Verkaufsanomalie

Thursday, 7. June 2007 12:16

Bevor eine ideale vernünftige Person P die Bedürfnisse anderer erfüllt, wird sie immer überlegen, ob es Sinn macht - ob sie möchte - daß das jeweilige Bedürfnis überhaupt erfüllt wird. Niemand muß die Bedürfnisse anderer erfüllen. Vielleicht wird ja eine Lebensform oder “Kultur” gestützt, deren Existenzberechtigung unser vernünftiger Agent eigentlich bezweifelt. Deswegen prüft er normalerweise.

Der realexistierende Verkäufer indessen, der unter Konkurrenzbedingungen handelt - läßt diesen Vorgang aus. Mit Ausnahme vielleicht von Sittenwidrigkeiten bearbeitet er “professionell” alles, was betriebswirtschaftlich Sinn macht (man könnte beinahe von einer marktwirtschaftlichen Variante des ”Befehlsnotstands” sprechen).

In diesem Zusammenhang kommt dem realexistierenden Verkäufer der Subjektivismus und Relativismus unserer Zeit entgegen. Er sagt dann kleinmütig: “Ich maße mir nicht an, über den Wert von Zielen anderer zu urteilen”. Das kommt an, weil das bescheiden daherkommt.

Verkäufer sind nicht das Maß der Dinge - aus Rationalitätsgründen. Das Prüfmodul wird nämlich außer Kraft gesetzt. Die Berufsidee eines Verkäufers beruht auf einer Persönlichkeitsanomalie: denn von einem guten Verkäufer wird erwartet, daß er alles mögliche an alle möglichen Leute verkaufen kann. Das tut ein vernünftiger Agent aber nicht.

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Thema: general | Kommentare (0)

Gebrauch

Monday, 7. May 2007 13:38

Was wir benötigen - und was in der Philosophiegeschichte nur zum Teil oder gar nicht systematisch angegangen wurde - ist eine Gebrauchstheorie des Verstandes. Eine endliche, erweiterbare Liste von Verfahrensweisen, die uns nahelegt, in Situationen vom Typ X bewährte Ressourcen vom Typ Y zu mobilisieren. “Regulae ad directionem ingenii” sozusagen, die uns wie Messer und Gabel zur Verfügung stehen und über deren Einsatz der Akteur souverän entscheidet. Diese Anweisungsfragmente würden ohne expliziten Rückgriff auf die Computermetaphorik (es bringt - praktisch gesehen - nichts, sich selbst als die Software des Computers aufzufassen) als Verwendungsmodule eingeführt und enthielten von sich aus auch keine Verweise auf das Leib-Seele-Problem. Den Kern dieses Unterfangens würde eine “Gebrauchstheorie des Nutzens” ausmachen. Nur so könnten sich professionelle Philosophen des Einwands entschlagen, sie produzierten intellektuelle Halden ohne praktischen Punch. Außerdem wäre dem “Primat der praktischen Vernunft” Folge geleistet, ohne Moral eine Sonderrolle zuzugestehen. Moralische Urteile werden zu einem Teil unseres Arsenals.

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Thema: concepts&models, methods, systematics | Kommentare (0)

Selbständiger

Monday, 16. April 2007 17:21

Die Idee eines vollständigen Unternehmers sieht eine Person vor, die sämtliche geschäfts- und erwerbsrelevanten Parameter mit Werten bestückt. Er betreibt alles selbst vom Einkauf bis zur Werbung. Maximaler Freiheitsgrad. Skaliert man diese Bereiche seines Tuns, so kann es sein, daß er einige Felder mit dem Wert 0 aufweist (er kümmert sich um bestimmte Dinge nicht oder delegiert). Das rührt aber nicht daher, daß er sich von bestimmten Aufgaben von vornherein entlastet sieht (wie bei Angestellten, Beamten u.dgl.). Bei ihm gilt: jeder Fehltritt kann sich beim Geschäftserfolg auswirken. Er lebt “in der Entscheidung”, denn man muß sich ihn als jemanden vorstellen, der alles wählt. Ein “Unterbewußtsein” oder “Unbewußtsein” gibt es aus methodologischen Gründen bei ihm nicht. Ob es eine derartige Person realiter gibt oder geben kann, ist genauso unerheblich wie die Frage, ob “vollständig informierte Marktagenten” gibt oder geben kann.

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Thema: economics, ecosophia | Kommentare (0)

Corporate Identity

Tuesday, 10. April 2007 16:00

Der allgemeine Trend ist: Unternehmen werden immer mehr verpersönlicht (Corporate Identity, Visitenkarte, Image), Personen immer mehr verbetrieblicht (ein Funktionszusammenhang).

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Thema: ecosophia | Kommentare (0)

Toleranz

Tuesday, 10. April 2007 15:54

Die Erdung toleranten Verhaltens erfolgt weniger über Verhaltensmaximen oder öffentlich verhandelte Wertkataloge, denn über die Einsicht, daß wirtschaftliche Akteure (d.h. jeder) bei Intoleranz den Geschäftserfolg gefährdeten. Und jede interpersonelle Transaktion kann als Geschäft verstanden werden (und wird immer häufiger auch faktisch so verstanden).

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Thema: ecosophia | Kommentare (0)

Push ´n Pull

Tuesday, 10. April 2007 13:09

Die disziplinierende Kraft des Wirtschaftsverhaltens beruht nicht in erster Linie auf “geteilten Werten”. Vielmehr: der Nachfrager kanalisiert durch sein Forderungskostüm einen Sogeffekt, der den Anbieter nötigt, ihm Aussagen und Produkte auf den Leib zu schneidern. Die damit zusammenhängende anschmiegsame Empathie verdankt sich nicht einem humanistischen Leitbild, sondern der Notwendigkeit der Bedürfnisbefriedigung.

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Thema: analysis, ecosophia | Kommentare (0)

Psychologie

Friday, 2. March 2007 16:54

Es gibt drei zentrale psychologische Einstellungen, die ein rationaler Akteur mitbringen sollte: Konzentrationsfähigkeit, Coolness und umsichtige Geistesgegenwart.

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Thema: analysis, methods | Kommentare (0)

Ellbowroom

Monday, 29. January 2007 13:22

Personen wähnen sich untereinander häufig nur deshalb nicht in Konkurrenz, weil sie verschiedenen Berufen oder Tätigkeiten nachgehen. Das ändert sich schnell, wenn man die Partitionierung der Mengen ändert - alle möchten z.B. auf den großen volkswirtschaftlichen Kuchen und gute Luft zugreifen. Da lauert dann die Konfrontation. Upward gerrymandering.

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Thema: general | Kommentare (0)

Externalisierung

Saturday, 27. January 2007 9:42

Der “Kampf um den Kunden” führt zu einer Auslagerung der je eigenen Urteilskraft. Der Rezipient entscheidet ja. Es erscheint dann nicht mehr vernünftig, das Produkt vom Markt zu nehmen, weil man es selbst für idiotisch hält. Eine perfide Form der “Zurückhaltung”.

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Thema: economics | Kommentare (0)

Verrechnungsdichte

Friday, 26. January 2007 11:53

Die Verrechnungsdichte im Rahmen intersubjektiver Transaktionen jedweder Art steigt unaufhörlich. Hausfrauen fordern (zurecht) eine Vergütung für bisher unvergoltene hauswirtschaftlichen und erzieherischen Tätigkeiten ein. Man versucht allerorten, späte Leistungserstellung mit früher Rechnungsstellung zu koppeln. Derjenige, der Wartezeiten nicht als entgangenen Gewinn sowie kalkulatorische Kosten verrechnet, mithin keinen Druck ausübt, gilt als kaufmännisch zurückgeblieben und verliert im Vergleich zu seinen Zeitgenossen an ökonomischer Potenz. Deshalb ist eine “Vollkostenrechnung” für jeden potentiellen Geschäftsvorfall angesagt.

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