Leistungserschleichung

Monday, 21. May 2007 10:08

Eine erwachsene Person setzt sich in einen Bus. Die Kontrolle kommt und stellt fest, daß sie keinen gültigen Fahrausweis hat. Sie daraufhin: “Ich wußte nicht, daß man so etwas braucht”. Warum nimmt man ihm das nicht ab? Man würde sagen: es kann nicht sein, daß man das nicht weiß, ergo war das absichtlich und ein Fall von Leistungserschleichung.

Wenn ein “Fehler”, den jemand begeht, “zu drastisch” ist, dann interpretieren wir für gewöhnlich sein Verhalten als absichtliches oder strategisches um. Das machen wir bei Komikern auch. Das rationalitätserhaltende principle of charity gilt also nicht nur für Sprechhandlungen.

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Rechtfertigung

Sunday, 20. May 2007 12:55

Die Unterscheidung zwischen einer Begründung und einer Rechtfertigung: der Pfaffe fragt den Dieb: “Weshalb sind Sie nur in das Juweliergeschäft eingestiegen?” Der Dieb: “ich wollte es ausrauben”. Das ist nicht das, was der Pfaffe hören wollte; er wollte eine Rechtfertigung.

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Annahmeanomalie

Saturday, 19. May 2007 19:46

Aussagen, die bescheiden daherkommen, haben für gewöhnlich eine größere Chance, angenommen zu werden. Gibt es dafür einen Grund in der Sache? Nein. Ob etwas “bescheiden” ist oder “aufgespreizt” wirkt - das tut dem kühlen Zutreffen oder Nichtzutreffen keinerlei Eintrag. Hier wird die Sachhaltigkeit der Rede vom Beziehungsaspekt der Rede (Bühler) überformt.

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Gender

Saturday, 19. May 2007 19:32

Angenommen, ein Mann sagt, daß Paris in Island liegt. Und dann äußert eine Frau dasselbe. Ändert sich am Wahrheitswert etwas? Nein. Und was ist dann mit Aussagen, deren Wahrheitswert wir (noch) nicht kennen? Kann auch keine Rolle spielen.

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Historie

Saturday, 19. May 2007 19:08

Was soll eigentlich der rabulistische Hinweis: “Immerhin leben wir schon im 21. Jahrhundert” oder “Ihre Auffassung ist steinzeitlich”? Damit wird nichts gezeigt.

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Thema: analysis, polemics, speech | Kommentare (0)

Gap

Saturday, 19. May 2007 19:03

Der unter Wahrheitsgesichtspunkten einzige Grund, weshalb wir zwischen dem, was wir denken und dem, was der Fall ist unterscheiden müssen, ist der Umstand, daß wir falsch liegen können. Die Tatsache, daß der Gedanke “in uns” ist und der Umstand eventuell “draußen” - das spielt nicht wirklich eine tragende Rolle.

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Richtig

Saturday, 19. May 2007 18:29

Im Alltagssprachgebrauch verwenden wir das Wort “richtig” als Gegenteil von wahr einerseits und unrichtig/inkorrekt andererseits. Im ersten Fall zur Charakterisierung von Falschheiten im anderen zur Kennzeichnung von Rationalitätsdefiziten. Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun. Deswegen passiert es auch so oft, daß Personen den Umstand, daß wir “Modelle” verwenden, als Zutrittsbarriere zur Realität auffassen. Ein Modell muß aber nur in sich stimmig/richtig sein. Fall 2.

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Imho

Tuesday, 1. May 2007 13:50

Welchen Sinn macht es eigentlich, Forenbeiträge mit Imho (”in my humble opinion”) auszustatten? Dieser verbale Verbeugungs- und Zurücknahmeakt ändert an der Geltung oder Nichtgeltung des Gesagten nichts. Denn man liegt objektiv richtig oder nicht richtig. Und daß die Meinung falsch sein kann liegt schon in ihrem Begriff und muß nicht durch einen virtuellen Schritt zurück nocheinmal proklamiert werden. Wieder ein Element der Rede, das logisch überflüssig ist, sozial aber gerne gesehen wird. Umso schlimmer für das Soziale.

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Umformung

Saturday, 28. April 2007 13:40

Nicht wenige Problemstellungen lassen sich pragmatisch-operativ umformen. Angenommen, A lobt B. Eine Umformung dieser Art ist: ist B als Vorbild einer Erziehungsmaßnahme für Kinder geeignet?

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Psychologeme

Tuesday, 13. March 2007 12:57

Ein alter Witz über Psychologen: “Können Sie mir sagen, wo es hier zum Bahnhof geht?” Antwort: “Ich weiß nicht, aber wir können ja mal drüber reden”. Hier wird ein wunder Punkt angesprochen: die Irrelevanz von Motiven und psychischen Zuständen für das Lösen eines Problems. “Ich weiß nicht” wäre die perfekte Antwort gewesen. Denn es gibt einen Bahnhof in der Stadt und er ist irgendwo lokalisiert (die Wahrheit) oder es gibt gar keinen. Beide Antworten wären informativ. “Warum wollen sie überhaupt zum Bahnhof - es ist doch schön hier” würde nerven.

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