Pragmatisch

Saturday, 9. June 2007 11:55

Es ist immer wieder erstaunlich, wie leicht philosophische Überlegungen wie “die Welt könnte ganz anders sein als wir sie denken” durch pragmatische Überlegungen bloßgestellt (nicht beseitigt) werden. Man braucht nur zu replizieren: “Was bringt uns diese Überlegung?” oder “Angenommen, die Welt ist anders, was willst Du damit anfangen”. Diese Variante des Aufweisens der “Unechtheit des Problems” (Peirce) kommt auch viel sozialverträglicher und weniger hart daher wie seine philosophiehistorischen Kombattanten: Behauptung der Unformulierbarkeit, Behauptung der Sinnlosigkeit, Behauptung der Nicht-Nachweisbarkeit, Projektionsvermutungen (transzentendaler Schein)…Schließlich und endlich wissen wir ja, daß ein möglicher Proponent der einführenden Sichtweise im Alltag in derselben Begriffs-Suppe rührt wie die anderen auch. Er steht von Anfang an unter Verdacht, nicht wirklich zu glauben, was er zu glauben vorgibt.

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Thema: arguments, concepts&models, general, knowledge, reasoning | Kommentare (0)

Handlungs-Ereignisse

Monday, 28. May 2007 12:18

…of the many individual events that are risings of my arm, some are cases of my raising my arm; and none of the cases of my raising my arm are events that include more than my arm going up. Nothing is added to the event itself that makes it into an action. Why should we think otherwise? No one believes something must be added to a tree to make it an oak.

 

Donald Davidson: Problems in the explanation of action

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Thema: big points | Kommentare (0)

Interpretieren

Monday, 21. May 2007 10:31

Um die Aussagen anderer Personen zu verstehen ist es nicht notwendig, daß man dieselben Wörter verwendet. Ansonsten wäre das Verstehen einer Fremdsprache nicht möglich. Das Verstehen (im linguistischen Sinn) beruht auf etwas schwächerem: auf dem Umstand, daß Wörter auf andere Wörter “gemappt” werden. Save the structure and you save all. Deswegen ist es etwas mißverständlich, zu sagen, man verstehe sich gut, weil “man dieselbe Sprache spricht”. Nur eine Person garantiert ein “homophones Übersetzungsmanual”: man selbst.

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Thema: inquiry, methods, speech | Kommentare (0)

Historie

Saturday, 19. May 2007 19:08

Was soll eigentlich der rabulistische Hinweis: “Immerhin leben wir schon im 21. Jahrhundert” oder “Ihre Auffassung ist steinzeitlich”? Damit wird nichts gezeigt.

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Thema: analysis, polemics, speech | Kommentare (0)

Handeln

Tuesday, 1. May 2007 16:20

Denken kann gegen Handeln grundsätzlich nicht ausgespielt werden (”handle, denke nicht”). Der Handlungsakt selbst (z.B. das Aufgießen eines Tees zur Behandlung einer Erkältung) gehört nicht mehr zum rationalen und intellektuellen Bereich aller Gründe und vernünftigen Motive eines Agenten. Es ist ein schlichtes Ereignis. Daran ändert auch der Sophismus nichts, daß der, der denkt, etwas tut. Das faktische Aufgießen des Teebeutels ist etwas anderes als sich zu überlegen, ob und warum man sich einen Teebeutel aufgießen könnte.

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Thema: motives, reasoning, technics | Kommentare (0)

Orientierung

Wednesday, 18. April 2007 18:04

Als Wittgenstein in seinen “Philosophischen Untersuchungen” einst schrieb, philosophische Fragen hätten die Form “ich kenne mich nicht aus”, so dürfte er nicht einen Geisteszustand der Verwirrtheit im Auge gehabt haben (das wäre die psychologische Lesart). Man findet Denker in diesem Zustand eher selten vor. Er meinte wohl eher: diese und jene Überzeugungszusammenhänge bekomme ich nicht zusammen. Es gelingt mir nicht, mir darauf einen Reim zu machen, der mit anderen Versatzstücken ein systematisches Ganzes bildet. Die Aufgabe, “sich im Denken zu orientieren” (Kant) weist Bruchstellen auf. Es werden “aporetische Cluster” (Rescher) sichtbar. Für jemanden, der sich für Systematik nicht interessiert, sondern gerne mit Patchwork lebt, stellt das freilich keine Bedrohung dar. Leider.

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Thema: analysis, concepts&models, systematics | Kommentare (0)

Charakter

Wednesday, 31. January 2007 11:51

Die Strategie, bei Verlust körperlicher Schönheit, diese nach “innen” zu verlagern und von “innerer Schönheit” oder “Charakter” zu sprechen, ist zum Scheitern verurteilt. Man macht nämlich keine weitere Aussage über Schönheit, sondern vollzieht einen kruden Themenwechsel. An solchen Aktionen sieht man besonders deutlich, wie geradezu unerträglich uns Einsichten werden können: dann biegen wir die Sachlage bis zur Unkenntlichkeit zurecht. Ist die selbstverordnete Gehirnwäsche dann vollständig, benimmt man sich auch einfacher Erklärungsmöglichkeiten, weshalb man für andere evtl. nicht akzeptabel ist.

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Thema: aesthetics | Kommentare (0)

Klassifizierung

Wednesday, 31. January 2007 10:09

Klassifierungen von Objektbereichen in Mengen sollten immer disjunkt und exhaustiv sein. Sind sie es nicht, dann ist in der Regel der Unterscheidungsgesichtspunkt (tertium comparationis) unter der Hand ausgetauscht worden. So kommt es zu unliebsamen “Überlappungen”.

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Thema: reasoning | Kommentare (0)

KOMPREHENSION

Saturday, 20. January 2007 16:39

Ich habe schon Einführungen zur Mengentheorie aufgeschlagen, in denen sinngemäß folgende Merkwürdigkeit stand: Mengenbildung (Komprehension) könne nur mittels Prädikaten erfolgen, die “keimfrei” sind: die Menge der doofen oder hübschen Menschen ließe sich nicht bilden, weil Uneinigkeit darüber herrscht, wer als hübsch oder doof gelten kann. Ich würde sagen: Selbstverständlich lassen sich diese Mengen bilden. Beim einen ist die jeweilige Menge halt nur größer, beim anderen kleiner. Es ist nie eine gute Idee, Verifikationsmöglichkeiten vor Prädikate oder Mengen zu schieben. Logisch ist das nämlich unerheblich.

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Thema: concepts&models, reasoning | Kommentare (0)

Gerrymandering

Thursday, 11. January 2007 14:32

Bei (mathematischen) Mengenbildungen befinden wir uns häufig zwischen der Scylla der Willkür und der Charybdis der Absurdität. Zuerst bilden wir die Menge der Boxer. Jeder kann gegen jeden antreten. Der Weltmeister wird gekürt. Dann meldet sich das Gerechtigkeitsempfinden: Behinderte oder Frauen gegen Tyson antreten lassen? Reaktion: Gesonderte Mengenbildung: Frauen, Männer, Behinderte, Kinder,…. Es werden Weltmeister gekürt. Bleiben wir bei den Männern. Wieder meldet sich das Gerechtigkeitsempfinden: einen Fliegengewichtler gegen George Foreman antreten lassen? Reaktion: Mengenbildung innerhalb der Männergruppe: Fliegengewicht, Bantam, Mittelgewicht, Schwergewicht… Eines wird jetzt klar: es gibt keinen natürlichen Haltepunkt mehr: nichts spricht dagegen, den Weltmeister in der Gruppe: männlich, weiß, blond, 175 cm groß, geboren am 16.2. 1970 zwischen 0 Uhr und 6 Uhr zu küren. Die Granulierung läßt sich beliebig weit treiben. Absurd. Ansonsten: Willkürverdacht. Hier ist es im übrigen unser Gerechtigkeitsempfinden, das den immer größer werdenden Verwaltungsaufwand zeitigt. Politisch: Kann es unter Bedingungen fortschreitenden Lobbyismus noch zu großangelegter “Entbürokratisierung” kommen? Wir sind hier wirklich in Verlegenheit: nicht weil es hier so komplex zuginge, sondern weil wir keine Haltepunkte festnageln können. Schlimmer: das “Natürliche” selbst gerät unter Verdacht. Dezisionismus. Scheiße.

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