Kumulativ

Tuesday, 2. September 2008 21:13

Wenn man den Befürwortern “lebenslangen Lernens” manchmal so zuhört, dann drängt sich einem ein kumulativer Wissensbegriff, eine zeitliche Anhäufung von Wissen auf. Tatsache ist doch aber, dass große Teile unserer geistigen Orientierung “Bereinigungsaktionen” sind. Wir schmeißen Gelerntes hinaus, weil es sich als unnütz, untauglich, falsch oder dergleichen herausstellt.

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Thema: general | Kommentare (0)

Erklären

Sunday, 7. October 2007 18:13

Nicht zum ersten Mal habe ich vor kurzem einen Lehrer sagen hören, die Philosophen hätten versucht, “die Welt zu erklären”. Ich weiß nicht, was damit gemeint sein könnte - ein Formeltyp, wie er in seiner Machart oft in Künstlerkreisen verwendet wird. Da Leute, die so etwas sagen, wohl selbst nicht wissen, was sie mit dieser Phrase meinen, fällt es ihnen demnach auch nicht schwer, sie zu brüskieren.

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Thema: analysis, motives, reasoning | Kommentare (0)

Verwaltung

Saturday, 11. August 2007 15:19

Wenn man sich über den Status philosophischer Sätze im unklaren ist, - wenn man nicht weiß, ob es sich um analytische oder synthetische Sätze handelt (vgl. Kant) - dann macht man vermutlich keinen Fehler, Philosophie als Verwaltungstätigkeit aufzufassen. Überzeugungen, Konzepte in ihrer Gesamtheit + deren Verknüpfungen (web of belief) werden verwaltet. Ob das Mehrwert zutage fördert kann dann im Sinne eines Unternehmens beantwortet werden, das sich fragt, ob Verwaltungstätigkeiten wie “Rechnungen schreiben” oder “Buchhalten” im Verhältnis zur “Produktion” Mehrwert schafft. 

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Thema: analysis, concepts&models, ecosophia | Kommentare (1)

Pädagogen-Akrobatik

Tuesday, 17. July 2007 12:21

Einem Pädagogen gegenüber expliziere ich ein Handlungsmodell, das Personen in erster Linie am Eigeninteresse orientiert sieht. Ich füge hinzu, daß sich ansonsten Verhaltensweisen nicht erklären lassen (ein “explanatorisches” Argument). Er daraufhin: “Sie haben aber ein schlimmes Menschenbild”. Seinen Zug muß man sich auf der Zunge zergehen lassen - schlimm, wenn man von der eigenen Rhetorik übermannt wird. Ein notdürftig philosophisch Angelernter - er merkt gar nicht, daß er nichts zeigt, sondern nur etwas sagt und dabei die Falschheit einer empirischen These einfach so voraussetzt. Der Weg zur rationalen Anomalie des “wishful thinking” ist damit geebnet. Nicht selten für diese Spezies, die alles schon weiß, wonach andere forschen müssen. Er wird sein “Wissen” von berufswegen weitergeben wollen.

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Thema: analysis | Kommentare (0)

Pragmatisch

Saturday, 9. June 2007 11:55

Es ist immer wieder erstaunlich, wie leicht philosophische Überlegungen wie “die Welt könnte ganz anders sein als wir sie denken” durch pragmatische Überlegungen bloßgestellt (nicht beseitigt) werden. Man braucht nur zu replizieren: “Was bringt uns diese Überlegung?” oder “Angenommen, die Welt ist anders, was willst Du damit anfangen”. Diese Variante des Aufweisens der “Unechtheit des Problems” (Peirce) kommt auch viel sozialverträglicher und weniger hart daher wie seine philosophiehistorischen Kombattanten: Behauptung der Unformulierbarkeit, Behauptung der Sinnlosigkeit, Behauptung der Nicht-Nachweisbarkeit, Projektionsvermutungen (transzentendaler Schein)…Schließlich und endlich wissen wir ja, daß ein möglicher Proponent der einführenden Sichtweise im Alltag in derselben Begriffs-Suppe rührt wie die anderen auch. Er steht von Anfang an unter Verdacht, nicht wirklich zu glauben, was er zu glauben vorgibt.

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Thema: arguments, concepts&models, general, knowledge, reasoning | Kommentare (0)

Gender

Saturday, 19. May 2007 19:32

Angenommen, ein Mann sagt, daß Paris in Island liegt. Und dann äußert eine Frau dasselbe. Ändert sich am Wahrheitswert etwas? Nein. Und was ist dann mit Aussagen, deren Wahrheitswert wir (noch) nicht kennen? Kann auch keine Rolle spielen.

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Thema: sex&gender, truth | Kommentare (0)

Richtig

Saturday, 19. May 2007 18:29

Im Alltagssprachgebrauch verwenden wir das Wort “richtig” als Gegenteil von wahr einerseits und unrichtig/inkorrekt andererseits. Im ersten Fall zur Charakterisierung von Falschheiten im anderen zur Kennzeichnung von Rationalitätsdefiziten. Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun. Deswegen passiert es auch so oft, daß Personen den Umstand, daß wir “Modelle” verwenden, als Zutrittsbarriere zur Realität auffassen. Ein Modell muß aber nur in sich stimmig/richtig sein. Fall 2.

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Thema: analysis, reasoning, truth, words | Kommentare (0)

Gebrauch

Monday, 7. May 2007 13:38

Was wir benötigen - und was in der Philosophiegeschichte nur zum Teil oder gar nicht systematisch angegangen wurde - ist eine Gebrauchstheorie des Verstandes. Eine endliche, erweiterbare Liste von Verfahrensweisen, die uns nahelegt, in Situationen vom Typ X bewährte Ressourcen vom Typ Y zu mobilisieren. “Regulae ad directionem ingenii” sozusagen, die uns wie Messer und Gabel zur Verfügung stehen und über deren Einsatz der Akteur souverän entscheidet. Diese Anweisungsfragmente würden ohne expliziten Rückgriff auf die Computermetaphorik (es bringt - praktisch gesehen - nichts, sich selbst als die Software des Computers aufzufassen) als Verwendungsmodule eingeführt und enthielten von sich aus auch keine Verweise auf das Leib-Seele-Problem. Den Kern dieses Unterfangens würde eine “Gebrauchstheorie des Nutzens” ausmachen. Nur so könnten sich professionelle Philosophen des Einwands entschlagen, sie produzierten intellektuelle Halden ohne praktischen Punch. Außerdem wäre dem “Primat der praktischen Vernunft” Folge geleistet, ohne Moral eine Sonderrolle zuzugestehen. Moralische Urteile werden zu einem Teil unseres Arsenals.

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Thema: concepts&models, methods, systematics | Kommentare (0)

Naturalismen

Friday, 27. April 2007 14:03

Angenommen, jemand anders hat bei Handlungs- und Orientierungsentscheidungen meinerseits immer eine naturalistische Parallelgeschichte parat: er redet von meinen Hormonen, Synapsen, biochemischen Vorgängen, Adrenalin usw., die meinem Tun ständig zugrundeliegen (tokens). Welche Rolle spielt diese Rede für meine Entscheidung selbst (man denke an eine Wahlentscheidung, z.B. Berufswahl)? Antwort: Keine, nicht einmal bei Handlungsentscheidungen, die selbst auf die Manipuliation meiner körperlichen Zustände gerichtet sind (z.B. wenn ich vorhabe, Vitaminpillen, Wasser oder Joghurts zu mir zu nehmen, weil ich meine Fitness beeinflussen möchte). So könnte er meinen erschlafften körperlichen Zustand bemerken, dies mit Unterzuckerung in Zusammenhang bringen und mir raten, einen Schokoriegel einzuschmeißen. Oder er könnte mir empfehlen, während des Marathons fleißig zu trinken und auch mal eine Banane zu essen. Die Vernünftigkeit dieser Maßnahmen hängt zwar vom Wissen über körperliche Zustände ab, aber nicht von den körperlichen Zuständen selbst. Epistemischer Kontrast.

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Thema: analysis, speech | Kommentare (0)

Orientierung

Wednesday, 18. April 2007 18:04

Als Wittgenstein in seinen “Philosophischen Untersuchungen” einst schrieb, philosophische Fragen hätten die Form “ich kenne mich nicht aus”, so dürfte er nicht einen Geisteszustand der Verwirrtheit im Auge gehabt haben (das wäre die psychologische Lesart). Man findet Denker in diesem Zustand eher selten vor. Er meinte wohl eher: diese und jene Überzeugungszusammenhänge bekomme ich nicht zusammen. Es gelingt mir nicht, mir darauf einen Reim zu machen, der mit anderen Versatzstücken ein systematisches Ganzes bildet. Die Aufgabe, “sich im Denken zu orientieren” (Kant) weist Bruchstellen auf. Es werden “aporetische Cluster” (Rescher) sichtbar. Für jemanden, der sich für Systematik nicht interessiert, sondern gerne mit Patchwork lebt, stellt das freilich keine Bedrohung dar. Leider.

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Thema: analysis, concepts&models, systematics | Kommentare (0)