Wahrheit

Um den Witz des Wahrheitsbegriffs ranken sich allerlei (immer mehr) Missverständlichkeiten. Zum einen die Vorstellung, er müsse auch kriterial etwas hergeben (”dann nennen Sie mir doch Wahrheiten und geben Sie einen Lackmustest für wahre Aussagen, insofern sie sich von falschen unterscheiden”). Dann die zwanghafte, manchmal werbende Neigung, ihn in die unmittelbare, exklusive Nähe zu wissenschaftlicher Tätigkeit zu rücken. Ferner das Missverständnis als “Wert”, das zu Äußerungen der Form “Y ist ein Wahrheitsapostel” oder “Y glaubt an die Wahrheit” führt. Im verstärkten Modus ist dann von einer Art “Religion” oder vom “Mythos” die Rede. Zuletzt die Vorstellung, man müsse sich zu ihm “bekennen”.

Es ist anders. Man hat sich ihn - den Begriff - von vornherein eingekauft mit jeder Überzeugung der banalsten Art, die man haben kann (”glauben, im Wohnzimmer zu stehen” oder “glauben, 5 Jahre alt zu sein”). Da gibts nichts zum Bekennen oder Anstreben. Wie wäre es, ohne ihn auskommen zu müssen? Man hätte keinerlei Vorstellung vom “der Fall sein”. Damit würde unser Orientierungssystem kollabieren - da wäre nichts mehr formulierbar, was die Form hätte “es ist so und so” - unabhängig davon, ob man es sich nur denkt oder auch äußert.

Wie meinte Davidson ? Wahrheit als schlichtes einstelliges Prädikat dürfe man sich nicht wie eine Verweismarke auf einer Fotographie vorstellen. Simply true or wrong.

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Datum: Thursday, 14. February 2008 20:11
Themengebiet: truth Trackback: Trackback-URL
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