nichts gesagt wird: es ist ein Fehler zu glauben, dahinter verberge sich notwendigerweise Humanismus, nur weil dieses Wissen als “Hineinversetzen in” oder “Empathie” verklausuliert wird. Die Wahrheit: es geht um die Berechnung des emotionalen Haushalts des Gegenüber. Wenn man darüber etwas auskundschaftet, kann man es auch dazu verwenden, Druck auszuüben oder “Schwachstellen” gezielt zu bearbeiten. So wird es in Geschäftsprozessen auch eingesetzt werden: als Mittel zum Zweck.
Emotionale Intelligenz heißt, daß man Emotionen durch Beobachten und Schließen ausspäht. Es heißt nicht, daß die Intelligenz selbst emotional ist. Man kann kühl feststellen, daß jemand betrübt ist. Dazu muß man nicht selbst betrübt sein.
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