Diskreditierung

Friday, 20. March 2009 19:51

Was ist der Unterschied zwischen einem schlechten Programmierer, einem schlechten Handwerker, einem schlechten Arzt, einem schlechten Juristen einerseits und einem schlechten Philosophen andererseits? Antwort: ist jemand philosophisch schlecht im Sinne fehlender Güte (nicht: moralischer Qualität), dann diskreditiert er sich als intellektuelle Einheit. Denn er hat keine Möglichkeit, sich zu entlasten, indem er das auf sein “Fach” attribuiert. Aus dem gleichen Grund wirkt es übrigens so komisch, wenn jemand in Analogie zur Aussage “ich bin gut in Mathe” sagen würde “ich bin gut in Philosophie”. Stattdessen muss er sagen wollen: “Ich bin einfach nur intelligent und blicke durch”. Keine inszenierte oder rhetorische Bescheidenheit dieser Welt kann ihn da retten. Wem dieses Programm als unmenschlich streng erscheint, der kann ja immer noch ein guter und fähiger Linguist werden.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: big points | Kommentare (0)

Grade

Friday, 5. September 2008 10:14

In Argumentationskontexten sind immer Einwände am unbefriedigendsten/am unangenehmsten, bei denen jemand graduelle Abstufungen einbringt: der andere habe “übertrieben”, “untertrieben”, “zu wenig oder zu stark betont”, “lasse die Kirche nicht im Dorf”…Das befriedigt unseren Hang nach Kategorizität so überhaupt nicht.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Haltbarkeit

Tuesday, 2. September 2008 20:58

Eine wichtige Unterscheidung in der Philosophie: etwas Interessantes sagen und etwas Haltbares sagen (vgl. Äußerungen wie “das ist ein interessanter Gedanke”). Es kommt nicht selten vor, dass sogenannte “interessante” Aussagen bei näherer Beleuchtung eingehen wie eine Primel. Manchmal schon, weil ein Beispiel anzugeben ist oder Kollisionen mit Überzeugungen zum Tragen kommen, die recht stark verankert sind.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Normen

Monday, 1. September 2008 11:06

Die speziellen Normen, mit denen sich die theoretische Philosophie beschäftigt, sind intellektuelle Normen. Das Wort “Norm” suggeriert dabei oft zuunrecht, hier handele es sich um soziale Konventionen, Verbotsschilder nach Art von Straßenverkehrsordnungen. Das ist aber nicht die Pointe, denn das “Woher” der Norm ist unerheblich (”die Gesellschaft”).
Intellektuelle Normen beschränken die Züge, die man gedanklich machen darf. Ohne sie wäre es nicht möglich, jemandem zu sagen, er habe das Thema verfehlt, unzulässig verallgemeinert, Fehlschlüsse oder Rhetorik produziert usw.. Es wäre etwas merkwürdig, wenn jemand sagte, er erkenne diese Normen an oder nicht an. In gewisser Weise verfügt man darüber nicht in derselben Weise wie man über die Norm verfügt, bei rot nicht über die Straße zu gehen.
Wer hingegen daran interessiert ist, welche Motive und Neigungen Personen zu welchen Denkhandlungen führen, der beschäftigt sich mit empirischer Forschung, mit Psychologie und Soziologie. Diese Art von Wissen ist nicht in der Lage, aus sich heraus überhaupt von gedanklichen Fehlern sprechen zu können. Wenn doch, muss sie normative Anleihen nehmen.
Für einen Unternehmer ist die Empirie natürlich wichtiger, denn er will ja wissen, wo die Bedürfnisse de facto sitzen und nicht, ob sie zurecht bestehen. Er bedient.

Tags: ,

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Entwerten

Wednesday, 27. August 2008 13:43

Für gewöhnlich lassen wir Leuten recht großen Raum, wenn sie - implizit oder explizit - ihren Überzeugungen Ausdruck verleihen.
Es gibt aber ein interessantes Phänomen, das man nicht unterschätzen sollte und das in Überzeugungstheorien berücksichtigt werden muss: unsere Fähigkeit, jemandem etwas nicht “abzunehmen” (”das kannst Du nicht ernsthaft glauben”).
Dies Verfahren setzt durchaus nicht erst bei logischen Widersprüchlichkeiten ein, sondern schon in Bereichen materialer Urteile des Akteurs. Wenn z.B. eine Fahrkontrolle einen Schwarzfahrer “erwischt”, dann wird der Kontrolleur dem “Delinquenten” nicht glauben, wenn dieser sagt: “Ich habe nicht gewusst, dass man für Transportleistungen zahlen muss”. Diese Ungläubigkeit reicht sogar weit bis in den Bereich von angeblich “hypersubjektiven” Urteilen ästhetischen Zuschnitts hinein. Wenn z.B. Anna Nicole Smith gesagt hätte, sie habe den reichen alten Herren aus ästhetischen Motiven heraus geheiratet, so würden wir das kaum glauben. Wir sind also generell in der Lage und Willens, die “privaten Überzeugungen” von den öffentlich vorgetragenen zu unterscheiden, um dadurch in der Lage zu sein, Strategien zu isolieren. Wir übergehen sinnvollerweise in solchen Fällen die Individualität des Gegenübers durch einen Übergriff, um ein besseres Tracking zu erreichen. Wir entwerten die Aussage einfach.

Tags: ,

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Fallen?

Wednesday, 27. August 2008 0:14

Nicht erst seit dem linguistic turn stehen Worte ja manchmal im Verdacht, in die Irre führen zu können. Man kann dann quasi auf sie hereinfallen. Angenommen, ein Personalverantwortlicher sitzt einem Bewerber gegenüber und sagt: “Ich habe das Gefühl, Sie sind nervös.” So reden wir häufig. Hat der Personaler in diesem Moment wirklich ein Gefühl? Ist es nicht vielmehr so, dass der Ausdruck im Vorderbereich des Satzes ersetzt werden könnte durch “Ich habe den Eindruck,…”. Noch weiter weg von Gefühlen würde die Paraphrase führen “Mir scheint,…” oder gar “Die Indiziengesamtheit Ihrer Performance legt den Anfangsverdacht der Nervosität nahe.”

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Handlungserklärungen

Saturday, 15. March 2008 20:50

Wenn eine Person bei einer Handlung die ihm zugeschriebenen Wünsche bzw. Überzeugungen nicht hatte, die sein Verhalten erklären sollen, dann reicht ihre Nennung auch nicht für eine zutreffende Handlungserklärung aus. Wieder benötigen wir den Ausdruck “zutreffend” - ich hätte auch “tatsächlich” sagen können (womit wieder der Wahrheitsbegriff im Spiel ist). Wenn ein Interpret also den Akteur nur als vernünftig erscheinen lässt (Rationalisierung), reicht das für den Erfolg der Erklärung nicht hin. Das ist der Unterschied zwischen “es aus diesem Grund getan haben können” und “es aus diesem Grund tun”. Deswegen scheidet auch Vermeidungshandeln (Negativerklärungen) als großflächiger Ansatz für Handlungserklärungen aus; ich schließe meine Haustür für gewöhnlich nicht auf, um zu verhindern, draußen zu bleiben. Die tatsächliche ist die: reinkommen.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: general | Kommentare (0)

Philosophischer Sinn

Saturday, 8. March 2008 23:14

Bekommt man ab und an zu hören: “…das mag stimmen, vielleicht nicht im philosophischen Sinn…”; “…das stimmt nicht, aber vielleicht im philosophischen Sinn…”. Es gibt keinen speziell philosophischen Sinn. Es ist also nicht klar, was damit gesagt sein soll.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: speech, words | Kommentare (0)

Fehler

Thursday, 6. March 2008 1:21

In einer Kritik an einem wissenschaftstheoretischen Werk von Sehon meldet Gilbert Harman Widerstand bei der These an, gewisse empirische Wissenschaften wie die Psychologie hätten keinen normativen Gehalt.

Er weist als Gegenbeispiele darauf hin, dass Psychologen über Studien herausgefunden hätten, dass normale Personen häufig nicht rational handelten (z.B. wenn sie eine Entscheidung abhängig machen von der Art der Darstellung; Beispiele für Voreingenommenheit; Auffinden von logischen Fehlern bei Probanden, z.B. “p und q” für wahrscheinlicher zu halten als “p” allein,…); Harman bindet dabei den Ort der Erkenntnisse an die psychologischen Fachbereiche an der Universtität Princeton bzw. Forschungsinstitute generell.

Dieses Argument ist faul. Die Psychologen haben nicht den Fehler als Fehler diagnostiziert (dies wäre normativ), sondern im Wissen, dass es sich um Fehler handelt, empirisch Handlungen real existierenden Personen ggfs. korrekt zugeordnet (es ist keine psychologische Erkenntnis, dass “p und q” unwahrscheinlicher, weil anspruchsvoller ist, als “p” allein). Der normative Gehalt (dass ein Gedanke verfehlt ist) bleibt philosophisch/eine Geltungsfrage.

Deshalb ist es grundsätzlich besser, Aussagenklassen zu unterscheiden und nicht Departments von Universitäten. Personen sind dann einfach Träger verschiedener Aussagenklassen (physikalische, psychologische, biologische, logische). Diese liegen bei verschiedenen Personen in unterschiedlichen Qualitätsstufen vor. Und wenn eine Person, die nicht als Fachmann gilt, eine wahre Aussage macht, die der eines Fachmannes widerspricht, dann wird sie nicht dadurch falsch. Letztendlich treten immer nur Personen gegen Personen an, nie Personen gegen “die Wissenschaft”.

Harman würde dies vermutlich ablehnen mit der quasi-quineschen Begründung, es gebe keine klare Unterscheidung zwischen normativen und empirischen Bereichen.

Tags: ,

Verwandte Artikel

Thema: analysis | Kommentare (0)

Umgang mit Philosophie

Sunday, 2. March 2008 10:15

Ich kenne zwei Typen professioneller Philosophen mit Bezug auf die Mentalität, mit der man treibt, was man treibt. Unterscheiden wir den integrativen und den dispositiven Typus. Der integrative Typus legt Wert darauf, sich eine Denkraum als Totalität zu erarbeiten und ihn nicht künstlich von der “Lebenswelt” fernzuhalten. Deshalb ist er darum bemüht, seine Überzeugungen und sein Denkverhalten systematisch unter pragmatischen Druck zu setzen. Er treibt Philosophie, um seine persönliche intellektuelle Klasse in der Weltorientierung zu erhöhen und ist beunruhigt, falsch liegen zu können und in praxi Denkfehler zu machen. Jeder mögliche Zusammenhang - ob das nun der Abschluss einer Versicherung oder eine avisierte Heirat ist, ist Probierstein. So kann es nicht zu plötzlichen Niveauabfällen kommen - wie oft zu beobachten. Der dispositive Typ distanziert sich von seinen Forschungsergebnissen innerlich, stellt sie der scientific community professionell als “Beitrag” zur Verfügung und rückt in ein Produktionskontinuum ein. Dieser dispositive Typus ist ständig in der Gefahr, seine Thesen pragmatisch unausgestestet zu lassen und ein untertouriges Leben zu führen. So kann es leicht passieren, dass er (wie Dewey einmal bemerkte) an seiner eigenen Erkenntnistheorie vorbeilebt oder Zynismus gegenüber dem eigenen Forschungsschwerpunkt entwickelt (man erlebe mal einen “Hegelexperten” im angetrunkenen Zustand). Meines Erachtens muss Philosophie als Titel einer Gesamtbemühung verstanden werden, das eigene persönlich Niveau unter Aufbietung von Rationalitätsressourcen praktisch hochzuschrauben. Der gute Philosoph hat dann eo ipso das hochwertigere Begriffs- und Überzeugungssystem. Das Bild eines “braven” Philosophen ist eigentlich nicht hinnehmbar; er muss schon der Regisseur bleiben.

Tags:

Verwandte Artikel

Thema: analysis, concepts&models | Kommentare (0)