Verkaufsanomalie
Thursday, 7. June 2007 12:16
Bevor eine ideale vernünftige Person P die Bedürfnisse anderer erfüllt, wird sie immer überlegen, ob es Sinn macht - ob sie möchte - daß das jeweilige Bedürfnis überhaupt erfüllt wird. Niemand muß die Bedürfnisse anderer erfüllen. Vielleicht wird ja eine Lebensform oder “Kultur” gestützt, deren Existenzberechtigung unser vernünftiger Agent eigentlich bezweifelt. Deswegen prüft er normalerweise.
Der realexistierende Verkäufer indessen, der unter Konkurrenzbedingungen handelt - läßt diesen Vorgang aus. Mit Ausnahme vielleicht von Sittenwidrigkeiten bearbeitet er “professionell” alles, was betriebswirtschaftlich Sinn macht (man könnte beinahe von einer marktwirtschaftlichen Variante des ”Befehlsnotstands” sprechen).
In diesem Zusammenhang kommt dem realexistierenden Verkäufer der Subjektivismus und Relativismus unserer Zeit entgegen. Er sagt dann kleinmütig: “Ich maße mir nicht an, über den Wert von Zielen anderer zu urteilen”. Das kommt an, weil das bescheiden daherkommt.
Verkäufer sind nicht das Maß der Dinge - aus Rationalitätsgründen. Das Prüfmodul wird nämlich außer Kraft gesetzt. Die Berufsidee eines Verkäufers beruht auf einer Persönlichkeitsanomalie: denn von einem guten Verkäufer wird erwartet, daß er alles mögliche an alle möglichen Leute verkaufen kann. Das tut ein vernünftiger Agent aber nicht.
Tags: bewerten, investieren, kalkulieren, kontrollieren, manipulieren, taxieren, unternehmen, verkaufenVerwandte Artikel
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