Systematik

Monday, 28. April 2008 21:50

Wahre Sätze sind über die Welt verteilt. Nichts an ihrer Wahrheit selbst hängt davon ab, ob sie in irgendeiner Form konstruierbar sind (z.B. durch eine Art von Aufbau oder Kombination aus elementaren Bausteinen) oder sich in einen architektonischen Rahmen einpassen lassen. Denn letzteres verbessert nur deren Begründungs-, Beleg- und Nachweissituation.

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Thema: concepts&models, inquiry | Kommentare (0)

Erklären

Sunday, 7. October 2007 18:13

Nicht zum ersten Mal habe ich vor kurzem einen Lehrer sagen hören, die Philosophen hätten versucht, “die Welt zu erklären”. Ich weiß nicht, was damit gemeint sein könnte - ein Formeltyp, wie er in seiner Machart oft in Künstlerkreisen verwendet wird. Da Leute, die so etwas sagen, wohl selbst nicht wissen, was sie mit dieser Phrase meinen, fällt es ihnen demnach auch nicht schwer, sie zu brüskieren.

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Muster

Sunday, 26. August 2007 13:19

Die Ansicht, dass man beim Interpretieren von Objekten oder Verhalten “nur” Muster projeziert, die irgendwie mit den Aktivitäten des Gehirns in Verbindung stehen, erfreut sich großer Beliebtheit. Das kann man auch so stehen lassen (vielleicht ohne das “nur”, denn dass da irgendwelche Mechanismen im Spiel sind, stand ja immer außer Frage - sonst gäbs auch nichts zu forschen). Mich stört eher, dass das nicht hinreichend sein kann.

Dazu stelle man sich zwei Personen vor, S (für Stratege) und D (Strategiedeuter). Alltagsbeispiele wären: ein Personalchef, der einem Bewerber nicht sagt, was er eigentlich mit ihm vorhat, eine Frau, die einen Mann an der Nase herumführt (sie spricht von Liebe und meint sein Portemonnaie), ein Verkäufer, er seine besseren Informationen beim Verkauf gegenüber D kapselt, zwei Schachspieler, bei denen einer die weißen Steine, der andere die schwarzen hat (Nachziehen), ein Lehrer, der seinen Schülern absichtlich vorgaukelt, sie bräuchten später das Wissen, das er lehrt (und über dieses Werbemanöver seinen Unterhalt bezieht; vor kurzem erlebt: ein Lehrer insinuiert Schülern, ohne Pythagoras gings im Leben nicht).

Wir haben a priori die Vorstellung dass der D den S falsch interpretieren kann (unzutreffendes Muster). Wir können uns auch vorstellen, dass D sich immer näher an die tatsächliche Strategie von D heranpirscht (formal ist das so: er beginnt mit einer grobkörnigen Hypothese, und schachtelt sie immer feinkörniger ein, sodaß die grobkörnigste Hypothese aus allen feinkörnigeren folgt).

Das Entscheidende ist: wir haben eine Vorstellung davon, dass D den S prinzipiell “stellen” kann; dann nämlich, wenn seine Hypothesen genau das abbilden, was S sich tatsächlich denkt. Das ist nicht nur “Gedankengut”, denn es schließen sich Handlungen an und man stellt evtl. stolz fest: “Ich bin ihm/ihr nicht auf den Leim gegangen.” Wir können jetzt sagen: D interpretiert S richtig, seine Hypothesen sind wahr. Auch über die Form dieser Hypothese, einem komplexen (zusammengesetzten) Satzgefüge, in denen von Absichten, Plänen, Modi, Überzeugungen die Rede ist: “Weil S dies und jenes erreichen möchte, und dies und jenes über mich und die Welt glaubt, macht er diesen und jenen Zug in dieser Art und Weise.”
Ein derartiges Aufschlüsselungs-Können ist heute eminent wichtig geworden, denn es stehen immer dichter werdende Sanktionen darauf, andere Personen per Gewalt zu dem zu bewegen, was im eigenen Interesse steht. Deshalb verschiebt sich alles in Richtung Kapselung, Schläue, Verdeckung, Informationsdefizite ausnutzen, vor vollendete Tatsachen stellen (”schneller ziehen”).
Redet man “nur” von Mustern, dann stellt man in Abrede, dass es richtige und verkehrte gibt, ja dass es die Möglichkeit einer idealen Abbildung gibt. Dass das der Normalfall ist, will ich damit nicht sagen, aber es ist prinzipiell möglich. Davon gehen wir auch im Alltag aus, selbst dann, wenn die Indizien mager sind. Oft sind wir auch zu faul, um nachzuforschen oder wir betrachten diese Investition als unökonomisch. Übrigens: Galilei ging ja auch von einem idealen Kalkül aus, und nicht von dem, was er vorfand (siehe. C.F. von Weizsäcker).

Es ist der Unterschied zwischen “einem Muster zuordnen” und das “richtige Muster zuordnen”, das die Musik macht. Einebnen kann man das nur, wenn man alle Muster als gleichwertig behandelt. Das aber ist absurd und könnte nicht erklären, weshabl manche Muster erfolgreicher sind als andere (zumindest langfristig). Es gäbe dann im Leben auch keinen Grund mehr, sich in irgendeiner Form schlauzumachen, zu “ermitteln”.

Es ist mittlerweile eine richtige Plage geworden, dass inadäquate Erkenntistheorien (zumeist Perspektivismustheorien oder Theorien, die mit einem metaphorischen Fehlschluss arbeiten, demgemäß Gehirne etwas “tun”) über derartig einfache Überlegungen einfach drübergestülpt werden. Vor allem handeln die Vertreter dieser Erkenntnistheorien ihren eigenen Theorien zuwider; denn sie glauben immer, dass man etwas tatsächlich herausfinden kann - sie schauen fern und lassen sich über die Geschichte aufklären, sie stöbern bei Wikipedia, nehmen Gesetzesnovellen ernst und machen andere per Argument darauf aufmerksam, daß sie etwas “falsch” sehen. Das ist ein Bruch zwischen theoretischem Unterbau und faktischem Handeln, auf den schon Dewey immer hinwies.

Um Missverständnissen vorzubeugen: in einer vollständigen Theorie können naturwissenschaftliche und “sonstige” Erkenntnisse nicht kollidieren.

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Thema: inquiry, motives, reasoning | Kommentare (0)

Theoriedesign

Monday, 16. July 2007 8:03

Der Ausdruck stammt von Luhmann. Theorien werden angelegt und kultiviert wie Gärten. Es gibt da zwei Großtypen: Identitäts- und Differenzkalküle. Der Identitätstheoretiker schaut auf die gemeinsamen normativen Standards, die unterschiedenen “Systemen” zugrundeliegen (Rationalitätskern), der Differenztheoretiker die vielen unterschiedlichen “Eigenroutinen” der Systeme. Habermas und Luhmann. Differenzkalküle sind sicher die besseren “Starter”, weil sie weniger voraussetzen. Das Prekäre ist nur, daß damit die Zugreifbarkeit der Systeme untereinander von vornherein unterbunden wird, nur weil das Modell es so vorsieht. Die Barrieren werden unter Rückgriff auf “Sprachspiele” mitunter sogar zu Verständnisbarrieren gesteigert (Postmoderne). Wie muß man ein Design wählen, um differentiell beginnend derartige modellbedingten Artefakte und Präjudize nicht entstehen zu lassen?

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Thema: analysis, concepts&models, methods | Kommentare (0)

Muessen

Saturday, 16. June 2007 13:10

“Müssen” ist ein interessanter Modalausdruck. Wenn ihn jemand blind oder schematisch als Ausdruck einer Notwendigkeit liest, dann macht er Fehler. Stellen wir uns zum Beispiel eine Person vor, die zum Bahnhof fährt, um jemanden abzuholen, der sich angekündigt hat. Als der Zug ankommt, sitzt der Gast nicht drin. Unser Abholer sagt nun: “Er muß den Zug verpaßt haben”. Von müssen kann hier keine Rede sein, denn es gibt mehrere Möglichkeiten, warum er nicht im Zug sitzt. Es handelt sich um eine Hypothese.

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Thema: analysis, reasoning, speech | Kommentare (0)

Pragmatisch

Saturday, 9. June 2007 11:55

Es ist immer wieder erstaunlich, wie leicht philosophische Überlegungen wie “die Welt könnte ganz anders sein als wir sie denken” durch pragmatische Überlegungen bloßgestellt (nicht beseitigt) werden. Man braucht nur zu replizieren: “Was bringt uns diese Überlegung?” oder “Angenommen, die Welt ist anders, was willst Du damit anfangen”. Diese Variante des Aufweisens der “Unechtheit des Problems” (Peirce) kommt auch viel sozialverträglicher und weniger hart daher wie seine philosophiehistorischen Kombattanten: Behauptung der Unformulierbarkeit, Behauptung der Sinnlosigkeit, Behauptung der Nicht-Nachweisbarkeit, Projektionsvermutungen (transzentendaler Schein)…Schließlich und endlich wissen wir ja, daß ein möglicher Proponent der einführenden Sichtweise im Alltag in derselben Begriffs-Suppe rührt wie die anderen auch. Er steht von Anfang an unter Verdacht, nicht wirklich zu glauben, was er zu glauben vorgibt.

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Thema: arguments, concepts&models, general, knowledge, reasoning | Kommentare (0)

Indizientranszendenz

Wednesday, 23. May 2007 14:34

Gehen wir von einem transzendenten Wahrheitsbegriff aus. Dieser Begriff sieht es vor, daß zwischen unseren Nachweismöglichkeiten und dem, was der Fall ist, zumeist ein unaufhebbare Restlücke klafft. Das heißt nicht: wir kommen an die Wahrheit nie ran (nicht dieser Sinn von transzendent), sondern: lückenlose Aufklärung bleibt falsifizierungsfähig.

Ein Beispiel: Vielen, die selbst Sport getrieben haben, kamen die Leistungen der Radfahrer schon immer etwas spanisch weil überirdisch vor. Anfangsverdacht. Wenn jetzt einzelne Sportler sagen, sie hätten Epo zu sich genommen, verdichtet sich dieser Verdacht. Diese Leute könnten natürlich auch (bewußt) etwas Falsches sagen. Zusätzlich Indizien könnten aber die Nachweislage stärken. Wir alle würden sagen: Epo wurde genommen oder nicht. Das ist mit Wahrheit gemeint. Begründungstechnisch kann man die Lücke aber nicht ohne weiteres schließen. Die beste Situation ist und bleibt: es selbst beobachtet haben.

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Thema: arguments, beliefs, inquiry, truth | Kommentare (0)

Leistungserschleichung

Monday, 21. May 2007 10:08

Eine erwachsene Person setzt sich in einen Bus. Die Kontrolle kommt und stellt fest, daß sie keinen gültigen Fahrausweis hat. Sie daraufhin: “Ich wußte nicht, daß man so etwas braucht”. Warum nimmt man ihm das nicht ab? Man würde sagen: es kann nicht sein, daß man das nicht weiß, ergo war das absichtlich und ein Fall von Leistungserschleichung.

Wenn ein “Fehler”, den jemand begeht, “zu drastisch” ist, dann interpretieren wir für gewöhnlich sein Verhalten als absichtliches oder strategisches um. Das machen wir bei Komikern auch. Das rationalitätserhaltende principle of charity gilt also nicht nur für Sprechhandlungen.

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Thema: beliefs, reasoning, speech | Kommentare (0)

Storytelling

Saturday, 19. May 2007 18:48

Wäre es wissenschaftlich, philosophisch oder überhaupt reizvoll, gedankliche Strukturgewinnungsmaßnahmen durch “Storytelling” und die Abschilderung von vorüberziehenden Vorgängen in der Realiät zu ersetzen? Nein. Es käme uns recht schnell sehr fade vor. Wir alle möchten diese Vorgänge schon als Instanzen einer Gesetzmäßigkeit oder Regel strukturell unter Dach und Fach bringen. Die Kontrollreichweite steigt dadurch.

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Thema: inquiry, motives, reasoning, systematics | Kommentare (0)

Selbständiger

Monday, 16. April 2007 17:21

Die Idee eines vollständigen Unternehmers sieht eine Person vor, die sämtliche geschäfts- und erwerbsrelevanten Parameter mit Werten bestückt. Er betreibt alles selbst vom Einkauf bis zur Werbung. Maximaler Freiheitsgrad. Skaliert man diese Bereiche seines Tuns, so kann es sein, daß er einige Felder mit dem Wert 0 aufweist (er kümmert sich um bestimmte Dinge nicht oder delegiert). Das rührt aber nicht daher, daß er sich von bestimmten Aufgaben von vornherein entlastet sieht (wie bei Angestellten, Beamten u.dgl.). Bei ihm gilt: jeder Fehltritt kann sich beim Geschäftserfolg auswirken. Er lebt “in der Entscheidung”, denn man muß sich ihn als jemanden vorstellen, der alles wählt. Ein “Unterbewußtsein” oder “Unbewußtsein” gibt es aus methodologischen Gründen bei ihm nicht. Ob es eine derartige Person realiter gibt oder geben kann, ist genauso unerheblich wie die Frage, ob “vollständig informierte Marktagenten” gibt oder geben kann.

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Thema: economics, ecosophia | Kommentare (0)