Aug
25
Saturday, 25. August 2007 14:11
In einem neuen Band names “Vernunft” von Herbert Schnädelbach steht auf der Rückseite des Buches geschrieben: “Den Begriff >Vernunft< kann man nicht klären, ohne auf seinen historischen Wandel einzugehen”. Das ist Bullshit. Wie kann es sein, dass man für die Antwort auf eine Gebrauchsfrage 141 Seiten benötigt? Es kann nicht sein. Hier versucht wieder einmal ein Philosophieprofessor, seine Gelehrsamkeit in Form einer verdeckten Philosophiegeschichte unters Volk zu bringen. Und angenommen, alles stimmt, was er sagt: kann man damit konstruktiv arbeiten? Nein, es sei denn, man hält selbst Vorträge und kultiviert Bildung als durchlaufenden Posten.
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Aug
15
Wednesday, 15. August 2007 12:20
Von dem Aachener Philosophen Geert Keil stammt der Satz: »Aufgabe der Philosophie ist nicht, auf der sicheren Seite zu sein, sondern herauszufinden, wie es sich tatsächlich verhält«. So isses. Man könnte noch hinzufügen: Es ist auch nicht deren Aufgabe, sich gegen etwas zu stellen - das Leben “als anderer” oder das Leben in der Revolte (”Wehren” als Lebensform; man kennt das aus der Frankfurter oder Teilen der “Französischen” Schule). Dem liegt eine verquere Vorstellung vom “Kritischen” zugrunde. Philosophie - richtig verstanden - ist unterkühlt und unabhängig von Solidaritätsadressen jeder Couleur. Sich gemein machen gilt nicht. Eine Solidaritätsadresse wäre es im übrigen auch, sich im Kompromißraum der “Mitte” aufzustellen. Sondern: man stellt sich schlicht dorthin, wo es die Überlegung erfordert. Insofern ist Philosophie politikfrei und ohne Fraktionszwang. Das schließt nicht aus, daß man genau zu den Ergebnissen gelangt, die eine andere Gruppe vertritt. Ausgeschlossen ist aber, daß man zu bestimmten Resultaten kommt, um dabei zu sein. Vielmehr handelt es sich um ein zufälliges Zusammenfallen der Ansichten, die sich oft hinsichtlich der Begründungsart noch einmal unterscheiden. Alles andere ist tendenziös.
Keils Charakterisierung - so richtig sie ist - muß aber noch erweitert werden, weil sie sich nur auf Doxastik (”was ist der Fall”) und nicht auf die praktische Philosophie bezieht (”was ist zu tun”). Ein Philosoph, der letzteres nicht bedient, ist intellektuell halbseitig gelähmt. Damit ist nicht “Umsetzung” gemeint, sondern der geschickte Gebrauch von Hirn zu Handlungszwecken. Im praktischen Bereich kommen Urteilskraft, Klugheit, Intelligenz und Rationalität im allgemeinen ins Spiel (”welche Züge mache ich aus welchen Gründen unter welchen Umständen?”). Es kann nicht sein, daß - wie oft anzutreffen - Philosophen überlegte Maßnahmen zur Überzeugungsfestlegung (”fixation of belief”) ergreifen, aber schwach in praktischen Kalkülen sind. Das erfordert eine weit größere gedankliche Abgeschlossenheit (ich nenne das “intellectual closure”) als das bloße Wirken eines Wissenschaftlers, der sich dann von der Ehefrau/dem Ehemann/dem Lebensgefährten am Gängelband des Geschlechtstriebs führen oder sich vom Chef sagen läßt, wo im Leben “tatsächlich” oder “eigentlich” der Hammer hängt (z.B. auf dem “Markt”). Ein reines Erfüllungsgehilfendasein muß dem Selbstverständnis eines tauglichen Philosophen zuwiderlaufen, denn es geht um Deutungshoheit. Er übernimmt bisweilen, imitiert aber nie. Wo die Gebrauchsdimension (”das Pragmatische”) nicht ausgefüllt wird, bekommt man die üblichen gebildeten, belesenen Witzfiguren zu sehen, die so fürchterlich unzeitgemäß und unbeholfen wirken. Und reines Distanzboxen ohne Punch a la Henry Maske wirkt unsexy. In nuce: der Output sollte schon eine Form revisionsfähiger Persönlichkeit sein - eine notwendige Bedingung für beratende Tätigkeiten alle Art.
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May
23
Wednesday, 23. May 2007 14:34
Gehen wir von einem transzendenten Wahrheitsbegriff aus. Dieser Begriff sieht es vor, daß zwischen unseren Nachweismöglichkeiten und dem, was der Fall ist, zumeist ein unaufhebbare Restlücke klafft. Das heißt nicht: wir kommen an die Wahrheit nie ran (nicht dieser Sinn von transzendent), sondern: lückenlose Aufklärung bleibt falsifizierungsfähig.
Ein Beispiel: Vielen, die selbst Sport getrieben haben, kamen die Leistungen der Radfahrer schon immer etwas spanisch weil überirdisch vor. Anfangsverdacht. Wenn jetzt einzelne Sportler sagen, sie hätten Epo zu sich genommen, verdichtet sich dieser Verdacht. Diese Leute könnten natürlich auch (bewußt) etwas Falsches sagen. Zusätzlich Indizien könnten aber die Nachweislage stärken. Wir alle würden sagen: Epo wurde genommen oder nicht. Das ist mit Wahrheit gemeint. Begründungstechnisch kann man die Lücke aber nicht ohne weiteres schließen. Die beste Situation ist und bleibt: es selbst beobachtet haben.
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Thema: arguments, beliefs, inquiry, truth |
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May
21
Monday, 21. May 2007 10:08
Eine erwachsene Person setzt sich in einen Bus. Die Kontrolle kommt und stellt fest, daß sie keinen gültigen Fahrausweis hat. Sie daraufhin: “Ich wußte nicht, daß man so etwas braucht”. Warum nimmt man ihm das nicht ab? Man würde sagen: es kann nicht sein, daß man das nicht weiß, ergo war das absichtlich und ein Fall von Leistungserschleichung.
Wenn ein “Fehler”, den jemand begeht, “zu drastisch” ist, dann interpretieren wir für gewöhnlich sein Verhalten als absichtliches oder strategisches um. Das machen wir bei Komikern auch. Das rationalitätserhaltende principle of charity gilt also nicht nur für Sprechhandlungen.
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May
21
Monday, 21. May 2007 9:52
Man ist geneigt, eine Person P, die im Rahmen ihrer Überzeugungen und Präferenzen folgerichtig handelt, als rational einzustufen. Sie handelt konsequent innerhalb “ihres Systems”. Was aber, wenn gezeigt werden kann, daß sie sich die ein oder andere Überzeugung “schlampig” angeeignet hat oder an nahe liegender Stelle eigentlich hätte “nachhaken” müssen? Dann ist der Vorgang der Überzeugungsfestlegung nicht richtig abgelaufen - selbst dann, wenn die Überzeugung zutrifft. Sollte man jetzt dazu übergehen, rational durch nicht-rational oder andere privative Ausdrücke (irrational dürfte zu stark sein) zu ersetzen? Radikalisiert man das weiter, so wäre nur der rational, der wasserdichte Überzeugungen hat. Wahrheit wäre dann eine notwendige Bedingung für Rationalität, weil es keinen Haltepunkt für den Abbruch der Ermittlungsform gäbe.
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Thema: beliefs, inquiry, reasoning, truth |
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May
19
Saturday, 19. May 2007 19:03
Der unter Wahrheitsgesichtspunkten einzige Grund, weshalb wir zwischen dem, was wir denken und dem, was der Fall ist unterscheiden müssen, ist der Umstand, daß wir falsch liegen können. Die Tatsache, daß der Gedanke “in uns” ist und der Umstand eventuell “draußen” - das spielt nicht wirklich eine tragende Rolle.
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Thema: analysis, concepts&models, truth |
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May
19
Saturday, 19. May 2007 18:29
Im Alltagssprachgebrauch verwenden wir das Wort “richtig” als Gegenteil von wahr einerseits und unrichtig/inkorrekt andererseits. Im ersten Fall zur Charakterisierung von Falschheiten im anderen zur Kennzeichnung von Rationalitätsdefiziten. Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun. Deswegen passiert es auch so oft, daß Personen den Umstand, daß wir “Modelle” verwenden, als Zutrittsbarriere zur Realität auffassen. Ein Modell muß aber nur in sich stimmig/richtig sein. Fall 2.
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May
01
Tuesday, 1. May 2007 16:20
Denken kann gegen Handeln grundsätzlich nicht ausgespielt werden (”handle, denke nicht”). Der Handlungsakt selbst (z.B. das Aufgießen eines Tees zur Behandlung einer Erkältung) gehört nicht mehr zum rationalen und intellektuellen Bereich aller Gründe und vernünftigen Motive eines Agenten. Es ist ein schlichtes Ereignis. Daran ändert auch der Sophismus nichts, daß der, der denkt, etwas tut. Das faktische Aufgießen des Teebeutels ist etwas anderes als sich zu überlegen, ob und warum man sich einen Teebeutel aufgießen könnte.
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Apr
23
Monday, 23. April 2007 17:20
Manchmal wird so geredet, wie wenn alle Bestandteile eines zu lösenden Dreisatzes logischer Natur wären. Das ist falsch. Nehmen wir den umgekehrten Dreisatzes, wie lange 5 Schreiner zur Herstellung von 10 Tischen benötigen, wenn 1 Schreiner für 10 Tische 30 Stunden benötigt. Die Information, daß mehr Leute weniger Zeit benötigen, ist empirisch. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß wir das für gewöhnlich alle wissen.
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Thema: analysis, inquiry, reasoning |
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Apr
23
Monday, 23. April 2007 13:54
Jede Lösung eines Problems ist eine technische Lösung. Der Gegenstandsbereich spielt keine Rolle. Dies hängt damit zusammen, daß in jeder Situation “irgendwie” (Modus) gehandelt werden muß. Der bewußt-operative Umgang ist dann technisch zu nennen.
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