Praktische Überzeugungen

Wednesday, 27. August 2008 14:02

Epistemische Überzeugungen beziehen sich auf Sachverhalte/Tatbestände in der Welt (”Es schneit”). Praktische Überzeugungen beziehen sich auf Handlungen. Eine praktische Überzeugung wäre: “Ich bin der Überzeugung, dass wir die Pendlerpauschale wieder einführen sollten, weil…” Bei diesem Idiom kann man natürlich nicht davon sprechen, dass der Teil, der mit “weil” beginnt, einen Wahrheitswert hat (”es ist wahr, dass die Pendlerpauschale eingeführt werden sollte” ist sinnlos; hier greift Rationalität, nicht Wahrheit).
Diese Unterscheidung ist nicht zu verwechseln mit der zwischen “theoretisch” und “praktisch”, denn “Es schneit” ist ja kein besonders “theoretischer” Satz.

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Thema: general | Kommentare (0)

Symbolischer Raum

Wednesday, 26. September 2007 10:10

Die Rede von “Räumen” hat sich ja bewährt. So ist jede Person Träger eines erweiterbaren, dynamischen Überzeugungsraums (die Elemente sind Überzeugungen, Propositionen). In gleicher Weise nimmt jede Person einen symbolischen Raum (Raum der verfügbaren Zeichen und Darstellungsmittel) in Beschlag, der ebenfalls erweiterbar und dynamisch ist (man könnte von symbolischen Zeitscheiben - slices - sprechen). Zu diesem Zustandsraum gehören Französisch-Kenntnisse oder der Gebrauch musikalischer Notation genauso wie Kenntnisse in der Programmiersprache Java, der Modellierungssprache UML oder Kenntnisse in algebraischen Strukturen. Die üblichen Zuordnungen in “geisteswissenschaftlich” oder “naturwissenschaftlich” sind dabei – pragmatisch - gegenstandslos. Je mächtiger der verfügbare Sprachrahmen, desto bessere Artikulations- und Durchsetzungschancen hat der Akteur – allerdings nur in Kombination mit einem wasserdichten Überzeugungsraum. Und in den Überzeugungen liegt die Erdung, weil man symbolisch spintisieren kann.

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Thema: general, speech | Kommentare (0)

Schema

Wednesday, 15. August 2007 7:04

Der Ausdruck “Schema” ist erkenntnistheoretisch völlig bedeutungslos (”er betrachtet dies und jenes unter dem Stereotyp F”). Man braucht niemanden darauf aufmerksam zu machen, daß er eins benutzt oder das es historisch oder kulturell andere gibt. Uns interessiert ja nur, ob “das Schema” greift.

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Thema: knowledge, truth | Kommentare (0)

Funktion

Saturday, 4. August 2007 18:48

Es gibt eine wahrnehmbare Tendenz zur Funktionalisierung des Denkens. So läßt sich vorstellen, daß man einstmals substantielle Form-Vorstellungen syntaktischer, semantischer oder ontologischer Art dessen hatte, was als “Theorie” gelten kann (oder als “Definition”…). So könnte jemand gesagt haben, daß Theorien Überlegungen sind, die wahrnehmbare Dinge aufführen und einen anderen Tatbestand erklären. Dann war vielleicht aufgefallen, daß man oft nicht sichtbare Dinge benötigt (z.B. Absichten), um Handlungen zu erklären. So erweiterte man den Theoriebegriff. Diesen Vorgang stelle man sich mehrmals vor. Dann bleibt zum Schluß die mächtige, aber blasse Vorstellung übrig, eine Theorie sei etwas, das etwas anderes erklärt. Eine Variable mit einem Erklärungsfunktor. Die eingeschränkteren Formen zerschellen dabei jedesmal an unserem Unwillen, funktionierende oder tragfähige Ansätze aufzugeben. Vom Substanz- zum Funktionsbegriff sozusagen (Cassirer).

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Thema: reasoning, systematics | Kommentare (0)

Tiefe

Tuesday, 17. July 2007 13:14

Es ist viel wichtiger, viele zutreffende Aussagen im eigenen Überzeugungsportfolio herumzutragen als “tiefe”. Von Wittgenstein wird kolportiert (Stelle ist mir nicht bekannt), er hätte im Vergleich Kant-Schopenhauer gesagt, bei letzterem sehe man “schneller auf den Grund”. Umso schlimmer für Kant, denn Schopenhauer hat bisweilen erstaunlich präzise beobachtet und formuliert (daran ändert auch der Umstand nichts, daß das bestimmten Bevölkerungsgruppen nicht gefällt). Das Ausspielen von Oberflächlichkeit und Tiefe treibt manchmal merkwürdige Blüten.

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Thema: analysis, beliefs, concepts&models | Kommentare (0)

Schlagkraft

Monday, 16. July 2007 9:03

Das Erstaunliche in der Theorieentwicklung der vergangenen Jahrhunderte scheint mir zu sein, daß eine Absenkung der Erkenntnisansprüche zu einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Schlagkraft geführt hat. Wir denken “in terms of” Hypothesen, anstatt Evidenzen, in Korrelationen als defizientem Modus von Kausalität, sind uns des Setzungscharakters von Axiomen bewußt und verfügen über eine vorsichtigere Forschung in der Formalen Logik (es ist nicht “logisch” so, daß ein losgelassener Stein nach unten fällt); generelle Hypothesen folgen nicht aus Beobachtungen und selbst die sogenannten “Basis- oder Protokollsätze” beargwöhnen wir. Die Fortschritte in Technik, Medizin o.ä. dokumentieren dies.

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Thema: concepts&models, inquiry, methods | Kommentare (0)

Theoriedesign

Monday, 16. July 2007 8:03

Der Ausdruck stammt von Luhmann. Theorien werden angelegt und kultiviert wie Gärten. Es gibt da zwei Großtypen: Identitäts- und Differenzkalküle. Der Identitätstheoretiker schaut auf die gemeinsamen normativen Standards, die unterschiedenen “Systemen” zugrundeliegen (Rationalitätskern), der Differenztheoretiker die vielen unterschiedlichen “Eigenroutinen” der Systeme. Habermas und Luhmann. Differenzkalküle sind sicher die besseren “Starter”, weil sie weniger voraussetzen. Das Prekäre ist nur, daß damit die Zugreifbarkeit der Systeme untereinander von vornherein unterbunden wird, nur weil das Modell es so vorsieht. Die Barrieren werden unter Rückgriff auf “Sprachspiele” mitunter sogar zu Verständnisbarrieren gesteigert (Postmoderne). Wie muß man ein Design wählen, um differentiell beginnend derartige modellbedingten Artefakte und Präjudize nicht entstehen zu lassen?

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Thema: analysis, concepts&models, methods | Kommentare (0)

Anlagevermoegen

Saturday, 16. June 2007 11:11

Buchungstechnisch beschreiben die Anlagen und Verhaltenstendenzen einer Person dessen Anlagevermögen. Es formuliert die Kontenwerte für dessen “Betriebsbereitschaft”; wie beim Original der Buchführung (Inventar, Bilanz: Aktivaseite) kann dieses Vermögen nach “Flüssigkeit” angeordnet werden, nämlich nach der Fähigkeit, es in liquide Zahlungsmittel umzuwandeln. Nur so kann ja wieder bezahlt werden.

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Thema: ecosophia | Kommentare (0)

Reduktion

Tuesday, 22. May 2007 13:17

Die Redeweise der “Reduktion von Komplexität”, wie sie im Anschluß an Luhmann gerne zitiert wird - mittlerweile Teil des gehobenen Sprachgebrauchs - leistet nicht viel. Eine eingebaute Kontingenz- und Selbstrelativierungsformel, die auf den Eigensinn eines Systems bezogen wird und pragmatisch leerläuft (denn eine Entscheidung wird aufgrund dessen getroffen, was man eben gerade weiß). Falsifiziert oder entwertet sie automatisch das, was ich denke? Nein. Es ist eben Soziologie.

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Thema: analysis, beliefs, concepts&models | Kommentare (0)

Richtig

Saturday, 19. May 2007 18:29

Im Alltagssprachgebrauch verwenden wir das Wort “richtig” als Gegenteil von wahr einerseits und unrichtig/inkorrekt andererseits. Im ersten Fall zur Charakterisierung von Falschheiten im anderen zur Kennzeichnung von Rationalitätsdefiziten. Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun. Deswegen passiert es auch so oft, daß Personen den Umstand, daß wir “Modelle” verwenden, als Zutrittsbarriere zur Realität auffassen. Ein Modell muß aber nur in sich stimmig/richtig sein. Fall 2.

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Thema: analysis, reasoning, truth, words | Kommentare (0)