Umgang mit Philosophie
Ich kenne zwei Typen professioneller Philosophen mit Bezug auf die Mentalität, mit der man treibt, was man treibt. Unterscheiden wir den integrativen und den dispositiven Typus. Der integrative Typus legt Wert darauf, sich eine Denkraum als Totalität zu erarbeiten und ihn nicht künstlich von der “Lebenswelt” fernzuhalten. Deshalb ist er darum bemüht, seine Überzeugungen und sein Denkverhalten systematisch unter pragmatischen Druck zu setzen. Er treibt Philosophie, um seine persönliche intellektuelle Klasse in der Weltorientierung zu erhöhen und ist beunruhigt, falsch liegen zu können und in praxi Denkfehler zu machen. Jeder mögliche Zusammenhang - ob das nun der Abschluss einer Versicherung oder eine avisierte Heirat ist, ist Probierstein. So kann es nicht zu plötzlichen Niveauabfällen kommen - wie oft zu beobachten. Der dispositive Typ distanziert sich von seinen Forschungsergebnissen innerlich, stellt sie der scientific community professionell als “Beitrag” zur Verfügung und rückt in ein Produktionskontinuum ein. Dieser dispositive Typus ist ständig in der Gefahr, seine Thesen pragmatisch unausgestestet zu lassen und ein untertouriges Leben zu führen. So kann es leicht passieren, dass er (wie Dewey einmal bemerkte) an seiner eigenen Erkenntnistheorie vorbeilebt oder Zynismus gegenüber dem eigenen Forschungsschwerpunkt entwickelt (man erlebe mal einen “Hegelexperten” im angetrunkenen Zustand). Meines Erachtens muss Philosophie als Titel einer Gesamtbemühung verstanden werden, das eigene persönlich Niveau unter Aufbietung von Rationalitätsressourcen praktisch hochzuschrauben. Der gute Philosoph hat dann eo ipso das hochwertigere Begriffs- und Überzeugungssystem. Das Bild eines “braven” Philosophen ist eigentlich nicht hinnehmbar; er muss schon der Regisseur bleiben.
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