Wahrheitslink
Der Übergang vom Verfügen über ein Wahrheitskonzept zur Frage danach, woran man wahre Überzeugungen erkennt ist denkbar naheliegend. Man sollte ihm aber widerstehen.
Es gibt keinen “Wahrheitslink”, der sagt “hier gehts zur Wahrheit”. Es gibt nicht so etwas wie einen Indizien-Verweis, wie es etwa einen Verweis gibt zwischen Punkten im Gesicht und Masern oder Ortsschildern und Städten.
Deswegen wäre auch der Vorwurf unangebracht, das Wahrheitsprädikat sei zirkulär. Dabei stellt man bei diesem Verdacht intern die Fragestellung von “was heißt es, wahr zu sein” auf “woran erkennt man die Wahrheit” um, um dann natürlich beim “das weiß man eben” zu landen. Wahrheit würde im Rekurs auf das begrifflich anspruchsvollere Konzept des Wissens eingeführt, das mit dem Wahrheitsbegriff natürlich bereits notwendig verklammert ist (justified true belief). Deswegen - den Kriterienschritt gar nicht erst machen.
Natürlich kann dieses Ausbleiben der “Selbstanzeige” für manch einen Grund genug sein, das Prädikat außen vorzulassen, weil es operativ nicht durchschlägt. Nur - das ist bei den meisten Begriffen so: der Richter, der das Konzept “Totschlag” kennt, verfügt damit auch noch nicht über ein Kriterium, Totschläger von Nichttotschlägern zu separieren. Er sieht es ihnen auch nicht an. Er kennt auch nicht alle Totschläger.
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