May
07
Monday, 7. May 2007 13:38
Was wir benötigen - und was in der Philosophiegeschichte nur zum Teil oder gar nicht systematisch angegangen wurde - ist eine Gebrauchstheorie des Verstandes. Eine endliche, erweiterbare Liste von Verfahrensweisen, die uns nahelegt, in Situationen vom Typ X bewährte Ressourcen vom Typ Y zu mobilisieren. “Regulae ad directionem ingenii” sozusagen, die uns wie Messer und Gabel zur Verfügung stehen und über deren Einsatz der Akteur souverän entscheidet. Diese Anweisungsfragmente würden ohne expliziten Rückgriff auf die Computermetaphorik (es bringt - praktisch gesehen - nichts, sich selbst als die Software des Computers aufzufassen) als Verwendungsmodule eingeführt und enthielten von sich aus auch keine Verweise auf das Leib-Seele-Problem. Den Kern dieses Unterfangens würde eine “Gebrauchstheorie des Nutzens” ausmachen. Nur so könnten sich professionelle Philosophen des Einwands entschlagen, sie produzierten intellektuelle Halden ohne praktischen Punch. Außerdem wäre dem “Primat der praktischen Vernunft” Folge geleistet, ohne Moral eine Sonderrolle zuzugestehen. Moralische Urteile werden zu einem Teil unseres Arsenals.
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Thema: concepts&models, methods, systematics |
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Apr
22
Sunday, 22. April 2007 11:09
Probleme sind Aufgaben, die sich einem stellen. Im Grunde gibt es nur konstruktive Aufgaben; man benötigt sogenannte “Analysen” als eigene Kategorie nicht. Analysen sind konstruktive Aufgaben, bei der ein Zusammenhang nach einem bestimmten Gesichtspunkt geordnet wird. Dazu muß Hand angelegt und müssen Methoden gebraucht werden. Alles Konstruktionsleistungen. Daraus folgt aber nicht, daß die Ergebnisse “virtuell” wären. Konstruktionen färben nicht auf die Produkte ab. Darin besteht unser Realismus.
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Thema: analysis, concepts&models |
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Apr
15
Sunday, 15. April 2007 10:47
Prädikate können aufgefaßt werden wie die Bildungsvorschrift mathematischer Formelausdrücke; sie haben einen ökonomischen Sinn: man muß extensional nicht alle Werte hinschreiben; all die Dinge, die unter das Prädikat fallen, kennt man ja schließlich auch nicht. Der Bildungsvorschrift entspricht das, was man in der formalen Semantik die “logische Form” nennt. Selbstverständlich können in dieser Form Konstanten vorkommen.
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Mar
14
Wednesday, 14. March 2007 13:24
“Machen Sie sich von Ihren Denkschablonen frei” ist kein Argument, denn es wird nicht gezeigt, was an der Schablone falsch ist. Wenn dann entgegnet wird, daß wir alle nur Schablonen “als Brillen” hätten, dann hat auch der eine Brille, der dazu auffordert, Schablonen abzulegen. Er muß dann schon einen privilegierten Zugang zur Realität für sich in Anspruch nehmen. Mit welchem Recht? Nun, er könnte pragmatisch sagen: “Es gibt bessere und schlechtere Schablonen”. Und da liegt auch die Lösung: denn das heißt nichts anderes als: manche verfügen halt über einen besseren intellektuellen Gesamthaushalt als andere und verfügen über schlagkräftige Mittel. Jetzt kann man nur keinen Egalitarismus mehr vertreten. Macht aber nichts. Er muß es eben für sich behalten, denn Quietismus gehört mit zur Strategie.
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Thema: arguments |
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Mar
02
Friday, 2. March 2007 8:26
Eine Interpretation ist eine Deutung, die falsch sein kann, nicht eine Deutung, die von vornherein “nur unsere Interpretation” ist.
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Thema: analysis |
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Feb
21
Wednesday, 21. February 2007 9:55
Philosophische Positionen, die gerne damit arbeiten, Aussagen seien (sozial) konstruiert, haben keine Durchschlagskraft. Denn - ob konstruiert oder nicht - über die Wahrheit oder Falschheit dieser Aussagen folgt daraus nichts. Und daß Aussagen “irgendwie” in die Welt kommen, stand ja noch nie zur Debatte. Es ist generell unklug, eine erkenntnistheoretische Position vor eine logisch-semantische als “Klammer” zu ziehen.
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Feb
13
Tuesday, 13. February 2007 6:25
Wer sich in Foren herumtreibt, wird nicht übersehen, daß große Teile des gehobenen Bildungsstandes vom radikalen Konstruktivismus (Erkenntnistheorie) infiziert sind. Man stellt sich ein System oder einen Agenten vor, der einer komplexen Welt gegenübersteht und diese durch Ausblendung in einer Abstraktionsrichtung “reduziert”. Das mag schon sein. Aber nichts von dieser “Relativierung” entraubt den Agenten der Möglichkeit, absolut wahre Aussagen zu formulieren. Greife ich aus der Welt, in der die Dinge “zusammenhängen” mein Auto heraus und prädiziere von ihm die Farbe “blau”, so ist das wahr oder falsch. Es ist vermutlich immer ein Fehler, eine erkenntnistheoretische Position vor die Wahrheitstheorie zu schieben. Unser “Zugang” zur Realität ist so direkt, wie er nur sein kann. Das Problem besteht nicht darin, prinzipiell wahre Aussagen zu formulieren, sondern darin, optimale Beobachtungskonstellationen und Indizienketten herzustellen. Das sollte uns aber nicht dazu animieren, den Wahrheitsbegriff selbst zu relativieren.
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Jan
29
Monday, 29. January 2007 9:27
Daß ein Bild mehr sage als tausend Worte ist vermutlich nur ein ex-post-Effekt. Wenn wir schon genug wissen, dann kann man das Bild als eine Art Bündelung vieler distinkter Aussagen auffassen. Vorher nicht. Die gedankliche Rasterung stellt sich nicht mit der Wahrnehmung, sondern mit feinkörnigen Aussagen über dieses Bild ein.
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Thema: aesthetics, words |
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Jan
26
Friday, 26. January 2007 19:40
Only invariances are “facts of the matter”.
Donald Davidson; Truth, Language and History, p.316
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Thema: big points |
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Jan
12
Friday, 12. January 2007 12:03
“Ockhams Razor” (Fassung: entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem) wird manchmal als Zählprinzip aufgefaßt. Es weist uns an, Dinge, (dasselbe Ding), das unter verschiedenen Beschreibungen zugänglich ist, nur einmal zu zählen. So darf man bei einem Versicherungsfall (z.B. Brand) das Objekt “Klavier” ja nicht als “Klavier”, “Erbstück”,…mehrfach deklarieren: 1 Objekt. In manchen Fällen greifen wir aber auf die Beschreibungen zurück: Wenn jemand aufgrund von Leistungsmangel entlassen wird, so zählen wir nur die beschriebene Funktion (”ein schlechter Verkäufer”), würden uns aber davor hüten, andere Mängel von demselben Objekt in Verallgemeinerungsabsicht auszusagen (z.B. “ein schlechter Automechaniker”); in manchen Fällen scheint es mir sogar unklar zu sein, wie man zu zählen hat: Angenommen, ein Einbrecher hat den Mann einer Frau bei seinem Delikt erschossen und wird gefaßt. Verhandlung. Die Frau möchte eine möglichst hohe Haftstrafe (5 mal lebenslänglich) erreichen und argumentiert: Er hat zwar nur einen Mann umgebracht, aber 5 Funktionen: “mein Mann war Einkommensquelle, Vater, angesehener und einflußreicher Bürger, Liebhaber und mein persönlicher Psychotherapeut.” Sie ist dafür, die Funktionen zu zählen, die über verschiedenen Beschreibungen zugänglich sind. Sie könnte geltend machen, daß ab jetzt all diese Funktionen bezahlt werden müssen: sichtbar an Überweisungen.
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Thema: concepts&models, reasoning |
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