Jargon des Wesentlichen

Monday, 16. July 2007 8:19

Die Maxime, man solle auf das “Wesentliche” achten, ist häufig nahezu leer, weil ex post. Der Pragmatiker, der sich dynamisch in ein Handlungsfeld mit Zukunft hineinoperierend wahrnimmt, weiß ja häufig gar nicht, welche Weltattribute die wesentlichen sind oder was eine Indikator für etwas anderes per Gesetzesartigkeit ist; oft kennt er ja noch nicht einmal das Problem. Wenn eine Polizeistreife an einem korrekt geparkten weißen Auto gegenüber einer Sparkasse vorbeifährt, das sich später als Fluchtauto bei einem Bankraub herausstellt, hat der Polizeibeamte dann einen Fehler gemacht, weil er sich das Nummernschild des unauffälligen Autos (das Wesentliche der Identifikation) nicht gemerkt hat?

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Geschlecht

Saturday, 14. July 2007 13:23

Auf die Beurteilung von menschlichen Individuen sind wir alle naselang angewiesen. Beispiele: wer kommt in der Abarbeitungsreihenfolge zuerst (Priorisierung), mit wem möchte man zu tun haben, mit wem nicht? Dazu starte man mit Personen. Das Geschlecht spielt zunächst keine Rolle - man abstrahiert (i.S. von “sieht ab”) davon. Zum Schluß kann man dann die festgestellten Eigenschaften auf das Geschlecht abbilden und verteilen - dann ergeben sich gesetzesartige Muster oder nicht. So entgeht man der Gefahr, “typisches Verhalten” von Anfang an und ungeprüft in die Validierung einfließen zu lassen und an der Vorurteilsmarke abgefangen zu werden. Die Lücke zum faktischen Handeln wird im Anschluß daran über Wertezuordnungen (Paare: Werte - Eigenschaften) geschlossen. Wer dies tut und widerspruchsfrei bleibt, handelt rational.

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Theorie und Praxis (3)

Friday, 15. June 2007 19:34

Mit der Unterscheidung von Theorie und Praxis ist manchmal aber auch dies gemeint: von einer Menge von Möglichkeiten ist nur die eine oder andere realisiert. Die anderen kommen “praktisch nicht vor”.

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Spreu und Weizen

Sunday, 10. June 2007 19:26

Ein rationaler Agent hat nicht nur die Aufgabe, Lösungen für Probleme zu entwickeln, sondern sich auch minderwertiges Gedankengut vom Leibe zu halten. Er muß also konstruktiv wie destruktiv unterwegs sein.

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Verlinken

Wednesday, 23. May 2007 13:42

Die Verlinkungskultur der Blogosphäre verläuft analog den sonstigen sozialen Mechanismen. Derjenige, auf den die meisten Links “zeigen”, nimmt die höchste Popularität ein. Das Ironische dabei: angenommen, jemand schreibt Beiträge, auf die viele andere widersprechend Bezug nehmen. Dann steigt dessen Popularität trotzdem. Wäre das System wirklich “semantisch” (und nicht syntaktisch), dann müßte es Minuspunkte für ihn geben.

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Interpretieren

Monday, 21. May 2007 10:31

Um die Aussagen anderer Personen zu verstehen ist es nicht notwendig, daß man dieselben Wörter verwendet. Ansonsten wäre das Verstehen einer Fremdsprache nicht möglich. Das Verstehen (im linguistischen Sinn) beruht auf etwas schwächerem: auf dem Umstand, daß Wörter auf andere Wörter “gemappt” werden. Save the structure and you save all. Deswegen ist es etwas mißverständlich, zu sagen, man verstehe sich gut, weil “man dieselbe Sprache spricht”. Nur eine Person garantiert ein “homophones Übersetzungsmanual”: man selbst.

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Leistungserschleichung

Monday, 21. May 2007 10:08

Eine erwachsene Person setzt sich in einen Bus. Die Kontrolle kommt und stellt fest, daß sie keinen gültigen Fahrausweis hat. Sie daraufhin: “Ich wußte nicht, daß man so etwas braucht”. Warum nimmt man ihm das nicht ab? Man würde sagen: es kann nicht sein, daß man das nicht weiß, ergo war das absichtlich und ein Fall von Leistungserschleichung.

Wenn ein “Fehler”, den jemand begeht, “zu drastisch” ist, dann interpretieren wir für gewöhnlich sein Verhalten als absichtliches oder strategisches um. Das machen wir bei Komikern auch. Das rationalitätserhaltende principle of charity gilt also nicht nur für Sprechhandlungen.

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Naturalismen

Friday, 27. April 2007 14:03

Angenommen, jemand anders hat bei Handlungs- und Orientierungsentscheidungen meinerseits immer eine naturalistische Parallelgeschichte parat: er redet von meinen Hormonen, Synapsen, biochemischen Vorgängen, Adrenalin usw., die meinem Tun ständig zugrundeliegen (tokens). Welche Rolle spielt diese Rede für meine Entscheidung selbst (man denke an eine Wahlentscheidung, z.B. Berufswahl)? Antwort: Keine, nicht einmal bei Handlungsentscheidungen, die selbst auf die Manipuliation meiner körperlichen Zustände gerichtet sind (z.B. wenn ich vorhabe, Vitaminpillen, Wasser oder Joghurts zu mir zu nehmen, weil ich meine Fitness beeinflussen möchte). So könnte er meinen erschlafften körperlichen Zustand bemerken, dies mit Unterzuckerung in Zusammenhang bringen und mir raten, einen Schokoriegel einzuschmeißen. Oder er könnte mir empfehlen, während des Marathons fleißig zu trinken und auch mal eine Banane zu essen. Die Vernünftigkeit dieser Maßnahmen hängt zwar vom Wissen über körperliche Zustände ab, aber nicht von den körperlichen Zuständen selbst. Epistemischer Kontrast.

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Dreisatz

Monday, 23. April 2007 17:20

Manchmal wird so geredet, wie wenn alle Bestandteile eines zu lösenden Dreisatzes logischer Natur wären. Das ist falsch. Nehmen wir den umgekehrten Dreisatzes, wie lange 5 Schreiner zur Herstellung von 10 Tischen benötigen, wenn 1 Schreiner für 10 Tische 30 Stunden benötigt. Die Information, daß mehr Leute weniger Zeit benötigen, ist empirisch. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß wir das für gewöhnlich alle wissen.

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Selbständiger

Monday, 16. April 2007 17:21

Die Idee eines vollständigen Unternehmers sieht eine Person vor, die sämtliche geschäfts- und erwerbsrelevanten Parameter mit Werten bestückt. Er betreibt alles selbst vom Einkauf bis zur Werbung. Maximaler Freiheitsgrad. Skaliert man diese Bereiche seines Tuns, so kann es sein, daß er einige Felder mit dem Wert 0 aufweist (er kümmert sich um bestimmte Dinge nicht oder delegiert). Das rührt aber nicht daher, daß er sich von bestimmten Aufgaben von vornherein entlastet sieht (wie bei Angestellten, Beamten u.dgl.). Bei ihm gilt: jeder Fehltritt kann sich beim Geschäftserfolg auswirken. Er lebt “in der Entscheidung”, denn man muß sich ihn als jemanden vorstellen, der alles wählt. Ein “Unterbewußtsein” oder “Unbewußtsein” gibt es aus methodologischen Gründen bei ihm nicht. Ob es eine derartige Person realiter gibt oder geben kann, ist genauso unerheblich wie die Frage, ob “vollständig informierte Marktagenten” gibt oder geben kann.

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