Kaufmännische Überdeckung

Friday, 23. November 2007 9:24

Intentionen sieht man selten - wenn überhaupt - direkt ein. Deshalb erscheinen moralisch und geschäftlich motivierte Handlungen häufig als ununterscheidbar. Dem Kaufmann ist es ja stets möglich, vom Selbstverständnis “Kaufviehhirte” in Richtung “wohltätiger Bedürfniserfüllungsgehilfe” zu switchen, ohne daß man ihn an der Handlungsoberfläche stellen könnte. “Dumme” Bedürfnisse gibts für den reinrassigen Geschäftsmann ja gar nicht. Auch sehen wir wieder eine Struktur, bei der es einen definitorischen Unterschied zwischen Handlungsstrukturen gibt (Kant: die Absicht muß gut sein für moralisch korrektes Verhalten), bei denen der begriffliche Zusatz (gute Absicht) unseren unmittelbaren Detektionsmöglichkeiten unangenehm vorauseilt. Interpretation und Ermittlung muß investiert werden, um es herauszubekommen. Das kostet Energie und Zeit. Meist zu viel.

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Thema: analysis, economics | Kommentare (0)

Theorie und Praxis (1)

Friday, 15. June 2007 19:17

Sogenannte Praktiker lieben es, theoretische Bemühungen durch die Unterscheidung von Theorie und Praxis zu entwerten. Übrigens viel häufiger als andersherum. Manchmal ist mit dieser Unterscheidung nur gemeint: aus der Tatsache, daß jemand Handlungen per Überlegungen plant folgt nicht, daß er sie auch ausführt. Man rät dann einfach: Do it! oder Spring rein! Das ist klar und unumstritten, aber auch uninteressant, denn das entwertet allenfalls den Vollzugswillen des timiden Akteurs, nicht aber die Güte seiner Überlegungen.

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Thema: analysis, motives, reasoning | Kommentare (0)

Naturalismen

Friday, 27. April 2007 14:03

Angenommen, jemand anders hat bei Handlungs- und Orientierungsentscheidungen meinerseits immer eine naturalistische Parallelgeschichte parat: er redet von meinen Hormonen, Synapsen, biochemischen Vorgängen, Adrenalin usw., die meinem Tun ständig zugrundeliegen (tokens). Welche Rolle spielt diese Rede für meine Entscheidung selbst (man denke an eine Wahlentscheidung, z.B. Berufswahl)? Antwort: Keine, nicht einmal bei Handlungsentscheidungen, die selbst auf die Manipuliation meiner körperlichen Zustände gerichtet sind (z.B. wenn ich vorhabe, Vitaminpillen, Wasser oder Joghurts zu mir zu nehmen, weil ich meine Fitness beeinflussen möchte). So könnte er meinen erschlafften körperlichen Zustand bemerken, dies mit Unterzuckerung in Zusammenhang bringen und mir raten, einen Schokoriegel einzuschmeißen. Oder er könnte mir empfehlen, während des Marathons fleißig zu trinken und auch mal eine Banane zu essen. Die Vernünftigkeit dieser Maßnahmen hängt zwar vom Wissen über körperliche Zustände ab, aber nicht von den körperlichen Zuständen selbst. Epistemischer Kontrast.

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Thema: analysis, speech | Kommentare (0)

Selbständiger

Monday, 16. April 2007 17:21

Die Idee eines vollständigen Unternehmers sieht eine Person vor, die sämtliche geschäfts- und erwerbsrelevanten Parameter mit Werten bestückt. Er betreibt alles selbst vom Einkauf bis zur Werbung. Maximaler Freiheitsgrad. Skaliert man diese Bereiche seines Tuns, so kann es sein, daß er einige Felder mit dem Wert 0 aufweist (er kümmert sich um bestimmte Dinge nicht oder delegiert). Das rührt aber nicht daher, daß er sich von bestimmten Aufgaben von vornherein entlastet sieht (wie bei Angestellten, Beamten u.dgl.). Bei ihm gilt: jeder Fehltritt kann sich beim Geschäftserfolg auswirken. Er lebt “in der Entscheidung”, denn man muß sich ihn als jemanden vorstellen, der alles wählt. Ein “Unterbewußtsein” oder “Unbewußtsein” gibt es aus methodologischen Gründen bei ihm nicht. Ob es eine derartige Person realiter gibt oder geben kann, ist genauso unerheblich wie die Frage, ob “vollständig informierte Marktagenten” gibt oder geben kann.

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Thema: economics, ecosophia | Kommentare (0)

Theoriedesign

Tuesday, 13. March 2007 12:04

Die Entwicklung moderner empirischer Theorien läßt sich sehr schön an Chomskys Theoriestationen ablesen. Man lasse Intuitionen hinter sich, führe sie aber ggfs. als Testinstanzen ein, fasse die zu untersuchenden Dinge als empirische Objekte auf und stelle Adäquatheitsforderungen (Beschreibungs- und Erklärungsadäquatheit) in den Raum. Erste Station: Taxonomie (Satzbäume); unbefriedigend; Zweite Station: Transformationensregeln (zwischen Sätzen); nicht hinreichend; Dritte Station: Parametrisierung einer tiefliegenden Prinzipienstruktur anstatt Regeln; dickte Theorie; Vierte Station: Einkochen der Struktur (Minimalistisches Programm); daran wird ersichtlich: Theoretische Terme haben die Funktion, einen Phänomenbestand (der Urteilskraft erfordert) in struktureller Verallgemeinerungsabsicht zu erklären. Der Akteur organisiert sich dabei die Abstraktionslagen über Forschungsperioden hinweg, um eine bestimmte Leistung zu erbringen (hier: erklären). Deswegen ist es Unfug, Abstraktion zu verunglimpfen.

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Thema: analysis, methods, reasoning | Kommentare (0)

Phänomenologie

Tuesday, 13. March 2007 11:48

Die Phänomenologie beschreibt die Art und Weise, in der uns Dinge “begegnen”. Sie ist als Grenzfall unserer normalen Orientierung zu beschreiben, bei der wir uns in Überzeugungen bewegen. In technischer Sprechweise: die Geltungsparameter werden suspendiert, auf Null gesetzt. Das macht dann die charakteristische “ästhetische” Erfahrungsweise aus, in der man Dinge auf sich wirken läßt. Heidegger hatte hier in der Einschätzung der Grundsätzlichkeit Unrecht.

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Thema: analysis, orders, technics | Kommentare (0)

Psychologie

Friday, 2. March 2007 16:54

Es gibt drei zentrale psychologische Einstellungen, die ein rationaler Akteur mitbringen sollte: Konzentrationsfähigkeit, Coolness und umsichtige Geistesgegenwart.

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Kampagne

Friday, 23. February 2007 1:16

Muß jemand etwas glauben, damit er etwas Wahres sagen kann? Folgender Fall: Der Politische Akteur A möchte den politischen Akteur B (CSU) durch eine Pressekampagne schädigen. Dazu setzt er etwas in die Welt, was er selbst nicht glaubt (er “spielt” sozusagen mit dem Gedanken): Der Politische Akteur B soll an zügellosen Sexpartys in Swingerclubs teilnehmen. Dummerweise stellt sich das als “zufällig” richtig heraus. A hat das, was er in die Welt setzte, selbst nie geglaubt, sagt aber etwas Wahres. Glauben scheint keine notwendige Bedingung für wahre Aussagen zu sein.

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Thema: general | Kommentare (0)

Konstruktivismen

Wednesday, 21. February 2007 9:55

Philosophische Positionen, die gerne damit arbeiten, Aussagen seien (sozial) konstruiert, haben keine Durchschlagskraft. Denn - ob konstruiert oder nicht - über die Wahrheit oder Falschheit dieser Aussagen folgt daraus nichts. Und daß Aussagen “irgendwie” in die Welt kommen, stand ja noch nie zur Debatte. Es ist generell unklug, eine erkenntnistheoretische Position vor eine logisch-semantische als “Klammer” zu ziehen.

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Thema: truth | Kommentare (0)

Externalisierung

Saturday, 27. January 2007 9:42

Der “Kampf um den Kunden” führt zu einer Auslagerung der je eigenen Urteilskraft. Der Rezipient entscheidet ja. Es erscheint dann nicht mehr vernünftig, das Produkt vom Markt zu nehmen, weil man es selbst für idiotisch hält. Eine perfide Form der “Zurückhaltung”.

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Thema: economics | Kommentare (0)