Apr
01
Tuesday, 1. April 2008 21:50
Die sogenannten Gettier-Fälle in der Erkenntnistheorie, insofern sie von Gettier selbst ersonnen wurden, wirken etwas streitbar und konstruiert. Dennoch gibt es weniger undurchsichtige Fälle. Einer stammt von Gilbert Harman (aus “thought”):
“A political leader is assassinated. His associates, fearing a coup, decide to pretend that the bullet hit someone else. On nationwide television they announce that an assassination attempt has failed to kill the leader but has killed a secret service man by mistake. However, before the announcement is made, an enterprising reporter on the scene telephones the real story to his newspaper, which has included the story in its final edition. Jill buys a copy of that paper and reads the story of the assassination. What she reads is true and so are her assumptions about how the story came to be in the newspaper. The reporter, whose by-line appears, saw the assassination and dictated his report, which is now printed as he dictated it. Jill has justified true belief and, it would seem, all her intermediate conclusions are true. But she does not know…”
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Sep
26
Wednesday, 26. September 2007 10:10
Die Rede von “Räumen” hat sich ja bewährt. So ist jede Person Träger eines erweiterbaren, dynamischen Überzeugungsraums (die Elemente sind Überzeugungen, Propositionen). In gleicher Weise nimmt jede Person einen symbolischen Raum (Raum der verfügbaren Zeichen und Darstellungsmittel) in Beschlag, der ebenfalls erweiterbar und dynamisch ist (man könnte von symbolischen Zeitscheiben - slices - sprechen). Zu diesem Zustandsraum gehören Französisch-Kenntnisse oder der Gebrauch musikalischer Notation genauso wie Kenntnisse in der Programmiersprache Java, der Modellierungssprache UML oder Kenntnisse in algebraischen Strukturen. Die üblichen Zuordnungen in “geisteswissenschaftlich” oder “naturwissenschaftlich” sind dabei – pragmatisch - gegenstandslos. Je mächtiger der verfügbare Sprachrahmen, desto bessere Artikulations- und Durchsetzungschancen hat der Akteur – allerdings nur in Kombination mit einem wasserdichten Überzeugungsraum. Und in den Überzeugungen liegt die Erdung, weil man symbolisch spintisieren kann.
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Jul
02
Monday, 2. July 2007 17:44
Die optimale Äußerungsform einer philosophischen Einsicht muß wie ein trockener Witz sein: aus der Zurückhaltung der Rede heraus den Satz kompakt und ortsgerecht placieren. Die musikalische Analogie: der Ton wird g e s e t z t, nicht gespielt.
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Jun
15
Friday, 15. June 2007 19:34
Mit der Unterscheidung von Theorie und Praxis ist manchmal aber auch dies gemeint: von einer Menge von Möglichkeiten ist nur die eine oder andere realisiert. Die anderen kommen “praktisch nicht vor”.
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Jun
15
Friday, 15. June 2007 19:29
Eine andere Variante der Unterscheidung zwischen Theorie und Praxis: jemand entwirft ein Konzept, gebraucht es und merkt dabei, daß er nicht alle Faktoren berücksichtigt oder angemessen bewertet hat. Es paßt dann nicht, Vorhersagen oder Tests scheitern (”es kommt anders, als man denkt”). Aber auch das entwertet die Theorie nicht als solche, denn nur d i e s e Überlegungen scheitern oder gelten nur eingeschränkt. Jeder wird im nächsten Schritt entsprechende Anpassungen oder Erweiterungen vornehmen. Dabei leistet man erneut geistige Arbeit, indem man überlegt.
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Jun
15
Friday, 15. June 2007 19:17
Sogenannte Praktiker lieben es, theoretische Bemühungen durch die Unterscheidung von Theorie und Praxis zu entwerten. Übrigens viel häufiger als andersherum. Manchmal ist mit dieser Unterscheidung nur gemeint: aus der Tatsache, daß jemand Handlungen per Überlegungen plant folgt nicht, daß er sie auch ausführt. Man rät dann einfach: Do it! oder Spring rein! Das ist klar und unumstritten, aber auch uninteressant, denn das entwertet allenfalls den Vollzugswillen des timiden Akteurs, nicht aber die Güte seiner Überlegungen.
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Apr
22
Sunday, 22. April 2007 11:09
Probleme sind Aufgaben, die sich einem stellen. Im Grunde gibt es nur konstruktive Aufgaben; man benötigt sogenannte “Analysen” als eigene Kategorie nicht. Analysen sind konstruktive Aufgaben, bei der ein Zusammenhang nach einem bestimmten Gesichtspunkt geordnet wird. Dazu muß Hand angelegt und müssen Methoden gebraucht werden. Alles Konstruktionsleistungen. Daraus folgt aber nicht, daß die Ergebnisse “virtuell” wären. Konstruktionen färben nicht auf die Produkte ab. Darin besteht unser Realismus.
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Mar
18
Sunday, 18. March 2007 17:16
Zu wissen, daß eine Überzeugung wahr ist, ist keine notwendige Bedingung für eine wahre Überzeugung. Deswegen nützt auch footstamping nichts.
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Mar
14
Wednesday, 14. March 2007 13:24
“Machen Sie sich von Ihren Denkschablonen frei” ist kein Argument, denn es wird nicht gezeigt, was an der Schablone falsch ist. Wenn dann entgegnet wird, daß wir alle nur Schablonen “als Brillen” hätten, dann hat auch der eine Brille, der dazu auffordert, Schablonen abzulegen. Er muß dann schon einen privilegierten Zugang zur Realität für sich in Anspruch nehmen. Mit welchem Recht? Nun, er könnte pragmatisch sagen: “Es gibt bessere und schlechtere Schablonen”. Und da liegt auch die Lösung: denn das heißt nichts anderes als: manche verfügen halt über einen besseren intellektuellen Gesamthaushalt als andere und verfügen über schlagkräftige Mittel. Jetzt kann man nur keinen Egalitarismus mehr vertreten. Macht aber nichts. Er muß es eben für sich behalten, denn Quietismus gehört mit zur Strategie.
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Mar
13
Tuesday, 13. March 2007 12:57
Ein alter Witz über Psychologen: “Können Sie mir sagen, wo es hier zum Bahnhof geht?” Antwort: “Ich weiß nicht, aber wir können ja mal drüber reden”. Hier wird ein wunder Punkt angesprochen: die Irrelevanz von Motiven und psychischen Zuständen für das Lösen eines Problems. “Ich weiß nicht” wäre die perfekte Antwort gewesen. Denn es gibt einen Bahnhof in der Stadt und er ist irgendwo lokalisiert (die Wahrheit) oder es gibt gar keinen. Beide Antworten wären informativ. “Warum wollen sie überhaupt zum Bahnhof - es ist doch schön hier” würde nerven.
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