Kaufmännische Überdeckung

Friday, 23. November 2007 9:24

Intentionen sieht man selten - wenn überhaupt - direkt ein. Deshalb erscheinen moralisch und geschäftlich motivierte Handlungen häufig als ununterscheidbar. Dem Kaufmann ist es ja stets möglich, vom Selbstverständnis “Kaufviehhirte” in Richtung “wohltätiger Bedürfniserfüllungsgehilfe” zu switchen, ohne daß man ihn an der Handlungsoberfläche stellen könnte. “Dumme” Bedürfnisse gibts für den reinrassigen Geschäftsmann ja gar nicht. Auch sehen wir wieder eine Struktur, bei der es einen definitorischen Unterschied zwischen Handlungsstrukturen gibt (Kant: die Absicht muß gut sein für moralisch korrektes Verhalten), bei denen der begriffliche Zusatz (gute Absicht) unseren unmittelbaren Detektionsmöglichkeiten unangenehm vorauseilt. Interpretation und Ermittlung muß investiert werden, um es herauszubekommen. Das kostet Energie und Zeit. Meist zu viel.

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Manipulation

Sunday, 20. May 2007 12:55

Daß wir nichts verändern können, kann natürlich nicht wörtlich genommen werden. Seit meinem Aufstehen heute habe ich sehr viele Dinge getan, die den Zustandsraum um mich herum verändert haben. Die Zahnbürste hat sich nocht etwas mehr abgenutzt, im Marmeladenglas ist weniger drin, ich habe ein Buch ein eine andere Ecke gelegt. Vielleicht stolpere ich demnächst über dieses Buch und ziehe mir eine Verletzung zu. Der Umgang mit anderen Personen ist eine schlichte Fortsetzung dieses “Beeinflussungskontinuums”. Dazu gehört die Verdeckung dieses eigensinnigen Verhaltens durch Aufforderung zur Authentizität im übrigen auch. Wenn man dies weiß und anderen derartiges Verhalten auch zuschreibt, bleibt wenig Raum für Skrupel.

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Annahmeanomalie

Saturday, 19. May 2007 19:46

Aussagen, die bescheiden daherkommen, haben für gewöhnlich eine größere Chance, angenommen zu werden. Gibt es dafür einen Grund in der Sache? Nein. Ob etwas “bescheiden” ist oder “aufgespreizt” wirkt - das tut dem kühlen Zutreffen oder Nichtzutreffen keinerlei Eintrag. Hier wird die Sachhaltigkeit der Rede vom Beziehungsaspekt der Rede (Bühler) überformt.

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Charisma

Thursday, 19. April 2007 11:35

Bezogen auf die heutige wissensbezogene Großwetterlage ist der Begriff des Charismatikers ebenso albern wie der des Wunders. Beide deuten eigentlich nur an, daß bestimmte Eigenschaften einer Person oder eines Objekts bisher nicht gut erklärt werden konnten. Bisher. Wir kennen einfach zu viele Leute, bei denen eine Verschiebung des Arbeitsspektrums zu sichtbarer Hilflosigkeit führen würde. Von Souveräneität und Charisma bliebe da nicht mehr viel übrig, zumal der Begriff des Charismatikers auf Personenteile eigentlich nicht sinnvoll anwendbar ist.

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Thema: concepts&models, society | Kommentare (0)

Selbständiger

Monday, 16. April 2007 17:21

Die Idee eines vollständigen Unternehmers sieht eine Person vor, die sämtliche geschäfts- und erwerbsrelevanten Parameter mit Werten bestückt. Er betreibt alles selbst vom Einkauf bis zur Werbung. Maximaler Freiheitsgrad. Skaliert man diese Bereiche seines Tuns, so kann es sein, daß er einige Felder mit dem Wert 0 aufweist (er kümmert sich um bestimmte Dinge nicht oder delegiert). Das rührt aber nicht daher, daß er sich von bestimmten Aufgaben von vornherein entlastet sieht (wie bei Angestellten, Beamten u.dgl.). Bei ihm gilt: jeder Fehltritt kann sich beim Geschäftserfolg auswirken. Er lebt “in der Entscheidung”, denn man muß sich ihn als jemanden vorstellen, der alles wählt. Ein “Unterbewußtsein” oder “Unbewußtsein” gibt es aus methodologischen Gründen bei ihm nicht. Ob es eine derartige Person realiter gibt oder geben kann, ist genauso unerheblich wie die Frage, ob “vollständig informierte Marktagenten” gibt oder geben kann.

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Thema: economics, ecosophia | Kommentare (0)

Toleranz

Tuesday, 10. April 2007 15:54

Die Erdung toleranten Verhaltens erfolgt weniger über Verhaltensmaximen oder öffentlich verhandelte Wertkataloge, denn über die Einsicht, daß wirtschaftliche Akteure (d.h. jeder) bei Intoleranz den Geschäftserfolg gefährdeten. Und jede interpersonelle Transaktion kann als Geschäft verstanden werden (und wird immer häufiger auch faktisch so verstanden).

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Thema: ecosophia | Kommentare (0)

Kampagne

Friday, 23. February 2007 1:16

Muß jemand etwas glauben, damit er etwas Wahres sagen kann? Folgender Fall: Der Politische Akteur A möchte den politischen Akteur B (CSU) durch eine Pressekampagne schädigen. Dazu setzt er etwas in die Welt, was er selbst nicht glaubt (er “spielt” sozusagen mit dem Gedanken): Der Politische Akteur B soll an zügellosen Sexpartys in Swingerclubs teilnehmen. Dummerweise stellt sich das als “zufällig” richtig heraus. A hat das, was er in die Welt setzte, selbst nie geglaubt, sagt aber etwas Wahres. Glauben scheint keine notwendige Bedingung für wahre Aussagen zu sein.

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Thema: general | Kommentare (0)

Externalisierung

Saturday, 27. January 2007 9:42

Der “Kampf um den Kunden” führt zu einer Auslagerung der je eigenen Urteilskraft. Der Rezipient entscheidet ja. Es erscheint dann nicht mehr vernünftig, das Produkt vom Markt zu nehmen, weil man es selbst für idiotisch hält. Eine perfide Form der “Zurückhaltung”.

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RHETOR

Sunday, 14. January 2007 13:33

Manchmal steckt die ganze geballte Rhetorik in einem deskriptiven Wort: z.B. in “Bedenkenträger”.

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TYPISCH DEUTSCH

Sunday, 14. January 2007 13:31

Der locus “typisch Deutsch” wird häufig verwendet, um gegnerische Aussagen zu schwächen. Er leistet aber argumentativ nichts. Ferner: “typisch österreichisch”, “typisch schweizerisch” habe ich in Disputen im ORF oder im Schweizer Fernsehen auch schon vernommen: zumeist in Bezug auf “Zweifel”. Nächster Schritt: typisch europäisch oder typisch Mensch.

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