VERWALTUNGSDICHTE

Man hört Leute unentwegt über die nichtssagenden Parolen und rhetorischen Tricks von Politikern schimpfen. Diese Taktiken sind aber schon längst im normalen Leben angelangt. Meine Vermutung: jede Verbaltätigkeit, die in einem kommunikativ und personal dichten Zusammenhang zustandekommt, nimmt im entwickelten Stadium die “diplomatische” Form an. Der Grund ist klar: ein Mehr an rhetorischem Aufwand für ein Weniger an sozialen Reibungsverlusten; den Aussagen muß etwas der Punch genommen und mögliche “Mißverständnisse” von vornherein vereitelt werden - Verwässerungen oder Trübungsstrategien bieten sich geradezu an. Wer sagt schon seinem Chef oder gar dem Kunden, was er von ihm hält; wer sagt schon seinem “Lebensgefährten”, daß er fett und häßlich geworden und selbst der Quartalskoitus zum Martyrium avanciert ist. Der allgemeine Verwaltungsaufwand steigt einfach - das ist ein strukturelles Phänomen.

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Datum: Thursday, 23. November 2006 11:07
Themengebiet: analysis, society, speech Trackback: Trackback-URL
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