Naturalismen

Friday, 27. April 2007 14:03

Angenommen, jemand anders hat bei Handlungs- und Orientierungsentscheidungen meinerseits immer eine naturalistische Parallelgeschichte parat: er redet von meinen Hormonen, Synapsen, biochemischen Vorgängen, Adrenalin usw., die meinem Tun ständig zugrundeliegen (tokens). Welche Rolle spielt diese Rede für meine Entscheidung selbst (man denke an eine Wahlentscheidung, z.B. Berufswahl)? Antwort: Keine, nicht einmal bei Handlungsentscheidungen, die selbst auf die Manipuliation meiner körperlichen Zustände gerichtet sind (z.B. wenn ich vorhabe, Vitaminpillen, Wasser oder Joghurts zu mir zu nehmen, weil ich meine Fitness beeinflussen möchte). So könnte er meinen erschlafften körperlichen Zustand bemerken, dies mit Unterzuckerung in Zusammenhang bringen und mir raten, einen Schokoriegel einzuschmeißen. Oder er könnte mir empfehlen, während des Marathons fleißig zu trinken und auch mal eine Banane zu essen. Die Vernünftigkeit dieser Maßnahmen hängt zwar vom Wissen über körperliche Zustände ab, aber nicht von den körperlichen Zuständen selbst. Epistemischer Kontrast.

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Psychologie

Friday, 2. March 2007 16:54

Es gibt drei zentrale psychologische Einstellungen, die ein rationaler Akteur mitbringen sollte: Konzentrationsfähigkeit, Coolness und umsichtige Geistesgegenwart.

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Knowledge

Monday, 29. January 2007 10:09

Das Ideal von Wissen ist und war schon immer: etwas können (know-how) + wissen, warum es funktioniert (Prinzipienwissen) und imstande sein, den Gebrauch des Wissens über souveräne Prinzipienverfügung anzuleiten, ja zu motivieren (man weiß, wann welche Mittel zu mobilisieren sind). Deshalb der Spruch: Wissen heiße, lehren zu können (Mittelstraß); anders ausgedrückt: Können ohne Prinzipienwissen ist blind, Prinzipienwissen ohne Können leer.

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Ökonomie

Thursday, 25. January 2007 15:23

Jemand, der “das Ökonomische” abwertet, nur weil die Wirtschaftswissenschaften mit ihren Analysemitteln und Werkzeugen nicht sonderlich fortgeschritten sind, macht vermutlich einen großen Fehler.

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ZEIT

Friday, 12. January 2007 15:49

Die Aussage “ich habe keine Zeit” ist eine verdeckte Präferenzaussage. Immer und ausnahmslos. Umformuliert: Andere Dinge sind mir wichtiger.

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KRITISCH

Thursday, 11. January 2007 12:34

Eine Frau in München bekommt von ihrem Mann einen Anruf. Er habe noch länger zu tun und halte sich geschäftlich in Hamburg auf. Merkwürdig, denkt sie, ich habe ihn doch vor 20 Minuten in einem Cafe mit seiner Sekretärin gesehen…
Hier liegt kritisches Verhalten vor: jemand fragt sich, ob etwas der Fall sein kann. Wenn sich die Person sicher ist, daß es ihr Mann war, den sie sah und der Meinung ist, man könne nicht inert 20 Minuten von München nach Hamburg gelangen, so meldet sich der Zweifel…
Was man daran sieht: kritisches Verhalten hat zunächst nichts mit Moral zu tun, sondern mit möglichen Korrekturen des Überzeugungshaushalts. Ich sage dies, weil gewisse Kreise eine merkwürdige Neigung haben, kritische Verfahren automatisch mit moralischen Wertungen zu verkoppeln. In Kants berühmter Definition war von Moral zunächst keine Rede, auch nicht von Zivilcourage oder so etwas.

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Absolutes Wissen

Tuesday, 5. December 2006 13:18

Hegel könnte “Absolutes Wissen” so gemeint haben: Jemand verfügt über seine Begriffe, Überzeugungen, Methoden und Postulate in vollständig expliziter Form; ein für ihn und andere vollständig durchsichtiger Überzeugungshaushalt bis hinab zu den Annahmen, bei denen sich “der Spaten zurückbiegt”. Jeder Gedankengang muß eine Konditionalform annehmen, wobei im Antezedens die Vermutungen und Begriffsverständnisse aufgereiht sind. Wenn man ihn nach einer Begründung für eine seiner Überzeugungen fragte, könnte er stets einen vollständigen Begründungsgang ausrollen, der in sich abgeschlossen ist. Der perfekte Mathematiker, der perfekte Richter. Auch wenn Wahrheit nicht aus Konsistenz folgt: ein erstrebenswertes Ziel. Dazu muß man im übrigen nicht alles wissen oder perfekt informiert sein; denn man kann aus irrtümlich für wahr gehaltenen Informationen oder Sätzen korrekt schließen.

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PrOgRaMmAtIk

Sunday, 5. November 2006 21:25

Was soll dieses Blog?

Es soll lokale Elemente intelligenten Verhaltens kennzeichnen. Diese werden später und in einer punktweisen “work in progress” zu normativen Funktionseinheiten - Modulen - verdichtet. Ganz frech: nicht meine, sondern unsere. Es gibt Grenzen der Subjektivität. Die Titel dieser Module sind in einem ersten Durchlauf den Tags (in Form von Vollzugsverben) zu entnehmen, die unter den Texten erscheinen. Die Notwendigkeit derartiger Überlegungen erscheint mir evident. Jeder hat ein Interesse daran, “sich im Denken zu orientieren” (Kant). Ich biete Orientierungsformen an. Philosophie wird weniger zitiert als betrieben.

Überlegungsfilter und Navigationsbalancen?

Wenn man sich mit Rationalität befaßt, dann lauern zwei Gefahren an den Enden des Spektrums. Zum einen die Absurdität für jede Einzelhandlung eine direkte Rationalitätsregel angeben zu wollen (”gib mir die Regel für das Öffnen eines zwei Jahre alten Himbeer-Marmeladenglases”) zum anderen die Absurdität, daß unser Handeln vollkommen rationalitätsfrei vonstatten geht (Handeln aus einem orientierungslosen Nichts).
Deswegen macht es Sinn, Negativverfahren für das Ausschließen von Möglichkeiten einzuführen und so den kombinatorischen Handlungsraum einzuschränken. Filter. Wie beim Fahrradfahren oder Gehen werden dann Gleichgewichte ins Spiel kommen, die das Handeln als konsistent und geschlossen erscheinen lassen. Ich gehe dabei von einem Akteur aus, der aus der Souveräneität der ersten Person heraus entwirft/überlegt und fasse die Handlungsstruktur mit der bewährten Seefahrermetapher der “Navigation”. Das ist nicht selbstverständich, denn es wird heute ja oft von Gehirnen geredet, die angeblich steuern. Bei mir steht “mind” im Vordergrund, nicht “brain”.

Weshalb die Kürze und Hermetik der Beiträge?

Blogs bieten die Möglichkeit, an Redaktionsstuben und Verlagen vorbei publizistisch aktiv zu werden. Man kann stilistisch eigene Wege gehen. Für Blogs bieten sich Appercus und dichte Schreibe an. Meine Beiträge sind nicht als bloße “Denkanregungen” angelegt. Ich werde sie stehenlassen, wenn keine Widerlegungen kommen.

Ausblick

Das Blog soll nach diesem ersten Durchgang in ein Format gebracht werden, das der Technologisierung und Verwirtschaftlichung der Verhältnisse Rechnung trägt. Es sollen nur noch Rubrizierungen in Begriffen der Betriebswirtschaft und Technik vorkommen. Unser Agent wird zum Einzelunternehmer.

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InTrO

Friday, 27. October 2006 12:33

David Kellog Lewis

  • Thema:
    Wissen & Rationalität
  • Form:
    Loseblattsammlung in systematischer Absicht
  • Zweck:
    Falschheiten und gedankliche Fehlstellungen korri-
    gieren; Vorschläge unterbreiten; Bullshit ausmerzen
  • Vorgehen:
    Aufnahme und Bemessung öffentlich zugänglicher Überzeugungen und Denkstrategien: Kampagnen, Slogans, Volksmeinungen, Behauptungen
  • Anlass:
    Ansprüche, Provokationen, Äußerungen von gesellschaftlichen Akteuren aller Art: Unternehmer, Medienschaffende, Öffentlichkeitsarbeiter, Marketingleute, Personaler, “Geistliche”, Kultusbehörden…

  • Kernmetapher:
    Neuraths Boot; ein Kapitän, der sein Schiff auf offener See - ohne feste Andockstellen - zielstrebig auf Kurs halten muß; beste allgemeine, gedankliche Orientierungsmittel sollen zur Verfügung stehen.

  • Aufgabe:
    Wie navigiert ein denktechnisch versierter, induktiver, problemlösender Zeitgenosse mit “Zug zum Tor”; welcher abstrakter Verstandesressourcen würde er sich bedienen?

  • Relevanz:
    Zähmung überbordender Rhetorik, Zurechtrückung von Legitimitätsfragen in Zeiten reiner Verteilungskämpfe; Entscheidungen hinsichtlich Fragen allgemeiner Interpretationshoheit

  • Stil:
    Apperçus; didaktikarm; Entwicklung einer anspruchsvollen Blogstilistik als “Genre”

  • Status:
    anspruchsvoll, kompromißlos, perwollfrei, kompetitiv

  • Ziel:
    Systematische, zeitgemäße Überlegungen in Begriffen der Betriebswirtschaft und Technik mit ästhetischen Letztwerten; Antworten in Sachen Wissensgesellschaft

  • Vorwort:
    “Dieses Blog wird vielleicht nur der verstehen, der die Gedanken, die darin ausgedrückt sind - oder doch ähnliche Gedanken - schon selbst einmal gedacht hat. - Es ist also kein Lehrblog. - Sein Zweck wäre erreicht, wenn es Einem, der es mit Verständnis liest, Vergnügen bereitete.”

  • P.S.: Ich glaube durchaus nicht, die Probleme endgültig gelöst zu haben.
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