Nov
23
Friday, 23. November 2007 9:24
Intentionen sieht man selten - wenn überhaupt - direkt ein. Deshalb erscheinen moralisch und geschäftlich motivierte Handlungen häufig als ununterscheidbar. Dem Kaufmann ist es ja stets möglich, vom Selbstverständnis “Kaufviehhirte” in Richtung “wohltätiger Bedürfniserfüllungsgehilfe” zu switchen, ohne daß man ihn an der Handlungsoberfläche stellen könnte. “Dumme” Bedürfnisse gibts für den reinrassigen Geschäftsmann ja gar nicht. Auch sehen wir wieder eine Struktur, bei der es einen definitorischen Unterschied zwischen Handlungsstrukturen gibt (Kant: die Absicht muß gut sein für moralisch korrektes Verhalten), bei denen der begriffliche Zusatz (gute Absicht) unseren unmittelbaren Detektionsmöglichkeiten unangenehm vorauseilt. Interpretation und Ermittlung muß investiert werden, um es herauszubekommen. Das kostet Energie und Zeit. Meist zu viel.
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Aug
25
Saturday, 25. August 2007 14:11
In einem neuen Band names “Vernunft” von Herbert Schnädelbach steht auf der Rückseite des Buches geschrieben: “Den Begriff >Vernunft< kann man nicht klären, ohne auf seinen historischen Wandel einzugehen”. Das ist Bullshit. Wie kann es sein, dass man für die Antwort auf eine Gebrauchsfrage 141 Seiten benötigt? Es kann nicht sein. Hier versucht wieder einmal ein Philosophieprofessor, seine Gelehrsamkeit in Form einer verdeckten Philosophiegeschichte unters Volk zu bringen. Und angenommen, alles stimmt, was er sagt: kann man damit konstruktiv arbeiten? Nein, es sei denn, man hält selbst Vorträge und kultiviert Bildung als durchlaufenden Posten.
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 14:00
Manchmal wird so geredet, als ob Authentizität als eine Art kulturelle Gegenkraft zu den wirtschaftlich motivierten Verschiebebahnhöfen auf den Plan tritt. Ich vermute, das ist falsch. Ganz im Gegenteil: die Authentizität tritt als Mittel und Funktion ökonomischer Motive auf. Man möchte sich als “durchschaubar”, “berechenbar”, “extrapolierbar”, “stetig” präsentieren. Bindungstransaktionen. Ganz besonders prominent: bei Bewerbungen in der Arbeitswelt. Jeder Akquiseakt läuft unter diesem Motto.
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:49
Würde man unser alltägliches “In-der-Welt-Sein” phänomenologisch als heideggerschen Orientierungsmodus verstehen wollen, dann müßten wir von einer “taktischen Temperiertheit” sprechen. Es wäre ein Fehler, das “verlogen” zu nennen; es ist einfach nur ein in Gleichgewichten zu beschreibender Balanceakt zwischen Fordern und Zügeln, Investieren und (Er)sparen, Positionieren und Vermeiden, Exponieren und Verdecken.
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:39
Manchmal kommt es vor, daß sich Personen das Prädikat “authentisch” zuschreiben können, weil sie viel großzügigere Kriterien und Zählprinzipien verwenden (manche Dinge werden gar nicht gezählt). Das kann dann in Anlehnung an Watzlawick dazu führen, daß man eo ispo gar nicht mehr “inauthentisch” sein kann, weil nichts mehr darunter fallen würde. Wir würden als offene Bücher der Natur durch die Welt spazieren. Wer glaubt dies ernsthaft?
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Jul
22
Sunday, 22. July 2007 13:24
Man kann nahezu jede persönliche Interaktion als Geschäftsgebahren verstehen. Deshalb müssen auch Selbstzuschreibungen oder Forderungen nach Authentizität unter Vorbehalt bis zur Prüfung gesetzt werden (”ich bin authentisch”; “sei authentisch”). Im ersten Fall handelt es sich nicht selten um eine Werbemaßnahme (ist also selbst Teil eine Strategie oder Taktik), im zweiten Fall möchte man bessere Berechnungsgrundlagen für das Gegenüber erhaschen. Würde man das bestreiten, so hieße das zu behaupten, daß aus der persönlichen Selbstauskunft, man sei authentisch, folgt, daß man authentisch ist. Wer würde das unterschreiben wollen?
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Jul
02
Monday, 2. July 2007 17:44
Die optimale Äußerungsform einer philosophischen Einsicht muß wie ein trockener Witz sein: aus der Zurückhaltung der Rede heraus den Satz kompakt und ortsgerecht placieren. Die musikalische Analogie: der Ton wird g e s e t z t, nicht gespielt.
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Jun
07
Thursday, 7. June 2007 12:16
Bevor eine ideale vernünftige Person P die Bedürfnisse anderer erfüllt, wird sie immer überlegen, ob es Sinn macht - ob sie möchte - daß das jeweilige Bedürfnis überhaupt erfüllt wird. Niemand muß die Bedürfnisse anderer erfüllen. Vielleicht wird ja eine Lebensform oder “Kultur” gestützt, deren Existenzberechtigung unser vernünftiger Agent eigentlich bezweifelt. Deswegen prüft er normalerweise.
Der realexistierende Verkäufer indessen, der unter Konkurrenzbedingungen handelt - läßt diesen Vorgang aus. Mit Ausnahme vielleicht von Sittenwidrigkeiten bearbeitet er “professionell” alles, was betriebswirtschaftlich Sinn macht (man könnte beinahe von einer marktwirtschaftlichen Variante des ”Befehlsnotstands” sprechen).
In diesem Zusammenhang kommt dem realexistierenden Verkäufer der Subjektivismus und Relativismus unserer Zeit entgegen. Er sagt dann kleinmütig: “Ich maße mir nicht an, über den Wert von Zielen anderer zu urteilen”. Das kommt an, weil das bescheiden daherkommt.
Verkäufer sind nicht das Maß der Dinge - aus Rationalitätsgründen. Das Prüfmodul wird nämlich außer Kraft gesetzt. Die Berufsidee eines Verkäufers beruht auf einer Persönlichkeitsanomalie: denn von einem guten Verkäufer wird erwartet, daß er alles mögliche an alle möglichen Leute verkaufen kann. Das tut ein vernünftiger Agent aber nicht.
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May
20
Sunday, 20. May 2007 12:55
Daß wir nichts verändern können, kann natürlich nicht wörtlich genommen werden. Seit meinem Aufstehen heute habe ich sehr viele Dinge getan, die den Zustandsraum um mich herum verändert haben. Die Zahnbürste hat sich nocht etwas mehr abgenutzt, im Marmeladenglas ist weniger drin, ich habe ein Buch ein eine andere Ecke gelegt. Vielleicht stolpere ich demnächst über dieses Buch und ziehe mir eine Verletzung zu. Der Umgang mit anderen Personen ist eine schlichte Fortsetzung dieses “Beeinflussungskontinuums”. Dazu gehört die Verdeckung dieses eigensinnigen Verhaltens durch Aufforderung zur Authentizität im übrigen auch. Wenn man dies weiß und anderen derartiges Verhalten auch zuschreibt, bleibt wenig Raum für Skrupel.
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May
19
Saturday, 19. May 2007 19:46
Aussagen, die bescheiden daherkommen, haben für gewöhnlich eine größere Chance, angenommen zu werden. Gibt es dafür einen Grund in der Sache? Nein. Ob etwas “bescheiden” ist oder “aufgespreizt” wirkt - das tut dem kühlen Zutreffen oder Nichtzutreffen keinerlei Eintrag. Hier wird die Sachhaltigkeit der Rede vom Beziehungsaspekt der Rede (Bühler) überformt.
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