Kumulativ

Tuesday, 2. September 2008 21:13

Wenn man den Befürwortern “lebenslangen Lernens” manchmal so zuhört, dann drängt sich einem ein kumulativer Wissensbegriff, eine zeitliche Anhäufung von Wissen auf. Tatsache ist doch aber, dass große Teile unserer geistigen Orientierung “Bereinigungsaktionen” sind. Wir schmeißen Gelerntes hinaus, weil es sich als unnütz, untauglich, falsch oder dergleichen herausstellt.

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Logische Redeweise

Wednesday, 2. January 2008 17:11

Anstatt von logischen Begriffen zu sprechen sollte man vielleicht besser den Ausdruck “logische Redeweise” gebrauchen. Ein wesentliches Merkmal dieser Redeweise ist es, dass sie keinerlei Aussage darüber macht, wer oder was eine sprachliche Form erfüllt, sondern sich mit einer Kennzeichnung begnügt: dasjenige, das eine Form erfüllt, ist automatisch ein Element einer Menge, “über” die geredet wird.

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Mitschwimmen

Wednesday, 15. August 2007 12:20

Von dem Aachener Philosophen Geert Keil stammt der Satz: »Aufgabe der Philosophie ist nicht, auf der sicheren Seite zu sein, sondern herauszufinden, wie es sich tatsächlich verhält«. So isses. Man könnte noch hinzufügen: Es ist auch nicht deren Aufgabe, sich gegen etwas zu stellen - das Leben “als anderer” oder das Leben in der Revolte (”Wehren” als Lebensform; man kennt das aus der Frankfurter oder Teilen der “Französischen” Schule). Dem liegt eine verquere Vorstellung vom “Kritischen” zugrunde. Philosophie - richtig verstanden - ist unterkühlt und unabhängig von Solidaritätsadressen jeder Couleur. Sich gemein machen gilt nicht. Eine Solidaritätsadresse wäre es im übrigen auch, sich im Kompromißraum der “Mitte” aufzustellen. Sondern: man stellt sich schlicht dorthin, wo es die Überlegung erfordert. Insofern ist Philosophie politikfrei und ohne Fraktionszwang. Das schließt nicht aus, daß man genau zu den Ergebnissen gelangt, die eine andere Gruppe vertritt. Ausgeschlossen ist aber, daß man zu bestimmten Resultaten kommt, um dabei zu sein. Vielmehr handelt es sich um ein zufälliges Zusammenfallen der Ansichten, die sich oft hinsichtlich der Begründungsart noch einmal unterscheiden. Alles andere ist tendenziös.
Keils Charakterisierung - so richtig sie ist - muß aber noch erweitert werden, weil sie sich nur auf Doxastik (”was ist der Fall”) und nicht auf die praktische Philosophie bezieht (”was ist zu tun”). Ein Philosoph, der letzteres nicht bedient, ist intellektuell halbseitig gelähmt. Damit ist nicht “Umsetzung” gemeint, sondern der geschickte Gebrauch von Hirn zu Handlungszwecken. Im praktischen Bereich kommen Urteilskraft, Klugheit, Intelligenz und Rationalität im allgemeinen ins Spiel (”welche Züge mache ich aus welchen Gründen unter welchen Umständen?”). Es kann nicht sein, daß - wie oft anzutreffen - Philosophen überlegte Maßnahmen zur Überzeugungsfestlegung (”fixation of belief”) ergreifen, aber schwach in praktischen Kalkülen sind. Das erfordert eine weit größere gedankliche Abgeschlossenheit (ich nenne das “intellectual closure”) als das bloße Wirken eines Wissenschaftlers, der sich dann von der Ehefrau/dem Ehemann/dem Lebensgefährten am Gängelband des Geschlechtstriebs führen oder sich vom Chef sagen läßt, wo im Leben “tatsächlich” oder “eigentlich” der Hammer hängt (z.B. auf dem “Markt”). Ein reines Erfüllungsgehilfendasein muß dem Selbstverständnis eines tauglichen Philosophen zuwiderlaufen, denn es geht um Deutungshoheit. Er übernimmt bisweilen, imitiert aber nie. Wo die Gebrauchsdimension (”das Pragmatische”) nicht ausgefüllt wird, bekommt man die üblichen gebildeten, belesenen Witzfiguren zu sehen, die so fürchterlich unzeitgemäß und unbeholfen wirken. Und reines Distanzboxen ohne Punch a la Henry Maske wirkt unsexy. In nuce: der Output sollte schon eine Form revisionsfähiger Persönlichkeit sein - eine notwendige Bedingung für beratende Tätigkeiten alle Art.

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Thema: analysis, general | Kommentare (0)

Schema

Wednesday, 15. August 2007 7:04

Der Ausdruck “Schema” ist erkenntnistheoretisch völlig bedeutungslos (”er betrachtet dies und jenes unter dem Stereotyp F”). Man braucht niemanden darauf aufmerksam zu machen, daß er eins benutzt oder das es historisch oder kulturell andere gibt. Uns interessiert ja nur, ob “das Schema” greift.

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Thema: knowledge, truth | Kommentare (0)

„Einstellungen“

Wednesday, 15. August 2007 6:56

Wir werfen gerne mit Einstellungsprädikaten wie “skeptisch”, “realistisch”, “optimistisch” um uns, um Dispositionen von Personen zu markieren. Das ist Psychologie oder aber die Umgehung sprachlicher Redundanzen, denn nichts hängt von dieser Zuschreibung ab. Man tut so, als hinge Sinn und Verstand von Überzeugungen und Handlungen von ihnen ab. Das ist Humbug. Entweder der Gedanke greift, oder er greift nicht.

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Thema: reasoning, truth, words | Kommentare (1)

Verwaltung

Saturday, 11. August 2007 15:19

Wenn man sich über den Status philosophischer Sätze im unklaren ist, - wenn man nicht weiß, ob es sich um analytische oder synthetische Sätze handelt (vgl. Kant) - dann macht man vermutlich keinen Fehler, Philosophie als Verwaltungstätigkeit aufzufassen. Überzeugungen, Konzepte in ihrer Gesamtheit + deren Verknüpfungen (web of belief) werden verwaltet. Ob das Mehrwert zutage fördert kann dann im Sinne eines Unternehmens beantwortet werden, das sich fragt, ob Verwaltungstätigkeiten wie “Rechnungen schreiben” oder “Buchhalten” im Verhältnis zur “Produktion” Mehrwert schafft. 

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Thema: analysis, concepts&models, ecosophia | Kommentare (1)

Authentizität 2

Sunday, 22. July 2007 13:39

Manchmal kommt es vor, daß sich Personen das Prädikat “authentisch” zuschreiben können, weil sie viel großzügigere Kriterien und Zählprinzipien verwenden (manche Dinge werden gar nicht gezählt). Das kann dann in Anlehnung an Watzlawick dazu führen, daß man eo ispo gar nicht mehr “inauthentisch” sein kann, weil nichts mehr darunter fallen würde. Wir würden als offene Bücher der Natur durch die Welt spazieren. Wer glaubt dies ernsthaft?

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Thema: analysis, motives | Kommentare (0)

Tiefe

Tuesday, 17. July 2007 13:14

Es ist viel wichtiger, viele zutreffende Aussagen im eigenen Überzeugungsportfolio herumzutragen als “tiefe”. Von Wittgenstein wird kolportiert (Stelle ist mir nicht bekannt), er hätte im Vergleich Kant-Schopenhauer gesagt, bei letzterem sehe man “schneller auf den Grund”. Umso schlimmer für Kant, denn Schopenhauer hat bisweilen erstaunlich präzise beobachtet und formuliert (daran ändert auch der Umstand nichts, daß das bestimmten Bevölkerungsgruppen nicht gefällt). Das Ausspielen von Oberflächlichkeit und Tiefe treibt manchmal merkwürdige Blüten.

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Thema: analysis, beliefs, concepts&models | Kommentare (0)

Schlagkraft

Monday, 16. July 2007 9:03

Das Erstaunliche in der Theorieentwicklung der vergangenen Jahrhunderte scheint mir zu sein, daß eine Absenkung der Erkenntnisansprüche zu einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Schlagkraft geführt hat. Wir denken “in terms of” Hypothesen, anstatt Evidenzen, in Korrelationen als defizientem Modus von Kausalität, sind uns des Setzungscharakters von Axiomen bewußt und verfügen über eine vorsichtigere Forschung in der Formalen Logik (es ist nicht “logisch” so, daß ein losgelassener Stein nach unten fällt); generelle Hypothesen folgen nicht aus Beobachtungen und selbst die sogenannten “Basis- oder Protokollsätze” beargwöhnen wir. Die Fortschritte in Technik, Medizin o.ä. dokumentieren dies.

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Thema: concepts&models, inquiry, methods | Kommentare (0)

Jargon des Wesentlichen

Monday, 16. July 2007 8:19

Die Maxime, man solle auf das “Wesentliche” achten, ist häufig nahezu leer, weil ex post. Der Pragmatiker, der sich dynamisch in ein Handlungsfeld mit Zukunft hineinoperierend wahrnimmt, weiß ja häufig gar nicht, welche Weltattribute die wesentlichen sind oder was eine Indikator für etwas anderes per Gesetzesartigkeit ist; oft kennt er ja noch nicht einmal das Problem. Wenn eine Polizeistreife an einem korrekt geparkten weißen Auto gegenüber einer Sparkasse vorbeifährt, das sich später als Fluchtauto bei einem Bankraub herausstellt, hat der Polizeibeamte dann einen Fehler gemacht, weil er sich das Nummernschild des unauffälligen Autos (das Wesentliche der Identifikation) nicht gemerkt hat?

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